Dieses Buch zeigt, dass wir nicht sparen dürfen an Angeboten für Jugendliche. Wir müssen ihnen das Gefühl geben. Dass sie gehört werden.
Günter Wallraff hat das Vorwort zu diesem Buch geschrieben und tatsächlich musste ich an ihn denken, als ich in der Programmvorschau von Hoffmann und Campe zuerst von diesem Buch erfahren habe. Ein Buch, dass ich unbedingt lesen wollte.Angelique Geray wagt etwas und riskiert dabei so viel. Der Titel sagt es, sie begibt sich undercover in Organisationen der Nazi-Jugend. Meldet sich in rechten Datingplattfformen an, um In Kontakt zu treten, um sich Meinungen anzuhören. Mir blieb beim Lesen oft der Mund offen stehen. Es fällt mir so schwer ruhig zu bleiben, wenn ich Argumente höre, die für mich nichts menschliches haben, die aber scheinbar aus Angst, Unsicherheit und Wut entstehen. Argumente, die aber selten Gegenargumente zulassen. Es erinnert mich ein wenig an Sekten-Strukturen, was Angelique Geray berichtet. Dieses Zugehörigkeitsgefühl, die Aufgaben, die ein Einzelner übernehmen muss und auch ein gewisser Druck loyal zu bleiben. Ich mag den Ansatz der Autorin nicht pauschal zu verurteilen, sondern verstehen zu wollen. Verstehen, warum gerade junge Menschen rechte Ideologien annehmen und Geschichte leugnen. Auch wenn ein Netz um Angelique Geray gesponnen wurde, war sie doch oft auf sich allein gestellt und tauchte, wie ich finde, sehr tief ein. Manchmal so tief, dass sich mir beim Lesen die Haare aufrichten. Ich bewundere die Arbeit und den Willen das durchzuziehen. Und manches Mal habe ich beim Lesen auch sowas wie Hoffnung gespürt. Diese jungen Menschen sind nicht verloren, aber sie fühlen sich oft so. Was es braucht sind Perspektiven und ein Zuhören. Ich bin mir sicher, dass da Jugendliche sind, die noch erreicht werden können. Solang unsere Regierung endlich aufhört, ständig den Rotstift anzusetzen. Es ist so wichtig, weiter und vermehrt in Bildung zu investieren und eine gute Debattenkultur schon früh zu etablieren.Ich wünsche mir, dass 'Undercover unter Nazis' oft gelesen wird und dass Angelique Gerays Arbeit gewertschätzt wird. Lest dieses Buch und bildet euch selbst ein Urteil. Angelique Geray ist eine Zeitlang eine von ihnen, eine von denen, die sich stolz als aufrechte Deutsche und als Herrenrasse sehen. Aber da sind auch Risse, die sie offen legt. Risse, die zeigen, hier sind Menschen und vielleicht besinnt sich einer von ihnen irgendwann wieder genau darauf.