Zur Info: Dies ist der zweite Band einer Reihe. Ihr könnt sie reintheoretisch auch unabhängig voneinander lesen, aber ich würde es bei diesem Buch überhaupt nicht empfehlen, denn die Geschichten sind doch recht verschachtelt ineinander.
Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin empfinde ich jedes Mal als sehr angenehm. Er betont die Szenen, in denen es dark zugeht und hält auch den Vibe der Geschichte. Gleichzeitig bleibt er aber auch sehr real und zieht nichts ins absolut Überdramatisierte. Ich konnte das Buch leicht einfach so weglesen.
Die Geschichte Jeder Topf findet seinen ausgleichenden Deckel
Erzählt wird annähernd abwechselnd aus den Perspektiven der Hauptfiguren Jude und Violet. Interessant fand ich, dass Jude uns als Leser:innen manchmal direkt anspricht und die Handlung so in einen Rahmen steckt. Das hat das erschaffene Konstrukt aus Zeitsprüngen und parallelen Szenen zu Band 1 fassbarer gemacht.
Gleichzeitig möchte ich hier schon fast mit meinem ersten Kritikpunkt an dem Buch anfangen, denn super viel war so parallel zu Band 1, dass ich manchmal das Gefühl hatte, diese Handlung wird pausiert. Vielleicht hätte man die Bücher wirklich kapitelweise nebeneinander lesen müssen, um den vollen Effekt zu bekommen. So wirkte es oft etwas sehr gesprungen.
Was ich außerdem gemein fand: Warum brechen die Kapitel immer einfach so ab? Oft schien es mir, als würden die Szenen gar nicht zu Ende erzählt
Violet aufopfernde Schwester mit krasser Vergangenheit
Ein wenig kannte ich Violet ja schon und war mehr als neugierig, was hinter ihrem Charakter und ihrem ganzen Auftreten steckte. Denn ganz ehrlich: ich habe noch nie eine Protagonistin erlebt, die so aufopferungsvoll ist wie Violet. Sie hungert quasi, lebt komplett am Limit und das, obwohl sie eigentlich durchaus anders leben könnte. Aber stattdessen gibt sie alles anderen, u.a. ihrer Schwester.
Erst war ich etwas ängstlich, dass mich dieses Verhalten vielleicht nerven würde. Denn ganz ehrlich: wir leben in einer Zeit, in der man durchaus dazu erzogen wird, mehr für sich einzustehen. Alles andere ist schon fast zurück. Aber gleichzeitig bot es eben super viel Entwicklungspotential.
Von der schüchternen People Pleasurein wird Violet immer mehr zu sich selbst, indem Jude sie immer wieder herausfordert. Ob es nun darum geht, etwas ohne ihre Schwester zu machen, sich etwas für sich selbst zu kaufen oder mal nicht zuerst an andere zudenken. Und natürlich ganz besonders bei Letzterem den eigenen sexuellen Vorlieben nachzugeben.
Der Spice in diesem Buch war verhältsnismäßig zahm fand ich. Zwar haben Violet und Jude definitiv ihre ganz eigene Art und Weise miteinander zu schlafen, allerdings werden die meisten Szenen schnell übersprungen und es geht mehr um das Prinzip als um den Akt an sich. Auch hinsichlich der Darkness werden hier einige vielleicht etwas weniger abgeschreckt als bei Band 1. Denn hier geht es stets um Consent und Jude ist zwar blutrünstig, im Hinblick auf Violet aber überaus zart und sensibel. So fand ich diesen Band sehr viel besser als Liebesgeschichte lesbar für alle, die es nicht so dark mögen. Mir persönlich fehlte etwas Darkness.
Jude Ein Mörder mit mehr als einer Seite
Jude ist ein Mörder. Und dazu Eishockeyspieler, bester Freund und ziemlich beschützend, wenn es um Violet geht. Ich fand ihn sofort sympathisch, weil er immer etwas zu viel Energie hat. Gleichzeitig hätte er auch noch ein wenig mutiger sein und sich ein wenig mehr nehmen können, was er haben wollte. Denn obwohl er natürlich ein krasser Bad Boy ist, ist er mindestens genauso gut darin sich selbst zu geißeln wie Violet. Das stellte natürlich eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen den beiden her, verlangsamte aber auch die Handlung ziemlich. Ich hätte mir manchmal einfach gewünscht, dass es noch mehr Szenen zwischen den beiden gegeben hätte.
