Der Roman hat mich sehr gut unterhalten und mir einen lebendigen Einblick in das Leben in Dresden um 1908 gegeben, insbesondere was die damalige Situation von Frauen angeht. Ich habe Christine (Therapeutin in einem Sanatorium) sehr gerne auf ihrem Weg begleitet. Ich fand es gut nachvollziehbar, wie sie aus ihren Erfahrungen mit den Frauen der Oberschicht, die aufgrund des engen Korsetts so oft in Ohnmacht fallen, auf die Idee kommt eine angenehmere Art von Büstenhalter zu erfinden (faszinierend, dass der BH zuerst aus Taschentüchern und Hosenträgern bestand). Ich war überrascht zu lesen, wie schwierig es damals war, eine Erfindung bekannt zu machen und davon zu leben (zumindest als Frau). Genauso ging es auch Melitta Bentz, der Erfinderin des Einweg-Kaffeefilters. Die Erfindung und Weiterentwicklung des BHs ist ein roter Faden im Roman, es werden jedoch noch viel mehr Aspekte aufgegriffen, so dass sich ein facettenreiches Gesellschaftsportrait entfaltet.Besonders gut gefallen hat mir Christines Freundschaft mit ihren drei Mitbewohnerinnen in der Hausgemeinschaft: Julia (Schneiderin und Stickerin), Lotta (Bäckerin, Kellnerin) und Amalie Melitta (Ehefrau, meldet Patent auf ihre Erfindung des Kaffeefilters an). Der Zusammenhalt und wie die Freundinnen sich gegenseitig inspirieren, haben mir imponiert. Ich habe die verschiedenen Charaktere gut kennenlernen können, sie waren mir alle sympathisch. Es kommt auch Romantisches vor. Der Roman hat (für mich) eine Wohlfühlatmosphäre und bietet eine schöne Mischung aus historischen Fakten und Persönlichkeiten mit fiktiven Figuren, Lokalkolorit und erzählerischer Dramaturgie (wendungsreiche Handlung). Der Schreibstil ist angenehm, mit Herzenswärme, und erzeugt einen guten Lesefluss.Kurz gesagt: Empfehlenswert. Der Roman ist perfekt für alle, die gerne lesend in die Wilhelminische Zeit reisen, sich für Dresden, Frauenrechte und Erfindungsgeist interessieren und gerne Geschichten über selbstbestimmte Frauen und Freundschaften lesen.