"Der Gedanke an Chaos hatte für sie nichts trauriges mehr, es war das einzig Wünschenswerte, das Einzige, was imstade wäre, in ihr zumindest einen Hauch von Euphorie zu wecken."InhaltIn diesem Fortsetzungsroman nach dem Buch "Das Land der anderen", kann der Leser dem weiteren Leben von Mathilde und ihrer Familie folgen, die Kinder nunmehr erwachsen, sie selbst an der Seite Ihres mittlerweile erfolgreich gewordenen Mannes und immer noch auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit. Was ist aus Ihnen geworden? Was treibt sie an? Und worin liegt der Sinn des Lebens?Am Ende von Band 1 habe ich mich sehr auf diese Fortsetzung gefreut, weil Sie in Teilen auch die persönliche Geschichte der Autorin ist und weil Familie alles sein kann oder auch nichts. MeinungEs ist schwierig in Bezug auf dieses Buch meine Enttäuschung so ganz zu verbergen, denn obwohl ich den ersten Band sehr mochte, hat mir diese Weiterführung nicht gefallen. Das liegt im Wesentlichen daran, dass der Text keine Struktur aufweist und scheinbar willkürlich erzählt, was aus dem Sohn, der Tochter, dem Bruder und Onkel geworden ist, wie das Leben seinen Lauf nimmt und nicht immer nur gute Überraschungen bereithält. In Band 1 stand Mathilde als zentrale Erzählfigur im Zentrum der Geschichte, hier ist das nicht mehr so. Die einzelnen Akteure erzählen selbst, sie kommen indirekt zu Wort und schweifen gern auch von der Kernthematik ab. An sich findet man gar keine konkrete Aussage in diesem Buch - es sind die gesammelten, losen Erzählungen, die stückchenweise mehr offenbaren aber kein Fazit ziehen. Eindeutig fehlt hier der rote Faden. Zwar lesen sich einzelne Textstellen sehr gut und man findet immer wieder in die Geschichte hinein, doch es kostet Überwindung weiter zu lesen, weil man schon bald das Gefühl bekommt, dass hier nichts Neues, nichts Besonderes passiert. Zwischendrin hatte ich immer den Eindruck, genau diese Entwicklung soll der Text bekommen, weil Leerräume bleiben, weil die Zeit vergeht und eigene Pläne entwickelt, die nicht viel mit den Vorhaben der Akteure zu tun haben. Weil einfach darin die Weiterentwicklung besteht, der sich das Individuum nicht entziehen kann. Und dennoch war mir das für einen fast 400 Seiten Roman eindeutig zu wenig Fokus.FazitLeider werden es hier nur 3 Lesesterne, weil der Text zwar seine Schönheit besitzt, die Geschichte selbst aber keinen Mehrwert bietet. Alles bleibt so seltsam belanglos, die Menschen, die Ereignisse, das Finale. Stellenweise ist es langweilig, dann wieder ansprechend - es erinnert mich an Wellen, die kommen und gehen und wenig Spuren hinterlassen. Ich bin auch nicht sicher, ob es besser gewesen wäre, dieses Buch ohne Vorkenntnisse zu lesen oder noch verwirrender. Allerdings hat mich die Erwartungshaltung aus dem Vorgängerroman überhaupt erst dazu bewogen, mich der Fortsetzung zu widmen. Mein Urteil: Kann man lesen, aber es bleibt seicht und wird schnell in Vergessenheit geraten, also weder ein Pageturner noch die große Empfehlung. Schade!