Nachdem ich bereits einige Werke von John Marrs gelesen habe, waren meine Erwartungen an seinen Psychothriller Tödliche Tiefen recht hoch. Jon Marrs ist ja bekannt für seine originellen Konzepte und moralischen Grauzonen, und auch dieses Buch beginnt mit einer faszinierenden Prämisse.
Die Geschichte beginnt zunächst äußerst packend. Ich begleitete den Protagonisten Damon, der nach einer Mutprobe im eiskalten Meer fast ertrinkt. Während seines klinischen Todes sieht er Bilder aus seiner Vergangenheit und die Vision eines ihm unbekannten, toten Kindes. Nach seiner Wiederbelebung lässt ihn dieses Bild nicht mehr los. Um die Wahrheit hinter der Vision zu erfahren, entwickelt Damon die gefährliche Obsession, sich immer wieder kontrolliert in den Zustand des klinischen Todes versetzen zu lassen. Er will unbedingt die Wahrheit durch kontrollierte Nahtoderfahrungen erzwingen.
Dieser mysteriöse Einstieg hat mich sofort gefesselt, da die Idee, durch absichtliche Nahtoderfahrungen Bruchstücke der eigenen Vergangenheit zurückzuholen, ein enormes psychologisches Potenzial bietet. Und John Marrs beweist hier erneut sein Talent für ungewöhnliche und düstere Szenarien, die mich zunächst neugierig auf die Auflösung machten.
Aber leider verlor der Roman für mich im Mittelteil spürbar an Fahrt, da sich die Handlung in der bessenen Suche Damons etwas im Kreis drehte. Während die Atmosphäre gewohnt beklemmend blieb, empfand ich einige Verhaltensweisen der Charaktere als schwer nachvollziehbar, was es mir erschwerte, eine echte Bindung zu ihnen aufzubauen. Auch wenn der Schreibstil flüssig ist und die kurzen Kapitel zum Weiterlesen animieren, wirkten manche Wendungen auf mich etwas zu konstruiert, um die Spannung künstlich hochzuhalten.
Insgesamt ist Tödliche Tiefen ein solider Psychothriller, der mit einer originellen Grundidee punktet, mich aber im Vergleich zu anderen Werken des Autors weniger nachhaltig beeindrucken konnte und meiner Meinung nach auch nicht zu seinen stärksten Werken zählt.
Und wie immer gilt: Es möge sich bitte jeder Interessierte seine eigene Meinung bilden!
Unbezahlte Werbung, da Rezensionsexemplar. Vielen Dank an Netgalley