Die 28jährige Marnie ist die letzten 10 Jahre ohne Pause von einer Langzeitbeziehung in die nächste gestolpert. Nach der letzten gescheiterten Bezienung hat sie genug davon: Nie wieder Beziehungen, beschließt sie. Zieht in eine WG mit Claudia und befreudet sich mit ihr. Doch da lernt sie Isaac kennen: ein echter Traummann. Leider ist er in einer festen Beziehung. Doch kein Problem für die "neue" Marnie: Sie werden Freunde, texten pausenlos miteinander und Isaac scheint der erste Mann zu sein, der sie wirklich versteht. Aber vielleicht hat auch ihre Schwester recht: Sie ist nach wie vor ein Chamäleon, passt sich ihrem jeweiligen Partner und dessen Interessen an. Ist sie bei Isaac wirklich sie selbst? Oder verstellt sie sich auch hier und wartet nur auf die Chance, die Frau an seiner Seite zu werden? Genevieve Novaks Debütroman "No hard feelings" hatte mir ziemlich gut gefallen und so war ich sehr gespannt auf ihren neuesten Roman "Crushing", dessen Klappentext interessant klang. Leider hatte mir der erste Teil hier aber nicht ganz so gut gefallen, fast hätte ich das Buch sogar abgebrochen. Die Charaktere waren mir zu flach und klischeehaft. Obwohl der Schreibstil der Autorin recht modern und unterhaltsam ist, war ich enttäuscht. Aber im zweiten Teil war die Geschichte dann zum Glück doch etwas stärker. Marnies Selbstfindung und ihre Entwicklung haben mir recht gut gefallen. Sie reflektiert auch, warum sie lange Zeit ihr Glück von einem Mann abhängig gemacht hatte: "Ich hatte versucht, mich von ihrer Prioritätensetzung verletzt zu fühlen, aber so war sie nun mal. Von ihr hatte ich das ja: in Moms persönlicher Bedürfnishierarchie standen Liebe und Zusammensein an erster Stelle, nicht an dritter. Sie brauchte Doug oder Trent, Brian oder Paul oder wen auch immer wie Sauerstoff und ließ sich auch nicht durch noch so flehentliche Anrufe oder passiv-aggressive Bemerkungen davon abbringen, ihr jüngstes Kind durch irgendeinen Mann aus dem Internet zu ersetzen.Sie war in dem Glauben erzogen worden, dass ihr Platz an der Seite eines Mannes war, und so hatte sie auch ihre Töchter erzogen - ob bewusst oder unbewusst. Wir drei waren unfähig, uns zu ändern; der Schweiß und die Tränen, mit denen wir versuchten, das Gegenteil zu beweisen, waren sinnlos. Wir waren einfach diese Art von Frauen. M Wir wollten unbedingt jemanden lieben; unser ganzes Selbstwertgefühl hing davon ab, dass uns jemand liebte. Das war stärker als unser Stolz; es war genetisch bedingt." Marnies Beziehung zu ihrer älteren Schwester hat mir ebenfalls gut gefallen; diese ist verheiratet, hat ein Kind und es oft nicht leicht: "Das heißt es, eine Frau zu sein: zu geben. Leben zu geben, Unterstützung und sich selbst zu geben, nachzugeben. Und im Gegenzug erhält sie: Verachtung, Gleichgültigkeit, weitere Forderungen, seine Last. Sie gibt, bis sie zerbricht, ein Spinnennetz aus Rissen in ihre Porzellanhaut. Sie hält still, bis sie in tausend winzige Scherben zerspringt. Und Männer nehmen. Sie nehmen die Liebe, die Unterstützung, die Lorbeeren, unsere Geduld. Sie nehmen und nehmen, was ihnen nicht gehört, ihnen gehört hat, was geteilt und nicht gestohlen werden sollte. Erst wenn eine Frau müde, wütend, gebrochen und nutzlos ist, wird sie von allem befreit: dem männlichen Blick, der Pedanterie, dem Anspruch. Wenn eine Frau nichts mehr für sie tun kann, verlieren die Männer das Interesse; wenn sie kein rehäugiges Spielzeug mehr ist, mit einem üppigen Dekolleté und unerschöpflicher Leistungsfähigkeit." Einige Passagen waren sehr gut geschrieben und enthielten kluge Worte: "Und vermutlich war ich eine Frau, die nicht mehr viel zu verlieren hatte. Ich hatte mich bereits isoliert, Menschen verletzt, die ich liebte, und Menschen, von denen ich glaubte, dass sie mir nichts bedeuten. Ich hatte auf allen Trost verzichtet und weitergeatmet. Als ich in den Spiegel blickte, verstand ich wohl oder übel, wer zurückblickte. Ich war ein Feigling und ein Mauerblümchen, und ich wollte mich bessern. Und nachdem ich mich, die Menschen in meinem Leben und die ganze Welt monatelang angelogen hatte, war ich endlich bereit, mich an die Arbeit zu machen." "Wie klar wir werden, wenn wir mit uns selbst ins Reine kommen, mit den hässlichen Seiten und mit dem, was noch zu retten ist. Die Last hatte sich nicht verringert, aber sie war jetzt leichter zu tragen. Ich war ein Mensch in einem Entwicklungsprozess, und es gab noch sehr viel zu tun." Insgesamt hätte ich mir jedoch noch etwas mehr Tiefgang gewünscht. Final vergebe ich 3 Sterne.