"Slow Dance" von Rainbow Rowell erzählt die Geschichte von Shiloh und Cary, die sich bereits aus ihrer Jugend kennen und deren Leben sich nach vielen Jahren wieder miteinander verbindet. Dabei handelt es sich um eine klassische Second Chance Romance, bei der die beiden Hauptfiguren feststellen müssen, dass vergangene Gefühle offenbar doch nicht so einfach verschwinden. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Shiloh und Cary erzählt. Grundsätzlich hat mir dieser Perspektivwechsel gut gefallen, da man dadurch einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt beider Charaktere erhält. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die unterschiedlichen Perspektiven noch etwas deutlicher herausgearbeitet worden wären. Gerade bei einem Roman, der so stark von den beiden Hauptfiguren und ihrer gemeinsamen Vergangenheit lebt, hätte eine stärkere Abgrenzung der beiden Stimmen meiner Meinung nach noch mehr Tiefe geschaffen.Ein weiterer Punkt, mit dem ich mich beim Lesen etwas schwergetan habe, waren die Rückblicke in die Vergangenheit. Die Handlung springt immer wieder zwischen verschiedenen Lebensabschnitten von Shiloh und Cary hin und her. Dabei war für mich nicht immer sofort ersichtlich, wie alt die beiden zu dem jeweiligen Zeitpunkt eigentlich waren. Dadurch musste ich mich teilweise erst wieder orientieren, in welcher Phase ihres Lebens sich die beiden gerade befinden. Gerade weil ihre gemeinsame Vergangenheit für die gesamte Geschichte eine so wichtige Rolle spielt, hätte ich mir hier etwas mehr Klarheit gewünscht. Trotzdem hat mir die Grundidee der Geschichte gut gefallen. Shiloh und Cary verbindet eine lange gemeinsame Vergangenheit, wodurch ihre Beziehung deutlich komplexer ist als eine typische Liebesgeschichte. Man erlebt nicht nur, wie sie sich als Erwachsene wieder annähern, sondern bekommt gleichzeitig immer wieder Einblicke in ihre gemeinsame Jugend. Dadurch wird verständlich, warum zwischen den beiden trotz aller vergangenen Jahre noch immer diese besondere Verbindung besteht. Besonders gut gefallen haben mir dabei die Mütter von Shiloh und Cary. Ihr ständiges, teilweise nur unterschwelliges Intervenieren bringt immer wieder Bewegung in die Handlung. Auch wenn man sich bei manchen ihrer Einmischungen sicherlich fragt, ob sie sich wirklich in alles einmischen müssen, sorgen sie dadurch gleichzeitig für einige interessante und teilweise auch amüsante Momente. Sie beleben die Geschichte immer wieder und verhindern, dass die Handlung ausschließlich auf Shiloh und Cary fokussiert bleibt. Rainbow Rowells Schreibstil ist dabei gewohnt angenehm und eher ruhig. Die Geschichte lebt weniger von großen dramatischen Wendungen als von den Beziehungen zwischen den Figuren, ihren Erinnerungen und den vielen unausgesprochenen Dingen, die zwischen Shiloh und Cary stehen. Gerade diese leisen Momente machen den Roman aus.Allerdings muss ich auch gestehen, dass mich die Geschichte nicht durchgehend fesseln konnte. Durch die vielen Zeitsprünge und die nicht immer ganz klar erkennbare zeitliche Einordnung hatte ich stellenweise Schwierigkeiten, richtig in der Handlung zu bleiben. Auch die Beziehung zwischen Shiloh und Cary konnte mich emotional nicht immer vollständig erreichen. Fazit:"Slow Dance" von Rainbow Rowell ist eine ruhige Second Chance Romance, die vor allem von der langen gemeinsamen Geschichte ihrer beiden Hauptfiguren lebt. Shiloh und Cary sind interessante Charaktere, deren Beziehung durch die Rückblicke immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird.Während mir die Grundidee und insbesondere die Einmischungen ihrer Mütter gut gefallen haben, hätte ich mir bei den Perspektivwechseln und den Zeitsprüngen etwas mehr Klarheit gewünscht. Dadurch blieb für mich leider ein wenig das emotionale Potenzial der Geschichte auf der Strecke. Insgesamt hat mich "Slow Dance" gut unterhalten, konnte mich aber nicht vollständig überzeugen. Note: 3 (¿¿¿)