Was sie immer wusste hatte für mich eine wirklich interessante Grundidee und einige überraschende Wendungen zu bieten. Wirklich gut gefallen hat mir der Schreibstil: Das Buch liest sich sehr flüssig, und auch die Charaktere werden nach und nach gut aufgebaut und beschrieben.
Knapp die Hälfte des Buches dreht sich überwiegend um die Gerichtsverhandlung. Normalerweise besteht bei einem so langen Gerichtssetting durchaus die Gefahr, dass sich die Geschichte zieht. Das war hier für mich allerdings überhaupt nicht der Fall. Die Verhandlung war spannend und anschaulich beschrieben, sodass ich nie das Gefühl hatte, dass sich die Handlung unnötig in die Länge zieht.
Was mich allerdings gestört hat: In der zweiten Hälfte werden Teile der Ereignisse aus dem Prozess noch einmal aufgegriffen und wiederholt. Für mich hätte es das nicht unbedingt gebraucht. Dadurch verliert die Geschichte an Fahrt.
So weit so gut.
Wäre da nicht der Klappentext ...
Denn der ist für mich tatsächlich der größte Kritikpunkt an diesem Buch.
Wer bitte verfasst einen solchen Klappentext???
Und wer segnet sowas ab und gibt die Druckfreigabe?
Der Text verrät fast die komplette Handlung (!!) und das geht weit über eine normale Inhaltsangabe hinaus. Sogar das Ergebnis des Prozesses, über den wir die Hälfte des Buches lesen, wird vorweggenommen.
Das ist einfach unglaublich ärgerlich. Einige Entwicklungen, die eigentlich für Spannung und Überraschung sorgen könnten, laufen dadurch ins Leere, weil man bereits weiß, worauf die Geschichte hinausläuft. Es ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, warum man ausgerechnet bei einem Buch, das mit Geheimnissen und Wendungen arbeitet, so viel davon bereits auf dem Klappentext verrät. Zum Glück habe ich den Klappentext erst gelesen, als ich schon mit gut der Hälfte des Buchs durch war. Und selbst da wurde noch zu viel verraten
Deshalb meine ganz dringende Empfehlung:
Wenn ihr euch für dieses Buch interessiert, kauft und lest es möglichst blind. Ignoriert den Klappentext und am besten auch die ausführlicheren Inhaltsbeschreibungen im Internet! Damit könnt ihr euch einen großen Teil des Lesevergnügens bewahren.
Denn eigentlich hat Was sie immer wusste für mich einiges zu bieten: einen guten Schreibstil, interessante Charaktere, eine interessante Gerichtsverhandlung und eine grundsätzlich sehr gute Geschichte.
Nur hätte ich diese Geschichte deutlich lieber gelesen, ohne vorher so krass gespoilert zu werden...