Als Freund, besonders von Preston, fand ich ihn besonders süß. Es ist immer toll, wenn die Nebenprotagonisten genauso in die Handlung eingebaut werden. Gerade, weil man Kane jetzt ja auch schon aus Band 1 kannte. Die drei haben eine richtig schöne Männerfreundschaft und gleichzeitig alle ziemlich was zu verarbeiten. Judes Trauma hinsichtlich seiner Mum fand ich eindrücklich und authentisch erzählt. Die Auf und Abs wirkten realistisch und brachten viel Tiefe in seinen Charakter und dann auch in die Beziehung zu allen anderen Nebenfiguren.
Zu seinem Bruder: sagen wir mal so, seine Geschichte möchte ich gar nicht ganz so gerne lesen.
Jetzt noch etwas zum ersten Punkt, denn dass Jude ein Mörder ist, ist kein Geheimnis. Alle drei sind es und halten damit auch nicht hinter dem Berg. Mit Violet als Hauptprotagonistin fiel es mir aber besonders auf, wie wenig diese Tatsache zu einem normalen Leben passte. Ich habe also ziemlich lange darauf gewartet, dass es doch noch eskaliert. Und das tut es dann auch, allerdings etwas spät nach meinem Geschmack.
Handlungsverlauf und -aufbau Zwischen Gefahr, Vertrauen und Gefühlen
Was ich wirklich schön an der Reihe der Vipers finde, ist, dass sich alle gegenseitig so viel helfen. Hier herrscht echt ein Zusammenhalt, der all die mörderischen und blutigen Geschehnisse viel leichter ertragbar machen. Denn immerhin versteht man, wofür sie es machen. So entwickelt sich dann auch die Botschaft der Geschichte hinsichtlich Jude und Violet ganz natürlich und sehr schön. Ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen, aber ich betone immer nur sehr gerne, dass Dark Romance nicht unbedingt bedeutet, sich aufzugeben, sondern viel mehr, sich mehr an die Oberfläche zu begeben. So ist es bei Violet der Fall, während Jude durch die Verbindung zu ihr seinen Weg findet.
Etwas schade fand ich, wie genau das Ende funktioniert. Zwischendurch bietet diese Geschichte echt viel Action und auch Potential zum Mietfiebern. Komplette, zwielichtige Personen und verschiedene Interessen prallen hier aufeinander. Dazu gib es wieder einige Szenen, die auf Band 3 hindeuten (wahrscheinlich laufen sie hier schon wieder parallel). Mir wirkte es bis ganz zum Ende hin aber ein klein wenig zu konstruiert und auch voraussehbar. Die Hinweise auf das Ende waren vielleicht ein wenig zu eindeutig.
Ansonsten war der Lesefluss aber so gut, dass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte. Es war nur manchmal die Frage, ob ich weiterlesen wollte, weil ich es gerade so spannend fand, oder weil ich hoffte, dass es bald weitergehen würde.
Fazit:
Ein zweiter Band, der gut unterhält, allerdings durch die parallele Erzählform zu Band 1 für mich ein paar Schwächen hat, ebenso wie in Bezug auf das Ende, das auf mich sehr konstruiert wirkte. Ansonsten aber ließ es sich super gut lesen, die Figuren sind wieder sehr sympathisch und mir gefiel, wie hier Tiefe geschaffen wurde. Violet als Hauptprotagonistin ist mal was ganz anderes.
Von mir gibt es 3,5 von 5 Sterne.
Vielen Dank an Netgalley.de und den LYX-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Liebe Grüße
Tomke
Drei Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:
1. Violet ist eine etwas andere Protagonistin
2. Jude zeigt mehr als nur seine Bad-Boy-Seite
3. Dark Romance mit Zusammenhalt und Gefühl