Gut, aber hat definitiv seine Längen ...
Die Geschichte beginnt in Kanton, wo der junge Robin Swift seine Familie durch Cholera verliert und von dem Engländer Lovell mit einem Silberbarren geheilt wird. Lovell bringt ihn nach England, um ihn auf das Studium in Oxford vorzubereiten. Sein Ziel: Robin soll in Babel, dem renommierten Institut für Übersetzungen und Silberwerke in Oxford, aufgenommen werden. Was zunächst wie eine große Chance wirkt, entpuppt sich bald als moralischer Zwiespalt. Babel ist das Herzstück der britischen Macht, die Sprachen der Kolonien nutzt, um Wohlstand zu sichern und andere Länder auszubeuten, darunter auch Robins Heimat.Babel ist kein typischer Fantasyroman, auch wenn er mit dem Silberhandwerk ein spannendes Magiesystem einführt, das Maschinen antreibt, Wärme spendet oder Schiffe bewegt. Vielmehr ist es ein sprachgewaltiges Werk, das Kolonialismus, Rassismus und die Macht der Sprache in den Mittelpunkt stellt.Robin findet in Babel drei enge Freunde: Victoire und Ramy, die wie er aus kolonialisierten Ländern stammen, und Letty, eine Engländerin aus adligem Haus. Alle vier teilen den Status von Außenseitern, sei es durch Herkunft oder Geschlecht. Doch ihre Freundschaft wird im Verlauf der Handlung auf eine harte Probe gestellt.Das Buch ist in seiner Sprache eher anspruchsvoll, man spürt förmlich die Liebe zu Worten und Details. Gleichzeitig kann das aber auch anstrengend werden. Über 100 Seiten widmet man sich der Bedeutung von Sprachen, Übersetzungen und Fußnoten. Das ist zwar interessant, aber manchmal zäh und langatmig. Wer sich da durchkämpft, wird jedoch mit einer intensiven und klugen Geschichte belohnt.Babel beleuchtet Themen, die heute aktueller sind denn je: Kolonialismus, Machtmissbrauch, Ausbeutung, Rassismus und Widerstand. Die Fantasyelemente treten dabei eher in den Hintergrund, wichtiger ist die Frage, wie Sprache als Werkzeug von Herrschaft und Unterdrückung, aber auch als Mittel des Widerstands funktioniert.Insgesamt ist Babel ein tiefgründiges, wichtiges und manchmal auch wütend machendes Buch, das Missstände nicht beschönigt, sondern klar benennt. Kein Roman, der durch Action glänzt, sondern einer, der zum Nachdenken zwingt und den man unbedingt gelesen haben sollte.