
Besprechung vom 08.06.2026
Erben ohne Streit
Ein Ratgeber spielt die häufigsten Probleme durch
Testament, Vollmacht, Erbvertrag, Schenkung, Pflichtteil, Nachlassverwertung - rechtzeitig vor dem eigenen Tod oder als Hinterbliebener klare Entscheidungen in Erbsachen zu treffen und damit Streit von Nachkommen und womöglich lange Auseinandersetzungen zu vermeiden, ist hilfreich und klug. Eine wachsende Ratgeberliteratur mit teils hohen, immer wieder aktualisierten Auflagen hilft dabei. Gerade neu erschienen ist der freundlich und beruhigend klingende Titel von Ira Kröswang aus dem Campus Verlag "Einfach erben. Wie Sie fair und lösungsorientiert mit einer Erbschaft umgehen", der aus langjähriger, praktischer Erfahrung in einer Vielzahl von Erbfällen kommt. Das Buch, sicher auch eine Werbemaßnahme in eigener Sache, exerziert leicht lesbar und übersichtlich die häufigsten Probleme durch, mit denen sich Erben in ihrer meist als schwierig empfundenen Situation konfrontiert sehen. Es verspricht, Fehler etwa beim Umgang mit Nachlässen, Miterben, Banken und Behörden dank der Professionalität der Autorin von vornherein vermeiden zu helfen.
Ira Kröswang, 44 Jahre alt und seit 20 Jahren in diesem Metier, betreut mit einem vielköpfigen Team oft "mehrere Hundert Nachlassfälle parallel" als selbständige Nachlassabwicklerin in eigener Kanzlei mit Standorten in Schwäbisch-Gemünd, Memmingen und München. Sie ist spezialisiert unter anderem auf Testamentsvollstreckungen und Nachlasspflegschaften. Nach fünfjähriger Ausbildung an der Notarakademie Stuttgart darf sie sich seit 2007 "Württ. Notariatsassessorin" nennen. Sie hat 2017 eine weitere Ausbildung als Wirtschaftsmediatorin gemacht.
Anders als ihr Mut machender Buchtitel zunächst suggeriert, ist Kröswang überzeugt, dass Erben in der Regel keineswegs "einfach" ist. So schiebt sie denn gleich am Anfang statt eines Vorwortes nach: "Warum dieses Buch Tränen, Zeit, Nerven und Geld erspart." Und betont: "Ohne Leitfaden und vernünftigen Plan kann das Erben ziemlich kompliziert werden. Zum Beispiel dann, wenn man Schulden oder als Teil einer Erbgemeinschaft erbt (...) Es fängt bei Kleinigkeiten an und hört beim großen Erbstreit auf." Sie warnt, die Komplexität des Erbrechts und das sich daraus ergebende Konfliktpotential sowie die Emotionen von Erbbeteiligten zu unterschätzen. Zugleich hält sie fest, dass ihr Buch kein juristisches Fachbuch ist, sondern "eine Anleitung für Menschen, wie mit einer Erbsituation umzugehen ist" - aus ihrer Sicht zunächst einmal mit Checklisten, Musterbriefen, konkreten Beispielen, Lösungsansätzen und einem Glossar am Schluss. Dabei alles mit dem Ziel einer sachlichen und fairen, möglichst "gerechten" Abwicklung.
Pauschallösungen gibt es nicht, aber einen Handlungsrahmen, den die Verfasserin ihren "Fünf-Phasen-Plan" nennt und der die erste Hälfte des Buches bestimmt. Er greift, wenn viele Fragen gleichzeitig auftauchen, und klärt, was zum Erbe gehört, wer sich bei der Nachlassverwaltung worum kümmert, wie rechtliche Schritte zu fixieren sind, wo externe Hilfe nötig wird und wann es letztlich zu einer Auszahlung und zum Abschluss kommen kann. Der Ratgeber endet in Kapitel 7 mit Hinweisen zum Thema "richtig vererben und verschenken".
Nach gut 200 Seiten Lektüre wird dem Leser nicht zuletzt in Erinnerung bleiben, dass zum Erben meist ein langer Atem nötig ist. "Kaum eine Erbschaft wird unter einem Jahr abgewickelt, vielmehr vergehen mal schnell fünf Jahre", schreibt Kröswang. "Ich habe sogar Erbgemeinschaften erlebt, die aufgrund ihrer Konflikte über zehn Jahre lang im Streit lebten." Lediglich ein einfacher Erbfall mit wenigen Beteiligten und bescheidenen Vermögenswerten lasse sich in zwei bis sechs Monaten abwickeln. Je mehr Erben sowie zu verteilende Vermögenswerte und differierende Vorgehenswünsche vorhanden seien, umso länger dauere die Sache. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass selbst Nachlassverwalter nicht auf Expertenhilfe verzichten sollten: "Niemand kann alles können", sagt Kröswang. "Ich weiß, wie eine Schere funktioniert, und doch gehe ich fürs Haareschneiden lieber zum Spezialisten, einem Friseur."
Skeptisch steht Frau Kröswang im Übrigen dem Rechtsinstitut der Generalvollmacht gegenüber. Diese ermöglicht zwar den schnellen Zugriff auf Bankkonten und den Kontakt zu Vertragspartnern, lädt dadurch aber gleichzeitig zum Missbrauch ein und benachteiligt so andere, nicht bevollmächtigte Erben. In jedem Fall fordert die Autorin größtmögliche Transparenz bei der Ausübung der Vollmacht, um Streitigkeiten vorzubeugen. Ira Kröswang warnt auch vor Anwälten, die allein die Einzelinteressen ihrer jeweils erbberechtigten Auftraggeber im Blick haben und so eine gerechte und effiziente Nachlassabwicklung stören. Denn die Botschaft ihres Buches lautet: In einem Erbfall nicht nur "lösungsorientiert", sondern auch möglichst "fair" zu handeln. Die Notariatsassessorin, die in jungen Jahren begeistert die US-TV-Serie "Matlock" mit dem detektivisch begabten Anwalt gleichen Namens guckte und dessen Gerechtigkeitsgefühl bewunderte, plädiert nachhaltig für Kompromisse unter Erben statt für egozentrischen Streit zulasten der Gemeinschaft. ULLA FÖLSING
Ira Kröswang: Einfach erben. Wie Sie fair und lösungsorientiert mit einer Erbschaft umgehen. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2026, 206 Seiten
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