Es sind oft diese zufälligen Momente, in denen man ohne große Erwartung durch Inhalte treibt. So auch bei mir, als ich mich eher beiläufig durch Instagram scrollte. Zwischen flüchtigen Eindrücken blieb ich schließlich an einem gezeichneten Bild hängen: eine junge Frau mit violetten Haaren vor einem fast ätherisch wirkenden Hintergrund.
Die deutsche Fantasy- und Science-Fiction-Autorin Marie Graßhoff war mir bis dahin noch kein Begriff. Doch mit jedem Post und jedem Kommentar, den ich zu ihrem neuesten Roman I Am The Blade gelesen habe, wuchs mein Wunsch, dieses Buch selbst in die Hand zu nehmen.
Seren ist eine Assassine, geschaffen, um dem Haus zu dienen und die Dunkelheit in Schach zu halten. Ihre Gabe erlaubt es ihr, die Seelen ihrer Opfer in Waffen zu verwandeln und später herbeizurufen. Als sie den Rebellen Vale tötet, wird jedoch rasch klar, dass dieser Tod weit mehr in Bewegung setzt, als sie erwartet hat. Vale weigert sich, sich Seren zu beugen und will sie stattdessen in ihren Tod treiben.
Während das Haus von mysteriösen Mordfällen erschüttert wird, geraten Loyalität, Verrat und Wahrheit immer weiter ins Wanken. Seren und Vale müssen ihre Positionen neu überdenken.
Genau da zieht einen das Buch auch schon mitten hinein: in eine rasante Fantasty-Geschichte, die mit spannenden Krimi Elementen gespickt ist.
Die Welt ist vielschichtig, düster und so durchdacht, dass das Worldbuilding richtig trägt. Besonders mochte ich die Fantasy-Elemente, die mich an japanische Anime-Serien wie Noragami oder Soul Eater erinnert haben, ohne dass es sich jemals wie ein Abklatsch angefühlt hat. Was mich beeindruckt hat, war, dass der Haters-to-Lovers-Aspekt zwar da ist, aber nicht alles überlagert, sondern eher im Hintergrund bleibt und sich erst spät in der Geschichte entwickelt. Dadurch wirkte das Ganze für mich viel natürlicher und weniger konstruiert als in anderen Fantasybüchern.
Lobend möchte ich die Detailverliebtheit ebenso wie den Anspruch der Autorin noch einmal hervorheben, mit der sie versucht hat, ein ganzes Universum um diesen Roman zu ziehen. Wie zum Beispiel die eigens erstellte Spotify-Playlist oder eine gemeinsamen Lesegruppe auf dem Neon-Gang-Discord-Server. Genau solche Kleinigkeiten machen den besonderen Reiz rund um das Buch aus, ein Fan Service, der seinesgleichen sucht.
Neben all diesen Dingen war die Autorin auch ihre eigene Grafikdesignerin und hat sich für die atemberaubend schöne visuelle Umsetzung verantwortlich gezeigt. Diese kreative Vielseitigkeit verdient großen Respekt. Ich bin mir sicher, dass das Buch für viele schon beim ersten Blick einen Kaufimpuls auslöst, ob online oder im lokalen Buchhandel. Und das Beste daran ist, dass diese Vorschusslorbeeren beim Lesen tatsächlich eingelöst werden, sodass kein hohles Versprechen zurückbleibt.
Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass ich zunächst aufgrund der Komplexität, des neuen Settings und des Regelwerks Startschwierigkeiten hatte und mich erst etwas einlesen musste.
Meine Bewertung:
(5 von 5 Sterne)
Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der sich neben einer komplexen Welt, authentischen Figuren und einer spannenden Story noch ein kleines Sahnehäubchen in Form von Zusatzmaterialien wünscht.
Ich bin weiterhin verliebt in das Gesamtpaket und freue mich sehr, dass die Autorin schon jetzt den zweiten Band dieser Duologie für den Sommer 2027 angekündigt hat.
Bleibt nur die Frage, seid ihr auch dabei?