Achim von Arnims Isabella von Ägypten, 1812 erschienen, ist eine kunstvoll verschachtelte romantische Erzählung, die historische Legende, Märchenmotiv und groteske Phantastik verbindet. Die Jugendliebe des künftigen Kaisers Karl V. zu Isabella, der Prinzessin eines als ägyptisch bezeichneten fahrenden Volkes, wird zum Schauplatz politischer Hoffnung, erotischer Verblendung und magischer Doppelgängerei. Arnims Stil ist gelehrt, ironisch und bilderreich; er sprengt realistische Wahrscheinlichkeit zugunsten einer poetischen Geschichtsschau, wie sie die Heidelberger Romantik prägte. Arnim, 1781 geboren und 1831 gestorben, gehörte neben Clemens Brentano zu den zentralen Gestalten jener Bewegung, die Volkslied, Sage und historische Erinnerung als Quellen nationaler und metaphysischer Erneuerung verstand. Seine Mitarbeit an Des Knaben Wunderhorn, seine Beschäftigung mit überlieferten Stoffen und die Erfahrung der napoleonischen Umbrüche schärften seinen Blick für bedrohte Gemeinschaften, verlorene Ordnungen und die unheimliche Macht kollektiver Imagination. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Romantik nicht als bloße Gefühlsliteratur, sondern als intellektuell anspruchsvolle Erkundung von Geschichte, Fremdheit und Identität verstehen möchten. Isabella von Ägypten belohnt genaue Lektüre: hinter dem märchenhaften Glanz stehen Fragen nach Herrschaft, Ausgrenzung und dem Preis politischer Erlösung.