Moderne Mainstream-Dark-Romance mit viel Spice, Besitzansprüchen und toxischen Dynamiken.
Mit Perlinetta, dem zweiten Band von In Nomine Patris, war ich zunächst extrem skeptisch. Der erste Band konnte mich leider kaum überzeugen; vor allem, weil sich die Geschichte für mich eher wie eine Mafia Romance gelesen hat, bevor auf den letzten Seiten plötzlich sehr explizite Gewalt- und Vergewaltigungsszenen hineingepresst wurden. Das wirkte auf mich weder organisch noch sinnvoll eingebunden.Umso überraschter war ich, dass mir Band 2 deutlich besser gefallen hat. Der Schreibstil ist zwar weiterhin eher simpel und wenig anspruchsvoll, liest sich aber wesentlich flüssiger als im Vorgänger. Es ist genau die Art von Buch, die man an einem Abend verschlingt: schnell, dramatisch, emotional und voller Spice. Kein Buch, bei dem man jeden Satz analysiert, sondern eher pures Entertainment.Besonders positiv überrascht haben mich die Charakterentwicklung und die emotionalen Dynamiken. Die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren entwickelt sich spürbar weiter: Anfangs dominiert klar das Machtgefälle: Besitzansprüche, Kontrolle, Demütigung und erzwungene Unterwerfung stehen stark im Fokus. Gerade dieser Aspekt war für mich gleichzeitig der größte Kritikpunkt des Buches.Denn Perlinetta gehört für mich ganz klar zu dieser neueren Generation von Dark Romance, in der Gewalt und toxisches Verhalten oft romantisiert werden. Viele Elemente erinnern zwar an BDSM-Dynamiken, allerdings fehlt dabei häufig der zentrale Punkt von BDSM: klar kommunizierter Consent. Die weibliche Hauptfigur wird in eine Rolle gedrängt, die sie zunächst nicht freiwillig einnimmt, wodurch viele Szenen für mich im Dubious-Con-Bereich liegen.Während viele Dark-Romance-Bücher toxische Machtverhältnisse zumindest mit Selbstbestimmung oder emotionaler Stärke der weiblichen Figur ausbalancieren, hatte ich hier oft das Gefühl, dass traditionelle Rollenbilder und Gehorsam eher romantisiert als kritisch betrachtet werden.Trotzdem muss ich sagen, dass die Entwicklung der Figuren besser umgesetzt wurde, als ich erwartet hatte. Er beginnt nach und nach, sie nicht mehr brechen zu wollen, sondern sie als intelligente und starke Frau anzuerkennen. Und auch sie lernt, mit seiner Persönlichkeit umzugehen und innerhalb dieser Beziehung eigene Stärke zu entwickeln. Gerade diese emotionalen Veränderungen haben die Geschichte für mich getragen.Zusätzlich haben mir einige Nebenhandlungen wirklich gut gefallen. Kleine Momente von Wärme, wie die Sache mit dem Hund, geben den Figuren mehr Tiefe und machen die Beziehung greifbarer.Dennoch bleibt das Buch extrem spice-lastig. Wer Erotik, Mafia Romance und dominante Dynamiken mag, wird hier vermutlich genau das bekommen, was gesucht wird. Wer allerdings klassische Dark Romance mit stärkerem psychologischem Tiefgang erwartet oder sensibel auf romantisierte Gewalt reagiert, sollte wissen, worauf er oder sie sich einlässt.Am Ende hat mich das Buch definitiv positiver überrascht als erwartet.3,5 von 5 ¿Für Fans von:¿ Mafia Romance¿ Obsessive MMCs¿ Forced marriage¿ Viel Spice¿ Toxische Dynamiken