Als Buchbloggerin hat Irene sich dem Genre Romance verschrieben und steht dank großer Followerschaft kurz vor Abschluss eines großen Sponsorenvertrags. Um ihre Eignung zu beweisen, möchte sie sich auch im echten Leben endlich verlieben - hierfür plant sie, den bevorstehenden College-Start zu nutzen: Anhand ausgewählter Tropes geht sie auf Partnersuche. Dabei funkt ihr allerdings immer wieder der eigentlich verhasste Aiden aus dem Literaturkurs dazwischen...
Mit "The Romance Rivalry" von Susan Lee hatte ich zwar eine insgesamt unterhaltsame Lesezeit, bin aber am Ende etwas zwiegespalten/enttäuscht zurückgeblieben. Die Protagonistin Irene zeigte sich in den ersten Kapiteln noch erfrischend selbstbewusst und feministisch. Dies verlor sich jedoch, sobald sie das College besuchte. Auf mich wirkte es, als wäre Irene durch eine Schranke gelaufen, bei der ihre komplette Persönlichkeit ausgetauscht wurde. Nicht nur, dass ich ihre Handlungen und Vorgehensweisen nicht mehr nachvollziehen konnte und sie mir mit ihrer Art zunehmend unsympathisch wurde, auch die feministische Perspektive, die mich in den ersten Kapiteln so für die Geschichte eingenommen hatte, wurde nicht konsequent fortgeführt. Die Kapitel wurden zwar anhand von Tropes strukturiert, eine tiefere Auseinandersetzung erfolgte jedoch leider nicht. Statt der erhofften Hommage an das Genre Romance hatte ich zudem oft das Gefühl, dass klassische Klischees eher reproduziert als reflektiert wurden.
Die Grundidee rund um die zentrale Challenge von Irene fand ich eigentlich richtig spannend, in der Umsetzung konnte sie mich jedoch nicht überzeugen. Vieles erschien mir konstruiert und emotional zu oberflächlich. Gerade Aspekte, die der Geschichte mehr Tiefe und Dynamik hätten verleihen können, wie z.B. Irenes Dating-Prozess, blieben überwiegend im Hintergrund oder wurden passiv wiedergegeben.
Obwohl die Dynamik zwischen Irene und Aiden zunächst für Spannung sorgte, konnte mich die romantische Entwicklung trotz einiger süßer Szenen emotional nicht richtig erreichen. Denn im Verlauf offenbarten sich zwischen den beiden dermaßen große Kommunikationsprobleme, dass es mich zunehmend nervte. Zudem ging mir vieles einfach zu schnell und wirkte nicht ausreichend ausgearbeitet, sodass wichtige Entwicklungen eher passiv dargestellt als wirklich spürbar gemacht wurden (show, don't tell!).
Dennoch gab es ruhigere, persönlichere Momente, die mir sehr gefielen. Insbesondere Irenes Unsicherheiten und Selbstzweifel wurden teilweise sehr greifbar dargestellt, und auch die Nebenfiguren wie Irenes Mitbewohnerin Jeanette, die ich sehr ins Herz geschlossen habe, brachten immer wieder frischen Wind in die Geschichte. Auch der Schreibstil war durchgehend leicht und flüssig, wodurch sich das Buch schnell weglesen ließ.
Fazit: Eine unterhaltsame, schnell lesbare Romance mit guten Ideen, die ihr Potenzial leider nicht ausschöpft und sich deshalb wie eine verpasste Chance auf eine Hommage an das Genre anfühlt.