Humorvoller Roman über Selbstfindung und Freundschaft mit viel Charme, der mich aber nicht ganz überzeugt hat.
¿Crushing¿ von Genevieve Novak, ist ein australischer Roman, der von Marnie erzählt, die Beziehungen endgültig satt hat. Stattdessen möchte sie endlich herausfinden, wer sie eigentlich ist ¿ ohne Männer und ohne sich ständig an jemanden anzupassen. Doch zwischen ihrer Arbeit im geliebten Café Little George, Spinningkursen, Töpferworkshops und einigen durchzechten Abenden mit ihrer besten Freundin Claude tritt dann doch ein Mann in ihr Leben: Isaak. Eigentlich soll er nur ein guter Freund sein, auch weil Marnie sich geschworen hat, keine Beziehung mehr einzugehen. Und außerdem ist Isaak ohnehin vergeben. Zumindest versucht sie sich das einzureden.Ich fand, dass dieses Buch unglaublich viel Potenzial hatte, weil mich das Thema Selbstfindung, Unabhängigkeit und der Ausbruch aus alten Beziehungsmustern sofort angesprochen hat. Die Geschichte beginnt damit, dass Marnie nach einer Trennung überzeugt ist, als ¿alte Jungfer¿ zu enden. Anfangs fühlt sie sich schrecklich, doch nach und nach erkennt sie, dass sie seit zehn Jahren eigentlich nur von Beziehung zu Beziehung gelebt hat und dabei nie wirklich herausgefunden hat, wer sie selbst ist.So beginnt ihre Reise zu sich selbst, die sie schließlich in Claudes Wohnung führt. Claude wird nicht nur ihre Mitbewohnerin, sondern auch ihre beste Freundin. Die Dynamik zwischen den beiden ist stark, chaotisch und oft unglaublich unterhaltsam. Gemeinsam verbringen sie ihre Abende am liebsten mit Wein, Gesprächen und jeder Menge Unsinn.Der Einstieg in das Buch fiel mir durch den lockeren Schreibstil sehr leicht. Man findet schnell in Marnies Leben hinein und begleitet ihre Entwicklung Schritt für Schritt. Besonders schön fand ich, dass ihre persönliche Entwicklung sich konsequent durch das gesamte Buch zieht, auch wenn sie immer wieder zurückfällt, stockt oder Niederlagen erleben muss.Ein großes Highlight war für mich definitiv die Freundschaft zwischen Claude und Marnie. Sie wirkte intensiv, ehrlich und sehr lebendig beschrieben. Außerdem punktet das Buch vor allem mit seinem Humor. Die Dialoge zwischen Marnie und ihren Kollegen, besonders Kit, aber auch mit Claude oder Isaak, sind oft schlagfertig und witzig. Gerade Marnies Art macht sie zu einer Figur, die man schnell ins Herz schließt. Viele Situationen sorgen für gute Unterhaltung, vor allem wenn Claude und Marnie gemeinsam unterwegs sind ¿ die beiden sind zusammen einfach pures Chaos.Trotzdem konnte mich das Buch leider nicht komplett überzeugen. Der Humor war zwar oft gelungen, wirkte an manchen Stellen aber auch etwas zu gewollt oder überzogen. Besonders die vielen Szenen rund um Alkohol haben sich für mich irgendwann wiederholt. Gefühlt greift Marnie ständig zum Wein, sobald etwas schiefläuft, und irgendwann wurde dieses Muster einfach ermüdend.Auch manche Dialoge wirkten auf mich etwas unrealistisch oder zu ¿random¿, als würde der Humor manchmal zu sehr im Vordergrund stehen wollen. Das galt teilweise auch für die Dynamik zwischen Marnie und Isaak: Einerseits hatten die beiden schöne, ehrliche Momente und eine starke Verbindung, andererseits waren einige Gespräche für mich etwas zu abstrakt oder bemüht lustig geschrieben.Vor allem die Mitte des Buches zog sich für mich ziemlich. Es passiert lange nicht viel Neues und viele Situationen wiederholen sich, wodurch die Handlung stellenweise stagnierend wirkte. Gegen Ende nimmt die Geschichte dann aber wieder deutlich Fahrt auf, wodurch sich das Buch plötzlich wieder viel angenehmer lesen ließ. Besonders Marnies Erkenntnisse und ihre Entwicklung zum Schluss haben mir gut gefallen.Insgesamt vermittelt das Buch viele schöne Botschaften über Selbstfindung, Freundschaft und persönliche Freiheit. Dennoch hat mir beim Aufbau der Handlung etwas gefehlt. Manche Diskussionen und Szenen wirkten auf mich zu überzogen, wodurch mich die Geschichte emotional nicht immer ganz erreichen konnte. Trotzdem ist ¿Crushing¿ ein unterhaltsamer Roman mit viel Humor, sympathischen Figuren und einer wichtigen Grundthematik, auch wenn die Umsetzung für mich nicht komplett aufgegangen ist.