Dark Academia trifft Fantasy: ein poetischer Roman über Mythen, Macht und das Ringen um die eigene Stimme.
A Study in Drowning entfaltet sich als literarisch geprägte Fantasy mit ausgeprägten Dark-Academia-Elementen und bewegt sich bewusst auf der Schwelle zwischen Realität, Mythos und psychologischer Verunsicherung. Im Zentrum steht Effy, eine junge Frau in Llyr, deren Wunsch, Literatur zu studieren, an institutionellen und geschlechtsspezifischen Grenzen scheitert. Stattdessen findet sie über die Architektur einen indirekten Zugang zu jener Welt der Texte und Geschichten, die ihr Halt geben - insbesondere zu den Werken des verstorbenen Nationaldichters Emrys Myrddin, einer bewusst vielschichtig angelegten Figur zwischen Autor, Mythenschöpfer und Machtinstanz.Die Handlung verknüpft Effys persönliche Geschichte mit der Renovierung von Hiraeth Manor, einem vom Meer bedrohten Anwesen, das als zentraler Symbolraum fungiert. Das Haus wird zum Resonanzkörper für verdrängte Wahrheiten, kollektive Legenden und individuelle Traumata. Die allgegenwärtige Bedrohung durch Wasser und Flut wirkt dabei nicht nur atmosphärisch, sondern strukturiert den Roman leitmotivisch als Metapher für Verlust, Kontrollentzug und das Verschwimmen von Wahrheit und Fiktion.Der Weltenbau bleibt bewusst fragmentarisch. Historische Ereignisse wie die Große Flut oder kulturelle Eigenheiten Llyrs werden angedeutet, ohne vollständig ausgeführt zu werden. Diese narrative Zurückhaltung erzeugt einerseits Irritation, andererseits unterstützt sie die thematische Ausrichtung des Romans, der weniger auf klassische High-Fantasy-Systematik als auf subjektive Wahrnehmung und literarische Mehrdeutigkeit setzt. Besonders effektiv ist der Einsatz von Zitaten und fiktiven Forschungsbeiträgen zu Myrddin, die den Text als "Buch über Bücher" rahmen und seine metatextuelle Ebene stärken.Effy erweist sich als komplexe Protagonistin, deren Entwicklung von inneren Ängsten, gesellschaftlicher Marginalisierung und dem Ringen um Selbstbestimmung geprägt ist. Die langsame Enthüllung ihrer Vergangenheit erhöht die psychologische Tiefe der Erzählung. Preston fungiert als ambivalenter Gegenpart: intellektuell nah, emotional schwer greifbar, und damit Spiegel wie Katalysator für Effys Zweifel. Die zarte, spannungsreiche Annäherung der beiden ordnet sich dem zentralen Rätsel unter und vermeidet romantische Dominanz.Stilistisch überzeugt der Roman durch eine poetische, dichte Sprache und eine konsequent düstere Atmosphäre. Themen wie Machtmissbrauch, Geschlechterdiskriminierung, mentale Gesundheit und die Konstruktion von Legenden werden sensibel und ohne didaktische Vereinfachung verhandelt. A Study in Drowning ist damit weniger klassische Fantasy als literarisches Mystery-Narrativ, das seine Wirkung aus Andeutung, Symbolik und emotionaler Verdichtung bezieht und vor allem durch sein großes erzählerisches Potenzial überzeugt.