
Was geschieht, wenn in literarischen Texten politische Gewalt aus der Perspektive der Täter erzählt wird? Und was, wenn diese Täter und deren Haltungen, Wahrnehmungen und Emotionen bezüglich der ausgeübten Gewalt als uneindeutig dargestellt werden? Die Fiktionalisierung politischer Gewaltregime und ihrer Verbrechen im 20. Jahrhundert folgt einer langen literarischen Tradition, in der die Stimmen der Täter häufig eine Leerstelle bilden. Lena Seauve analysiert erstmals vergleichend anhand von Beispielen aus der zeitgenössischen romanischen Literatur, wie die Darstellung staatlicher Gewalt im Kontext von Krieg und Diktatur aus der tabuisierten Sicht ambivalenter Täterfiguren zur Formung eines kulturellen Gedächtnisses »in der Grauzone« beiträgt.
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