Mit dem Buch habe ich mich überraschenderweise nicht nur in einen Kriminalfall gestürzt, sondern auch in ein literarisches Abenteuer. Zumindest lagen dort meiner Meinung nach die Stärken des Buches.
Was mich dabei sofort in den Bann gezogen hat, war die Protagonistin. Sie ist erfrischend anders, herrlich unkonventionell und bringt eine Tiefe mit, die man in klassischen Krimis oft vermisst. Begleitet wird diese starke Charakterzeichnung von einem Schreibstil, der mich immer wieder begeistert hat. Jess Kidd schreibt unglaublich anschaulich und sprüht nur so vor kreativen Sprachbildern, die die Atmosphäre des Ortes nicht nur greifbar machen, sondern auch künstlerisch aufarbeiten. Jede Szene fühlte sich lebendig und detailreich an.
Allerdings muss ich zugeben, dass meine Begeisterung durch das Erzähltempo etwas gebremst wurde. So sehr ich die Sprache auch genossen habe, so sehr zog sich die Handlung für meinen Geschmack in die Länge. Es gab Phasen, in denen ich das Gefühl hatte, die Geschichte trete auf der Stelle, während die Autorin sich in ihren atmosphärischen Beschreibungen verlor. Ein bisschen mehr Dynamik und Zugkraft hätten der Spannung gutgetan.
Insgesamt bleibt es für mich ein lesenswertes Buch für alle, die Wert auf Charakter und Sprachkunst legen, man muss jedoch die nötige Geduld für die eher gemächliche Gangart der Geschichte mitbringen.