Mo hat so viel mehr als nur seinen Geburtsnamen hinter sich gelassen, als er mit seinen Eltern und Geschwistern aus seinem Land flüchten musste. Zugehörigkeit, Sicherheit und Akzeptanz fühlt er in seinem neuen Zuhause Wien nur vereinzelt. Als er aus der Schule geworfen wird, eröffnet sich für ihn in seiner Lehre als Friseur mit viel Glück ein neuer Pfad. Einer, der für ihn jedoch auch mit vielen Hindernissen bestückt ist. Mo lernt Moritz kennen und lieben, trifft auf Menschen, die an ihn glauben und steht vor der Herausforderung, sein Selbst leben zu lernen und seinen Weg zu gehen.
Die Autorin, Julya Rabinowich, schreibt sehr einnehmend. Wie an einem Faden wird man durch die Geschichte gezogen. Ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und beleuchtet das Leben von Mo und Moritz über den Zeitraum von einigen Monaten. Dabei wird klar, dass in den Familien der beiden tiefliegende Traumata schwelen. Zeitnah ist es bei Mo, der unter gewaltsamen Umständen die Flucht aus seiner Heimat erleben musste und dessen Familienmitglieder damit und mit den Lebensumständen sie wohnen in einer sehr kleinen Wohnung in einer oft voreingenommenen neuen Stadt - umgehen müssen. Moritz Familie trägt das Trauma schon ein bis zwei Generationen mehr mit sich herum. Aufgrund antisemitischer Vorfälle bricht es immer wieder an die Oberfläche. Die beiden jungen Männer, die sich trotzdem für eine Beziehung entscheiden, sind eine Fackel der Hoffnung und stehen für eine vorurteilsfrei(er)e Gesellschaft. In absolutem Gegensatz dazu steht Mos Bruder. Die Autorin lässt seine radikalisierte Lebensweise mit einem Thema, das vor eineinhalb Jahren in Wien und darüber hinaus traurige Brisanz erfuhr, verschmelzen. Julya Rabinowich hat ihre Figuren wunderbar gezeichnet, gestaltet sie vielschichtig und ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Weiters lässt sie sie sich im Fortschreiten der Geschichte weiterentwickeln und bringt sie den Lesenden nahe, indem sie nahe an der Realität bleibt.
Mich hat das Buch, wie schon erwähnt, gefesselt, einen Blick in andere Lebensrealitäten ermöglicht und auch etwas Hoffnung geschenkt. Eine absolute Empfehlung meinerseits.