Allow, a Sunflower to Bloomvon Mara Schnellbach war für mich so ein Buch, bei dem ich am Ende ziemlich zwiegespalten zurückbleibe. Es hat mich an einigen Stellen wirklich gut unterhalten und vor allem mit seinem Schreibstil ziemlich überrascht, aber gleichzeitig war es für mich einfach kein Highlight. Es gab einige Dinge, die ich richtig schön und besonders fand, andere wiederum haben dafür gesorgt, dass der Funke bei mir nicht so ganz überspringen wollte.Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: aus der Sicht von Emmy und Casimir. Beide ziehen mit ihren Geschwistern in eine WG, in der außerdem noch Frieda lebt. Während Emmy gemeinsam mit ihrer Schwester Madita einzieht, kommt Casimir mit seinem Bruder dazu. Dadurch müssen sich erst einmal alle kennenlernen und irgendwie miteinander arrangieren. Die Geschichte startet im August und entwickelt sich insgesamt sehr ruhig. Nach und nach bekommen wir außerdem immer wieder Einblicke in die Vergangenheit der Figuren.Ein ziemlich großes Thema ist dabei Emmys und Maditas Vergangenheit als Pflegekinder. Gerade Emmys Gedanken darüber, wer eigentlich ihre richtigen Eltern sind, was Familie bedeutet und wo sie selbst in diesem ganzen Konstrukt eigentlich hingehört, ziehen sich eigentlich durch das komplette Buch. Dazu kommen die ganz normalen Fragen, die man Anfang 20 so mit sich herumschleppt: Wo Studiere ich? Was will ich eigentlich mit meinem Leben anfangen? Und wer bin ich überhaupt, wenn ich langsam erwachsen werde?Was mir wirklich sehr positiv aufgefallen ist, war der Schreibstil. Der Schreibstil ist an vielen Stellen sehr poetisch und arbeitet mit interessanten Metaphern, kann aber gleichzeitig unglaublich locker werden. Es fühlte sich nicht künstlich oder übermäßig gewollt an, sondern einfach authentisch. Und genau diese Kombination fand ich ziemlich cool: Auf der einen Seite gibt es diese poetischen, teilweise sehr bildhaften Passagen, bei denen man wirklich zwischen den Zeilen lesen kann, und auf der anderen Seite sind da diese komplett normalen, lockeren Gespräche. Außerdem waren die Kapitellängen wirklich angenehm und auch mal eher kurz so kam ich noch besser durchs Buch durch.Allerdings war das Buch insgesamt sehr melancholisch. Fast jede Figur hatte mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen, wodurch mir manchmal dieses wohlige Gefühl beim Lesen gefehlt hat. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass ich gerade eigentlich Lust auf eine andere Art von Geschichte hatte. Etwas schade fand ich außerdem, dass viele interessante Themen nur angerissen wurden. Es werden einige Dinge angedeutet und in den Raum gestellt, aber nicht immer wirklich auserzählt. Bei Emmee und Casimir ist der Funke bei mir leider ebenfalls nicht so richtig übergesprungen. Ich fand die Idee, dass sich zwei eher introvertierte Menschen kennenlernen, tatsächlich mal erfrischend, aber ihre romantische Verbindung hat mich nicht wirklich gepackt. Die Familiendynamiken haben mich deutlich mehr interessiert.Ein schönes Detail war für mich außerdem das Kunstthema. Emmy möchte Kunst studieren und jedes Kapitel beginnt mit einer Verbindung zu einem Gemälde oder einer Künstlerin. Am Ende gibt es sogar ein Glossar mit den verwendeten Bildern, das fand ich richtig cool. Insgesamt war es für mich also ein authentisches, ruhiges und sprachlich besonderes Buch, das mich thematisch aber nicht immer abholen konnte. Ich habe es trotzdem gerne gelesen und gerade der Schreibstil wird mir wahrscheinlich im Gedächtnis bleiben. Deshalb vergebe ich 3,5 Sterne