Für Lavinia scheint das Leben eigentlich perfekt zu sein: Sie hat eine liebevolle Familie, tolle Freunde, einen Nebenjob im Baby Dragon Café, einen niedlichen Baby-Drachen als Haustier und sogar einen Studienplatz für Tiermedizin mit Schwerpunkt auf magischen Tieren. Was ihr zu ihrem persönlichen Glück noch fehlt, ist die große Liebe - so wie ihre Eltern sie gefunden haben. Dummerweise ist Lavinia längst verliebt, und zwar in ihren besten Freund Theo, der seit Kindertagen an ihrer Seite ist und als Bäcker im Ort arbeitet. Nur scheint Theo ihre Gefühle nicht zu erwidern. Als Lavinia sich schließlich eingestehen muss, dass ihre Liebe zu ihm ihre Freundschaft gefährden könnte, wird es kompliziert. Denn manchmal ist es gar nicht so einfach, das zu erkennen, was vielleicht schon die ganze Zeit direkt vor einem liegt.
Ich habe mich wirklich darauf gefreut, in die Welt von "The Baby Dragon Bakery" zurückzukehren, und gerade die beiden Hauptfiguren haben es mir dabei ziemlich leicht gemacht.
Lavinia und Theo sind zwei unglaublich liebenswerte Charaktere, die ich beide direkt ins Herz geschlossen habe. Sie sind offenherzig, loyal, kümmern sich um ihre Mitmenschen und sind einfach gern für andere da. Gleichzeitig sind sie aber keineswegs perfekt, sondern haben ihre eigenen Päckchen zu tragen und kämpfen mit leisen Zweifeln und Unsicherheiten, was sie für mich umso nahbarer gemacht hat.
Auch die Beziehung zwischen Lavinia und Theo hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen. Ihre tiefe Freundschaft ist spürbar, und man merkt, wie sehr sie einander vertrauen, wie selbstverständlich sie füreinander da sind und wie gut sie sich kennen. Die beiden passen einfach zusammen und zwar nicht nur freundschaftlich, sondern meiner Meinung nach auch romantisch. Gerade weil ihre Verbindung schon so lange besteht, fand ich es schön, dass sich ihre Gefühle nicht einfach aus dem Nichts entwickeln, sondern auf einer langjährigen Vertrautheit aufbauen.
Dass beide eine ganze Weile brauchen, um zu erkennen, dass ihre Gefühle erwidert werden könnten, passt dabei durchaus zu ihren jeweiligen Unsicherheiten.
Allerdings war genau das für mich auch der größte Schwachpunkt der Geschichte. Das ständige Hin und Her zwischen den beiden zieht sich für meinen Geschmack einfach zu lange. Selbst als sie sich endlich ihre Gefühle eingestehen und aufeinander einlassen, sorgt gegen Ende ein weiteres Missverständnis dafür, dass sie sich wieder voneinander entfernen. Und da war ich irgendwann ehrlich gesagt eher genervt als mitfühlend. Vieles hätte sich durch ein einziges offenes, ehrliches Gespräch klären lassen. Stattdessen tänzeln die beiden umeinander herum, ziehen voreilige Schlüsse und machen sich das Leben unnötig schwer. Ich hätte sie an manchen Stellen am liebsten kräftig geschüttelt! Gerade zum Ende hin hat das bei mir schon für das eine oder andere Augenrollen gesorgt. Für mich wirkte dieser Konflikt einfach zu konstruiert, etwas naiv und unnötig in die Länge gezogen. Dabei hätte die Liebesgeschichte dieses ständige Drama gar nicht gebraucht, um zu funktionieren.
Auch insgesamt hatte ich stellenweise das Gefühl, dass sich die Handlung ein wenig zieht und sich zu sehr auf die romantische Entwicklung konzentriert.
Theos persönlicher Handlungsstrang war für mich dabei noch der interessantere. Seine Zweifel daran, wie es beruflich und generell mit seinem Leben weitergehen soll, geben ihm eine zusätzliche Ebene und sorgen dafür, dass es neben der Liebesgeschichte noch etwas gibt, mit dem er sich auseinandersetzen muss.
Bei Lavinia fehlte mir diese Tiefe leider fast komplett. Ihre Geschichte dreht sich für meinen Geschmack zu sehr darum, dass ihr zu ihrem vermeintlich perfekten Leben nur noch die große Liebe fehlt und sie diese unbedingt finden möchte. Ich hätte mir gewünscht, dass sie auch unabhängig von ihren romantischen Gefühlen noch stärker als eigenständige Figur zur Geltung kommt und wir mehr über ihre persönlichen Wünsche, Ängste und Ziele erfahren.
Das fand ich auch deshalb schade, weil das Buch mit seinem Setting eigentlich so viel Potenzial mitbringt.
Der Schreibstil ist angenehm locker, leicht zugänglich und passt wunderbar zu der gemütlichen, warmherzigen Atmosphäre, die die Geschichte ausstrahlt. Es gibt viel Herzlichkeit, Freundschaft und familiären Zusammenhalt, sodass man sich grundsätzlich gerne in dieser Welt aufhält. Gleichzeitig fehlte mir im Vergleich zum ersten Band aber das gewisse Etwas, das für mich gerade den Reiz der Reihe ausmacht: die Fantasy-Elemente und natürlich die Baby-Drachen!
Während die kleinen Drachen im ersten Band noch einen deutlich wichtigeren Teil der Handlung eingenommen haben, bleiben sie hier leider eher im Hintergrund. Sie sind zwar vorhanden und gehören weiterhin zum Setting, fühlen sich aber mehr wie eine nette Ergänzung als wie ein wirklich tragender Bestandteil der Geschichte an. Wenn man die Liebesgeschichte herausnimmt, bleibt für mich leider nicht besonders viel übrig, das diese Handlung speziell macht. Die Geschichte hätte in vielen anderen Settings mit nur wenigen Anpassungen genauso funktionieren können. Gerade bei einem Buch, das mit Baby-Drachen und einer magischen Bäckerei schon so vielversprechende Voraussetzungen mitbringt, fand ich das wirklich schade.
Fazit
Unterm Strich hatte ich mit "The Baby Dragon Bakery" von A. T. Qureshi durchaus eine schöne Lesezeit. Lavinia und Theo sind zwei Figuren, die man einfach gernhaben muss, und ihre tiefe Verbundenheit sorgt für einige wirklich herzerwärmende Momente. Die gemütliche Atmosphäre und der angenehme Schreibstil machen das Buch zu einer schönen Wohlfühllektüre.
Gleichzeitig haben mich das langgezogene Hin und Her der Liebesgeschichte, die teilweise unnötigen Missverständnisse und die für meinen Geschmack zu kurz kommenden Fantasy-Elemente daran gehindert, die Geschichte voll und ganz zu genießen. Ich mochte das Buch also durchaus, hätte mir aber gerade bei der Handlung und der Einbindung der magischen Welt etwas mehr gewünscht.
Für mich bleibt es damit eine süße, warmherzige Geschichte mit tollen Charakteren, die ihr Potenzial leider nicht ganz ausschöpft.