Dieses kleine, feine Büchlein könnte auch "faltradeln" im Titel haben: Denn es geht um eine Fahrradtour, mit Flaggen, die "praktisch für die Navigation" sind, und "die verdrängte Luft" von Stoßstangen. Und um Zugfahrten, bei denen man Fahrgästen "einen Satz ablauschen" kann. Es werden aber auch viele andere Themen angeschnitten, wie etwa das Weintrinken ohne Helm, der Buchdruck ("Druckerschwärze ist zäh") und der Erwerb eines Füllers ("Ein Gaul, der Auslauf braucht"). Florian Kalenda lässt auch gerne selbst mal seinen Gedanken bzw. seinem Füller freien Lauf. Ein Großteil der Tour verläuft in Baden-Württemberg, durch Orte, die ich selbst nicht kenne wie Esslingen oder Heidelberg-Ziegelhausen. Das Büchlein hat die Form von kurzen Gedichten, angenehmerweise ohne Reim, von denen mir zwar nicht alle, aber doch ein Großteil wirklich gut gefallen haben. Diese Gedichte / Reisenotizen kann man chronologisch als Geschichte lesen, viele funktionieren aber auch einzeln. Den Menschen, die der Autor während der Reise begegnet, versucht er zuzuhören, selbst wenn sie in Strömen auftreten ("Ich schalte die Wellenlänge durch"). Er beschreibt sie aus der Situation heraus, und auch mit Phantasie ("bilde ich mir ein") . Die Zeilenumbrüche werden für Gedankensprünge und Wendungen verwendet, so fand ich die Lektüre immer wieder überraschend und anregend. Ich kann das Buch auch an die weiterempfehlen, die wie ich sonst keine Gedichte lesen, zumindest wenn sie entweder gerne Rad oder Zug fahren.