Buchreihen, bei denen jeder Band einer von mehreren Schwestern gewidmet ist, sind zur Zeit völlig im Trend. Mir persönlich gefällt daran besonders, dass neben einer anderen Sichtweise auf Geschehnisse und Charaktere eine individuell interessante Geschichte um die jeweilige Hauptprotagonistin entsteht.
Dies ist Eleanor Buchanan mit dem Auftakt ihrer Familiensaga DIE TÖCHTER VON SKARA bestens gelungen. Die Geschichte basiert auf einer fiktiven alten schottischen Legende über einen Fischer, dessen 4 geliebten Töchter entführt wurden. Er stellt auf einer schottischen Landzunge vier große Steine auf, die ihnen bei Rückkehr den Weg weisen sollen. Verflucht seien die Familien derer, die die Steine jemals niederreißen sollten.
1931 Auf einer Landzunge an der Westküste von Mainland, der Hauptinsel der Orkneys, befindet sich der Lieblingsplatz der vier Blackmore-Schwestern Iris, Rose, Lily und Daisy auf dem Anwesen RUHBA CLACHAN, vier im Halbkreis liegende Steine, die Four Sisters. Nach dem Tod ihrer Mutter und der Spielsucht des Vaters stehen sie finanziell vor dem Ruin. Iris macht sich auf zu einer abenteuerlichen Reise nach Ceylon und Australien, um ihren Onkel Ralph zu suchen und Unterstützung zu finden.
Gegenwart Nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter verlässt Roz Australien, um nach London, die Heimat ihres seit langem verstorbenen Vaters zu gehen. Als einzige Erinnerung behält sie den Opalring ihrer Mutter. Sie hofft keine Spuren zu hinterlassen, denn es ist auch eine Flucht vor ihrem Stiefvater Richard. In London schließt sie Freundschaft mit dem älteren Antiquitätenhändler Hugo, bei dem sie ein Bild entdeckt, dass sie völlig fasziniert. 4 Felsen an der Küste Schottlands. Von einer unsichtbaren Macht getrieben macht sie sich auf nach Skara und findet mit Hilfe des Anwalts Finn sowie dem Inselbewohner Drew ein Geheimnis heraus, dass sie tief in die Vergangenheit und zu ihren Wurzeln führt.
Mir waren die Protagonistinnen beider Zeitebenen gleich sympathisch, auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Iris ist stark und zielstrebig. Sie macht sich auf ins Ungewisse, um hoffentlich ihren Onkel zu finden, dessen Hilfe sie erbitten will. Lady Carsington, der Iris als Reisebegleitung dient, kam mir anfangs furchtbar oberflächlich vor. Später merkte ich, dass sie damit nur ihre unglückliche Ehe kaschierte. Zu meiner Freude entwickelte sie sich zu einer wahren Freundin für Iris und hat sie mit viel Hilfe unterstützt. Ich mochte Bertie, den eine große Freundschaft mit Iris verband. Aus dem düsteren Guy wurde ich anfangs nicht schlau. Doch da wusste ich noch nicht, welche Dinge ich über ihn erfahre und wie faszinierend die nahe Zukunft wird. Roz hatte keine leichte Kindheit, sie musste die Trauer über den Unfalltod ihres Vaters unterdrücken und sich um ihre labile Mutter kümmern, die den Verlust nicht verkraftet hat. Schleichend zwängte sich ein neuer Lebenspartner zwischen Roz und ihre Mutter, so dass Roz gleich nach Schulabschluss das Weite suchte. Das Verhältnis blieb bis zum Tod der Mutter angespannt. Mit der Ankunft in London konnte ich Roz anmerken, dass der räumliche Abstand sie ein wenig freier machte, auch wenn sie alle Gefühle immer noch in sich verschloss und kaum jemand näher an sich heranließ. Feste Bindungen hatte sie immer vermieden. Weiter in Schottland war die magische Anziehungskraft bei Roz für mich absolut greifbar. Ihre Schutzmauer bekam Risse, alle unterdrückte Trauer bahnte sich den Weg und machte Platz für Neues. Das ist mir richtig nah gegangen.
Vielen Dank Eleanor Buchanan für die emotionale Reise von Iris und Roz. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung
Mein Fazit:
Gelungener Auftakt der Familiensaga um vier Schwestern und deren geheimnisvolles Erbe. Die Autorin vereint gekonnt die Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart, der Kraft von Orten und den Emotionen Liebe, Sehnsucht und Loyalität.