Fotografin Sophie hat gerade eine ungesunde Beziehung hinter sich und muss sich nun eine neue Existenz aufbauen. Da kommt ihr das Angebot der reichen Familie Grafinger gerade recht. Sie soll für die Familie eine Serie von Fotos aufnehmen. Doch irgendetwas stimmt nicht, Sophie hat nicht ohne Grund ein mulmiges Gefühl. Bald stellt sich heraus, dass sie heimlich beobachtet wird. Sophie wird mit ihren Erinnerungen an den Mord ihres Vaters konfrontiert. Vor zwanzig Jahren tötete ihr Bruder Marc den Vater, nachdem dieser die Familie verlassen hatte. Danach verschwand Marc spurlos. Ist Marc möglicherweise zurück?
Die Geschichte wird hauptsächlich aus Sophies Sicht erzählt. Sie schildert, was ihr nach dem Neuanfang passiert. In Rückblenden erinnert sich Sophie an die Zeit vor zwanzig Jahren, als ihre Familie zerbrach und an ihre jüngste Beziehung mit ihrem dominantem, manipulativem Freund Philip. Es sind zudem vereinzelt geheimnisvolle Passagen abgedruckt, die von einer anonymen Person verfasst sind. Anna Schneider schreibt klar und flüssig. Es fiel mir aufgrund des natürlichen Schreibstils leicht, sofort in das Buch hineinzufinden.
Sophie ist eine vielschichtige Protagonistin, die in ihrem Leben einiges zu verarbeiten hatte. Ihre Familie wird durch eine furchtbare Tragödie zerstört, als sie noch ein Kind ist. Die damaligen Ereignisse hat sie heute noch immer nicht verarbeitet. Auch die Wunden aus ihrer Beziehung mit Philip wirken nach. Sophie wirkt wenig stabil, verschreckt und verletzlich. Nach und nach werden bestimmte bedeutsame Situationen aus ihrem Leben dargestellt, gleichzeitig scheint es da aber noch mehr zu geben, über das Sophie schweigt Oder an das, sie sich nicht erinnert? Das macht sie zu einer unzuverlässigen Erzählerin und man kann ihr nicht trauen. Auch andere Figuren, z.B. ein spezielles Mitglied der Familie Grafinger wirken nicht allzu vertrauenswürdig. Insgesamt eine spannende, undurchsichtige Konstellation.
Wer ist hinter Sophie her? Droht ihr ernsthafte Gefahr? Hängt alles mit Sophies Vergangenheit zusammen?
Anna Schneider erzählt ihre Geschichte in kurzen Kapiteln, die oft so spannend enden, dass man einfach weiterlesen muss. Blut für Blut war für mich ein echter Pageturner. Ich war von der Geschichte rasch gefesselt, musste einfach wissen, wie sich alles entwickelt und letztlich erklärt. Die Auflösung war für mich zwar nachvollziehbar und verständlich, aber nicht hundertprozentig überzeugend und logisch. Dennoch unterm Strich ein packender, unterhaltsamer Psychothriller, den ich schnell und gern gelesen habe.