Regionalkrimi: engagiert, aber bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Manfred Baumanns Salzburgwut, ein Kriminalroman, erschienen im Gmeiner Verlag, ist ein Band aus der Reihe über die Ermittlungen des Kommissars Merana. Wie auch die anderen Bände findet dieser Krimi im regionalen Umfeld von Salzburg statt.In Salzburgwut, der als Thema den Sebastiansfriedhof in Salzburg hat, geht es um den toten Franziskaner-Novizen Elias mit Hintergründen zu einer fiktiven rechtspopulistischen Partei.Ich habe das Buch bei einer Verlosung gewonnen. Es wurde mir aber nicht für eine Rezension durch den Verlag übermittelt. Als ich bei der Verlosung teilgenommen habe, hat mich insbesondere, muss ich zugeben, das Setting des Sebastiansfriedhofs gereizt, weil dieser Ort für mich in Salzburg eine ganz besondere Bedeutung hat.Ich selbst bin eigentlich keine große Krimi-Leserin. Und ich muss sagen, dass es viele Dinge gibt, die mich sehr verwirrt haben und die ich unnötig fand, welche aber schriftstellerisch höchstwahrscheinlich dem geschuldet sind, dass gerade in so Kriminalroman-Reihen bestimmte Motive immer wieder auftauchen, die geübten Lesenden und Fans ein Gefühl von Heimeligkeit geben, wie zum Beispiel diese (sehr überflüssigen) Gespräche mit der Oma.Ich versuche das bei dieser Bewertung auszublenden, muss aber sagen, auch von den Krimis, die ich gelesen habe, würde ich Salzburgwut nicht unbedingt als eines der besten Erlebnisse einstufen. Im Prinzip war der Plot und auch der/die Täter:in von einem sehr frühen Stadium an vorhersehbar. Die vielen verschiedenen Nebenfiguren, die dann noch eingeführt worden sind und als angebliche Mörder:innen in Betracht hätten kommen können, sind nicht so überzeugend eingebaut worden, als dass man sie ernsthaft gegenüber den/die Top-Favoriten/in, die man von den ersten Seiten an hatte, hätte eintauschen wollen. Gelesen habe ich das Buch wegen des Regionalbezugs. Ich kenne eigentlich jedes Setting, das dort beschrieben worden ist. Und da muss ich sagen, auch da hat es bei mir ein bisschen gehapert, weil bei mir nicht wirklich der Salzburg-Flair aufgekommen ist. Weil für mich regionaler Flair nicht dadurch entsteht, dass mir gesagt wird, man trifft sich im Bazar, sondern da muss noch viel mehr rüberkommen: Welche Leute im Bazar sind, wie es im Bazar riecht, welcher Kuchen dort angeboten wird, wie er schmeckt. Das sind alles so Punkte, die ich vermisst habe, und für mich reicht es auch nicht, auf einen gewittrigen Untersberg zu gucken, um mal zu sagen, okay, da ist ein Untersberg, und da gewittert es drauf, sondern da müssen für mich auch die Rauchschwaden hochsteigen und das Wasser runterfließen, das sonst nie auf dem Untersberg fließt, weil er eben über keine natürlichen Quellen verfügt. Es muss nach Bergregen riechen oder nach Fiaker im Regen. Dass dieser Regionalbezug nicht gut gelöst wurde (mit Ausnahme der einleitenden Worte zum Friedhof), finde ich sehr schade, denn ich glaube, dass eine Stadt wie Salzburg sehr großes Potenzial hat, um einen unheimlich guten Regionalroman oder meinetwegen auch Regionalkrimi zu schreiben, wenn man diesen Flair wirklich einfangen und auch dem Leser rüberbringen würde. Und das fände ich persönlich dann sehr viel wertvoller als Gespräche mit der Oma oder irgendwelchen Love Interests, die dort im Übrigen auch vorkommen.Ich muss sagen, mir tut es fast leid, weil ich glaube, dass das Buch engagiert ist. Ich weiß zwar nicht, ob dieses politische Engagement groß genug ist, um Menschen tatsächlich zum Nachdenken zu bringen über das, was sie unter Umständen zu wählen gedenken. Aber trotz allem möchte ich dem Buch natürlich zugutehalten, dass der Autor sich hier auch wagt, Stellung zu beziehen und eine Szene zu beschreiben, die zumindest ich auch mit Schrecken beobachte.Und insgesamt, vom ganzen Lesekonzept und Gefühl, würde ich ihm hier drei Sterne geben wollen.