Ein feuchter Männerhasserinnentraum
Haze hasst Männer, "weiße Heteromänner", wie sie betont. Denn natürlich hasst sie Männer nur aus feministischen Gründen, als moralische Rechtfertigung für ihr Hobby: Männer morden. Weiße Heteromänner selbstverständlich, aber da reicht schon ein einziger Kniff in einen Kellnerinnenhintern als Auslöser, denn schließlich hat sie "ein Gespür" dafür, wer böse ist und ausgelöscht gehört. Richterin und Henkerin in einer Person: Spart Zeit und dient der woken Gesellschaft. Ihr Ehemann teilt ihr Hobby und gemeinsam befreien sie die Welt vom Patriarchat, bis Bibi in ihr Leben tritt. Bibi ist der Nachwuchs, der dafür sorgt, dass sich die Familie in einem Londoner Reichenghetto niederlässt und das riskante Mordgeschäft aufgibt. Nur langweilt sich Haze seitdem zu Tode und ihr Durst nach weißem Heteroblut steigt von Kitastunde zu Kitastunde. Da der Gatte partout keine Sehnsucht hat, die Welt zu verbessern, kommt er ebenfalls auf die Abschussliste, schließlich ist er weiß und Hetero, also ein moralisch vertretbares Target.Anfangs gefiel mir die Geschichte noch ganz gut, bis ich zunehmend das Gefühl bekam, dass dieser abgrundtiefe Männerhass weniger satirisch als ernst gemeint war. Asia Mackay schreibt sehr routiniert, aber wenig originell und dadurch verfestigt sich der Eindruck, zumal die Geschichte in der Mitte nicht richtig vom Fleck kommt und dieselben Motive immer und immer wiederholt werden. Danach nimmt die Story dann wieder Fahrt auf, allerdings auf Kosten der Logik. Ohne jetzt zu spoilern, aber die Begründung für das seltsame Verhalten von Hazes Ehemann ist ziemlich hanebüchen.Mein Fazit: Dieses Buch ist eine etwas zu humorlos ausgelebte Männerhasserinnenphantasie, als dass ich das noch als augenzwinkernde Satire durchgehen lassen würde. Die permanente "moralische" Rechtfertigung von Gewalt und Selbstjustiz wird auch irgendwann langweilig, aber von der Zielgruppe wird es sicherlich Applaus geben, denn Asia Mackay bedient die Art von Diskriminierung, für die niemand auf die Straße geht. Man stelle sich nur mal ansatzweise vor, was passieren würde, wären die Geschlechterrollen in diesem Buch genau andersherum verteilt...