Es geht um Wombats und Grandalas, ach ja, nebenbei noch um einen Profikiller
Der einarmige Herr Cheng ist jetzt der Sekretär von Frau Wolf - früher war es genau andersherum - und als Privatdetektive erhalten sie von der Frau eines leidenschaftlichen Wombatforschers den Auftrag zur Wiederauffindung ihres Mannes. Dieser war nach Australien gereist um seinem "Freund", dem Wombat - immerhin von ihm als Toby benamt - nach langer Zeit wieder einmal zu begegnen, wozu er durch einen australischen Kollegen aufgefordert war. Herr Roschek aber ist zwar in Australien gelandet und hat auch im Hotel eingecheckt, doch dann fehlt plötzlich jede Spur von ihm, nur ein Koffer in seinem Hotel scheint von ihm zurückgeblieben. Für Herrn Cheng und Frau Wolf ist es nicht der erste ungewöhnliche Auftrag, den sie auch sofort übernehmen und unmittelbar nach Australien aufbrechen. Und tatsächlich finden sie bei der Durchsicht des von Roscheks zurückgelassenen Koffers eine erste Spur, nur einen Prospekt von einem nicht weit entfernten prominenten Ferienhaus mit sehr ungewöhnlicher Tischtennisplatte, obwohl der Begriff Platte dieses Möbl nicht annähernd beschreibt. Klingen allein diese wenigen Sätze für einen Kriminalroman schon sehr ungewöhnlich und irgendwie traumartig, wird es im weiteren Verlauf noch viel unglaubwürdiger, bis hin zu einer Verfolgungsjagad auf dem Dach der Hamburger Elbphilharmonie. Eine irrwitzige Suche nach einem Mann, die sich zu einer längeren Spurensuche mit vielen ungewöhnlichen Wendungen oder Begegnungen entwickelt und bei welcher der immer größer werdende, bösartige Hirntumor im Kopf von Herrn Cheng nicht wirklich eine Hilfe ist.Ich bin ein großer Fan von Steinfest und dessen irrwitziger - dieses Wort beschreibt die Gedankenwelt des Autors vielleicht am besten - Fantasie, die den Leser immer wieder in eine ganze Welt von Erlebnissen, Abenteuern, Gedankenspielen und Unbekanntem eintauchen lässt. So auch in diesem Buch. Den Stil freilich muss man mögen, gedankenverloren und traumwandlerisch, so scheint es, schweift der Erzähler immer wieder vom Fortgang der Geschichte ab und man merkt erst am Schluß, wie sehr sich doch alles ineinander fügt und Sinn ergibt. Mir gefällt das! Heinrich Steinfest ist der Garant dafür, dass man dem Alltag so gänzlich entfliehen und in andere Welten eintauchen kann. Hier etwa in die Natur Australiens - und bitte: wussten Sie was ein Grandala ist? nein, dieser Vogel ist im Himalaya zuhause, schlagen Sie ihn nach, Sie werden über dessen Schönheit mehr als verwundert sein - in die Tiefsee und in die Stadtkulisse Hamburgs, die von Wien nicht zu vergessen. Steinfest zeichnet auch mit diesem Buch wieder ein ganzes Universum, mit kuriosen, aber doch sehr glaubwürdigen Figuren, einem bis zum Ende hin spannenden Plot und einer Sprache, die manchmal geschwätzig erscheint, aber immer doch wunderbar eingängig und mitnehmend daherkommt. Die Zeit schrieb einmal über ein Buch des Autors: "Herrlich! Göttlich! Steinfest!" Genau meine Meinung!