Der erste Eindruck trifft den Nagel auf den Kopf: Das Cover ist zwar unscheinbar, aber fühlt sich gut in der Hand an, sandig rau und genau das braucht man für eine Lektüre, die man am Pool oder Strand verschlingt. Magdalena Gammel, 1997 in München geboren, hat mit diesem Buch einen New-Adult-Roman geschaffen, der eine unterhaltsamen Mischung aus Sommerfeeling, Romantik und leichtem Thrill verbindet . Dass der Tod von Ariadnes (Ari) bester Freundin Sophia ein Jahr nach der Party noch immer ungelöst ist und erst im zweiten Band der Dilogie aufgeklärt wird macht süchtig . Perfekt für alle, die nach einer fesselnden Geschichte suchen, die sie nicht mehr aus der Hand legen wollen.
Die Geschichte startet ohne großes Vorgeplänkel und zieht einen sofort in ihren Bann. Besonders stark ist die zweite Hälfte, in der sich die Spannung immer weiter hochschraubt und mit unerwarteten Wendungen überrascht. Ari kehrt als gebrochene Frau nach Mykonos zurück, nachdem sie die Erinnerungen des letzten Sommers ein Jahr mit sich herumgetragen hat. Ihre Passivität in bedrohlichen Momenten etwa wenn Kyrill sie verbal oder sogar körperlich angreift ärgert mich, eine stärkere Frauenfigur hätte dem Buch gut getan. Hier hätte man sich mehr Entwicklung oder zumindest eine schlüssigere Reaktion gewünscht.
Ari wirkt in vielen Momenten zu passiv und gleichzeitig seltsam unwiderstehlich für die Männer um sie herum das passt nicht so recht zusammen und untergräbt ihre Glaubwürdigkeit. Joel hingegen sticht positiv heraus: Er ist einer dieser Typen, die durch Tatkraft und eine natürliche Präsenz überzeugen, ohne viel zu reden . Ein Lichtblick sind auch die wenigen Figuren, die Ari treu bleiben wie Stella oder Marinos. Sie sorgen für eine kleine, aber wichtige Gegenwelt zu den Intrigen und Gerüchten, die um Ari kreisen.
Der Handlungsort Mykonos wird von der Autorin lebendig durch sinnliche Details dargestellt. Das grelle Licht, die Geräusche der Wellen, die Schatten zwischen den Luxusvillen und den versteckten Ecken des Resorts. Man meint fast, die salzige Meeresluft zu riechen und die Hitze auf der Haut zu spüren. Leider bleibt die Insel selbst blass sie könnte genauso gut Santorin, Mallorca oder jede andere Traumdestination sein. Die besondere Atmosphäre Mykonos (etwa lokale Bräuche oder Geschichte) kommt kaum rüber, was den Schauplatz leider etwas austauschbar macht.
Magdalena Gammels Schreibstil ist angenehm leicht und perfekt für eine sommerliche Lektüre . Besonders gelungen sind Szenen, in denen die Spannung zwischen den Charakteren etwa zwischen Kyrill und Joel durch subtile Beschreibungen noch verstärkt wird.
Als New-Adult-Roman verbindet das Buch Urlaubsfeeling, Geheimnisse und eine Prise Romantik und Spice und regt durchaus zum Nachdenken an. Kritisch anzumerken ist jedoch, dass das Thema sexuelle Gewalt trotz hoher Präsenz nicht kritisch genug diskutiert wird. Ari akzeptiert Kyrills Übergriffe oft schweigend, statt sich Hilfe zu suchen oder sich aktiv zu wehren. Hier hätte man sich mehr Tiefe und eine stärkere Auseinandersetzung mit den Folgen für Betroffene und Täter gewünscht.
Fazit: Sommerlektüre mit Herz aber nicht ohne Macken
What the Sand Remembers ist ein unterhaltsamer, flüssig geschriebener Roman, der als perfekte Urlaubslektüre durchgeht. Die Charaktere bleiben jedoch ambivalent: Ari wirkt oft zu schwach, während andere Figuren wie Joel oder die loyalen Nebencharaktere überzeugen. Die Dilogie-Vorgabe sorgt für Spannung bis zum Schluss, doch die unaufgearbeiteten Konflikte um Ariadne und der austauschbare Schauplatz trüben das Leseerlebnis etwas. Wer eine lockere, sommerliche Geschichte mit Romantik und leichten Dramen sucht, wird hier fündig. Wer mehr Tiefe und realistischere Charakterentwicklungen erwartet, sollte die Lektüre kritisch begleiten .