Mit ihrem Roman "Das Geheimnis von Granada" entführt Emma Wagner ihre Leser*innen in die für ihre mittelalterliche Architektur berühmte Stadt in der südspanischen Region Andalusien in den Ausläufern der Sierra Nevada.
Das Cover ist in warme Farben getaucht, es versprüht südländisches Flair. Tief in ihre Gedanken versunken, sitzt eine junge Frau auf einer Bank, vor sich einen prächtigen Garten voller Palmen. Der Titel ist gut gewählt, er macht auf die Geschichte neugierig.
Der Roman spielt auf zwei zeitlichen Ebenen, in der Vergangenheit (1974) und der Gegenwart. Vermittelt wird es aus mehreren Perspektiven, 1974 kommen zwei in Granada lebende Liebende zu Wort, die Näherin Mina und der Musiker und Gitarrenbauer Diego, die zur Zeit der Franco-Diktatur Einallen Widrigkeiten zum Trotz um ihre Liebe kämpfen, in der Gegenwart die deutsch-spanische Assistenzärztin Marisol, die den tragischen Tod ihrer Mutter nicht verwunden hat und sich auf Spurensuche in ihrer spanischen Heimat begibt. Alle Protagonisten sind sorgfältig ausgearbeitet worden, sie sind liebenswerte Charaktere, an deren Schicksal man lebhaften Anteil nimmt. Verbunden sind die zwei Erzählstränge durch ein streng gehütetes Geheimnis, das auf kaum bekannte, aber historisch belegte Ereignisse rekurriert, die nach und nach in der Presse aufgearbeitet werden. Spoilern möchte ich nicht, aber die zugrunde liegenden Fakten sind erschütternd.
Wie bereits erwähnt, spielt der Roman vorwiegend in Granada. Dank der atmosphärisch dichten Schilderungen kann man sich alle Schauplätze der Handlung gut vorstellen. Schließt man die Augen, hat man das Gefühl, selbst vor Ort zu sein und die atemberaubende Schönheit von Granada mit eigenen Augen (mit-) erleben zu können. Virtuos verknüpft Emma Wagner die heitere Urlaubsatmosphäre mit einem düsteren Familiengeheimnis, das von der Vergangenheit in die Gegenwart weist.
Mir hat diese dramatische, emotionale, mitreißende Geschichte sehr gefallen, die von Liebe und Verlust, Vergeben und Verzeihen erzählt. Die Lektüre hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann geschlagen, ich habe das Buch kaum aus den Händen nehmen können. Aus diesem Grunde gibt es von mir eine ausdrückliche Lese-Empfehlung.