Unsympathischer Commissario, uninspirierter Fall und wenig authentisches Italiengefühl. Nicht mein Buch.
Sein römisches Revier hat der mit allen Wassern gewaschene Commissario Vito Grassi im Griff, aber privat gehen ihm die Felle schwimmen. Als er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters dessen Haus in Ligurien erbt, wagt er die Flucht nach vorn und lässt sich in die Provinz versetzen. Doch neben atemberaubenden Aussichten auf die Küste der Cinque Terre und dem liebevoll hergerichteten Rustico mit eigenem Olivenhain erwarten Grassi gleich zwei Morde - und eine kluge junge Kollegin, mit der er es sich beinahe schon am ersten Tag verscherzt. Und dann ist da auch noch Toni, die streitbare Mitbewohnerin seines Vaters, die gar nicht daran denkt, aus dem Haus auszuziehen ...Mir war nach einem Krimi mit Urlaubsflair, also habe ich mich an den ersten Teil für Commissario Grassi gewagt.Den Einstieg empfand ich allerdings schon als ungemein zäh.Wir stoßen nicht nur auf unzählige Klischees, auch den Erzählstil an sich, fand ich so gar nicht gelungen.Wichtige Dinge (wie längere Gespräche zwischen den Figuren) werden eher übergangen bzw. nur nebenher erwähnt, obwohl ich sie für die Charaktereinschätzung wirklich hilfreich gefunden hätte, während wir dafür ausführlich über sein E-Auto (ein Roadster), dessen Ladestand und seine Bemühungen diesen jederzeit wieder auf eine angemessene Reichweite zu bringen, informiert werden.Ganz ehrlich, dieser Mann hat eindeutig die längste und bedeutsamste Beziehung mit seinem Auto und es hat mich unglaublich genervt wie häufig er darauf wieder zu sprechen kam.Grassi wollte mir einfach nicht sympathisch werden und er war dazu noch dermaßen klischeebehaftet, dass es echt nervig war.Er ist der typische Commissario, der auch gegenüber seinen Vorgesetzten schon mal aufbrausend und patzig reagiert und sich natürlich nicht immer an alle Vorschriften hält und auch wichtige Dinge erst einmal für sich behält, aber damit am Ende natürlich durchkommen wird. Am meisten hat mich aber sein Verhalten gegenüber seiner direkten Untergebenen gestört. So fiel zum Beispiel als er das erste Mal auf seine jüngere Kollegin trifft, folgender Satz: "Am meisten irritierten ihn diese grünen Augen, er fühlte sich von ihnen regelrecht provoziert."Klar, total normale Aussage. Überhaupt und gerade auch in diesem Kontext...Zwar wurde es ab dem Auftauchen einer zweiten Leiche etwas flüssiger zu lesen, weil die Geschichte dann einfach etwas Fahrt aufnahm, aber im Grunde war das alles absolut nichts Neues.Grassi blieb mir einfach weiterhin unsympathisch und damit wir bloß nicht vergessen, dass das Ganze in Italien spielt, wird alle paar Sätze mal ein bisschen Italienisch eingeworfen (und natürlich sind das meistens Flüche).Echtes Italienflair ist da bei mir nicht aufgekommen, das wirkte einfach alles viel zu aufgesetzt und unauthentisch auf mich.Der Fall war leider extrem leicht zu durchschauen und der einzige Lichtblick war dann tatsächlich, als Grassis geliebter Roadster zum Ende hin in Flammen aufgegangen ist und sogar komplett ausbrennen durfte, nachdem auf ihn geschossen worden war.Nach den unzähligen Ab- und Ausschweifungen zu diesem Auto wirklich eine Genugtuung!Fazit: Ich glaube nicht, dass ich diese Reihe weiterverfolgen werde. Grassi war mir extrem unsympathisch und weder Ton noch Schreibstil konnten mich überzeugen. Gefühlt habe ich alles so oder ähnlich schon mal gelesen und so erschien mir die komplette Geschichte nicht nur extrem klischeehaft, sondern auch sehr vorhersehbar und der zwanghafte Versuche, alles irgendwie möglichst nach Italien klingen zu lassen, kam bei mir auch alles andere als authentisch an.Nicht mein Buch! (2,5 Sterne)