Quasi kreditwürdig analysiert Klein die Schieflage durch Überreichtum ¿ und schlägt Lösungsansätze vor.
Es gibt eine Schieflage in diesem Land und in dieser Welt, die eine große Gefahr darstellt - für unsere Demokratie und unsere Lebensgrundlagen."Mit großem Vermögen geht immer große Macht einher. Und zwar mehr Macht, als eine Demokratie verträgt. Ich spreche da aus Erfahrung: Weil ich vermögend bin, kann ich meine Meinung in großen Medien kundtun. Ich werde regelmäßig ins Fernsehen und zu Events mit Politiker:innen eingeladen."Und genau deswegen trägt Sebastian Klein seine Kritik mit so großer Überzeugungskraft. Klein ist im wahrsten Sinne des Wortes "bankable", so kreditwürdig, dass man ihm zuhört, so kreditwürdig, dass er weiß, wovon er spricht, was es heißt Vermögen abzugeben. Als Blinkist-Gründer wurde er Millionär - und ist doch im Reigen der Reichen ein kleiner Fisch, wenn man ihn mit Milliardär*innen vergleicht. Eindrucksvoll legt er in "Toxisch Reich" dar, warum es solche Vermögen nicht geben sollte: Einfluss auf die Politik, Klima- und Umweltzerstörung, Marginalisierung aller Menschen, die kaum oder gar nichts besitzen, Fortführung von Kolonialisierung und Rassismus und so weiter und so fort.Kleins Argumente sind mir nicht neu, aber trotzdem habe ich sein Buch total gerne gelesen. Er argumentiert anschaulich und nachvollziehbar. Wie wäre z.B. das Vermögen verteilt, wenn Deutschland ein Dorf mit 1.000 Einwohnenden wäre?"Insgesamt sind nur circa 3 Prozent des gesamten Dorfvermögens im Besitz dieser ärmeren 500 Menschen. (...) "Ganz am oberen Ende der Verteilung ist eine Person, die extrem reich ist: Ihr gehören über 20 Prozent des gesamten Dorfvermögens. Diese Person besitzt fast so viel wie die ganze Unter- und Mittelschicht zusammen, also 900 Personen. Sie besitzt sogar mehr als die zweit- bis neuntreichste Person zusammengenommen."Seine Interviewpartner*innen sind kompetent und gestalten das Buch lebendig. Zum Ende jedes Kapitels fasst er das "Take Away" nochmal prägnant zusammen. Und Kleins persönliche Geschichte ist das Salz in der Suppe, zwischen den großen Blöcken Gestern - Heute - Morgen. So bietet Kleins Ausblick als Mehrfachgründer durchaus auch Impulse für Firmeninnovationen. Nur geht es bei ihm nicht mehr um Profitmaximierung, die, wie er darlegt echte Innovationen bremst, sondern um Gemeinwohl und regeneratives Wirtschaften. Ach ja, Vermögens- und Erbschaftssteuern kommen auch vor.Gerade durch Kleins persönliche Geschichte liest sich das Buch richtig gut. 4,5 von 5 Sternen.