Subtiler Mystery-Horror, der düster erzählt und einen Schauer verschafft, indem er das Übernatürliche allzu real einbaut.
Falls ihr bisher noch keine Modelleisenbahn in eurem Besitz habt, nach diesem Buch werdet ihr es euch noch mindestens dreimal überlegen."Komm spielen" nimmt seine Lesenden mit in eine atmosphärisch bedrohliche und düstere Welt des Kleinstadtflairs. Direkt im Prolog wird das Potenzial deutlich und hinterlässt eine Gänsehaut, die ein ungutes Bauchgefühl mit dem Sog des Weiterlesens paart. In fünf Akten begleiten wir Annie und ihren Sohn Charlie, die sich eine Auszeit in den Weiten von Castel Creek gönnen, nachdem ihr letztes Jahr der reinste Realhorror war. In unweiter Ferne liegt der Handlungsort des zweiten Protagonisten: Chief Harry Cook, mit einer Vorliebe für Diner-Kaffee und seine Heimatstadt Lucknow. Diese wird von Vermisstenfällen und seltsamen Vorkommnissen heimgesucht. Die Verbindungen zwischen den Perspektiven entfalten sich gemächlich und lassen Spielraum für die eigene Fantasie. So gelingt es Linwood Barclay bis zum Schluss Plots einzubauen und damit kleine und große Schockmomente zu erzeugen. Zufällig passiert hier wirklich gar nichts. Der Spannungsbogen baut sich langsam auf, wobei der Schreibstil zwischen einer lebhaften und nüchternen Erzählweise wechselt. Besonders die humorvollen Passagen hatten für mich ihren Charme. Linwood Barclay ist Fan von Wortspiele a la Bahn, die er immer wieder mit großem Vergnügen einbringt. Die DB qualmt wahrscheinlich bereits vor Neid.Wie das Cover verrät, war Stephen King begeistert. Seine Fans werden es wohl auch sein. Die Parallelen im Schreibstil und Storytelling sind definitiv vorhanden und schaffen ein gruseliges und kribbelndes Leseerlebnis, das mich an die Atmosphäre von "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Der Outsider" erinnerte. (Kleine) Splattermomente inklusive. Besonders begeisterte mich, wie der Autor mir eine Zeitreise ins Jahr 2001 ermöglichte, indem er bspw. mit Klapphandys und Speicherkarten als absoluten Gamechangern des neuen Jahrhunderts aufwartete. Dass diese Zeit allerdings bereits ein viertel Jahrhundert zurückliegt, war ein Schock, den Linwood Barclay mir ganz nebenbei verpasste. Verschwörungstheoretikern würde ich wohl vom Lesen dieses Buches abraten, eure Gehirn werden nicht stillstehen. Alle anderen, die keinen klassischen Thriller, sondern einen Mystery-Horror-Roman mit übernatürlichen Elementen lesen wollen, wird "Komm spielen" mit Sicherheit abholen können. Ich bedanke mich beim Aufbau Verlag und NetGalleyDE für den Gruseleinstieg in die spooky Season, hoffentlich ohne Begegnungen mit Modelleisenbahnen jedweder Art.