Manchmal verändert ein Buch den Blick auf etwas, von dem man eigentlich dachte, es längst zu kennen. Genau dieses Gefühl hatte ich bei Taming Wild. Elsa Sinclair nimmt uns mit auf eine sehr persönliche Reise und stellt dabei eine Frage, die mir während des Lesens immer wieder durch den Kopf gegangen ist: Wie würde sich die Beziehung zu einem Pferd verändern, wenn es wirklich die Möglichkeit hätte, Nein zu sagen?
Besonders berührt hat mich der Gedanke, Vertrauen nicht einfach vorauszusetzen, sondern es entstehen zu lassen. Die beschriebenen Begegnungen mit Pferden wirken dabei nicht wie ein schnelles Rezept, sondern vielmehr wie ein vorsichtiges gegenseitiges Kennenlernen. Körpersprache, Abstand, Timing, Ruhe und vor allem Aufmerksamkeit bekommen eine ganz andere Bedeutung. Dadurch musste ich beim Lesen immer wieder darüber nachdenken, wie viel wir tatsächlich wahrnehmen, wenn wir mit einem Pferd arbeiten.
Gerade diese ruhige und respektvolle Herangehensweise hat mir gefallen. Nicht alles muss man eins zu eins übernehmen, manches lädt eher dazu ein, die eigene Sichtweise zu überprüfen. Für mich liegt genau darin die Stärke dieses Buches.
Zusammen mit meinen beiden Pferdekindern haben wir Taming Wild für gut befunden. Es hat mich emotional erreicht, zum Nachdenken gebracht und meinen Blick für die feinen Signale zwischen Mensch und Pferd noch einmal geschärft. Eine besondere Lektüre für alle, die nicht nur mit Pferden arbeiten, sondern ihnen wirklich zuhören möchten.