In diesem Sachbuch stellt die Ärztin und vielfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin Dr. med. Marlene Heckl interessante und ergreifende Fallgeschichten aus ihrem eigenen ärztlichen Alltag vor und klärt auf, wie man die beste Entscheidung für die eigene Gesundheit treffen kann.
Immer wieder geht es in dem Buch um das verlorene Bauchgefühl, um mediale Gesundheitsangst und Panikmache. Es geht um ein System, das Effizienz über Empathie stellt. Die Ärzte haben oftmals sehr wenig Zeit für den einzelnen Patienten und stehen unter großem finanziellem Druck, es herrscht Personalmangel und es gibt strenge Budgetvorgaben. Dabei bleibt die Menschlichkeit in der Medizin nicht selten auf der Strecke.
Sehr interessant finde ich die Ausführungen der Autorin zu unnötigen Untersuchungen und Operationen, die sogar zu noch mehr Schmerzen oder zusätzlichen Schädigungen führen können. Manchmal ist es eben besser, abzuwarten und zu beobachten, bevor teils schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden, die sich im Nachhinein als Fehler herausstellen. Auch manche Laborwerte können zu Fehleinschätzungen führen. Die Autorin beschreibt, wie man diese richtig interpretiert und was man dabei beachten muss.
In dem Buch erfährt man außerdem, wo man die beste Hilfe findet: Ob sich eher eine Praxis, eine normale Klinik oder die Uniklinik eignet bzw. was sie jeweils voneinander unterscheidet. Weiter gibt es einen Überblick über verlässliche Informationsquellen für Patienten im Internet und Hinweise, wie man bei Social Media echtes medizinisches Wissen von Pseudo-Wissenschaft unterscheiden kann.
Besonders gut gefällt mir auch die übersichtliche Tabelle über Nutzen und Risiken von Untersuchungen (Beispiele: Blutabnahme, Röntgen und CT, MRT, Ultraschall, Endoskopie, Lumbalpunktion etc.). Die Ärztin zeigt auch Wege zur ärztlichen Zweitmeinung auf, die mir bisher nicht bekannt waren.
Sehr wichtig ist zudem das Kapitel darüber, wie man gute Ärzte erkennen kann. Oft fühle ich mich hilflos und bevormundet, wenn ich beim Arzt oder auch in der Klinik bin. Die Autorin spricht mir an vielen Stellen aus der Seele. Sie macht Mut, mehr auf das eigene Bauchgefühl, also die innere Wahrnehmung, zu hören. Es schützt einen auf der einen Seite davor, in lebensgefährlichen Situationen vom Arzt abgewimmelt zu werden, andererseits schützt es einen auch davor, gleich in Angst und Panik zu geraten, nur weil man mal etwas Bauch- oder Kopfschmerzen hat.
Ich wünsche mir noch mehr Ärzte wie die Autorin, denen Menschlichkeit und sinnvolle Entscheidungen in der Medizin am Herzen liegen. Das Ideal ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Arzt und Patient, um das bestmögliche Ergebnis für die Gesundheit zu erzielen.
Ich kann das Buch auf jeden Fall jedem empfehlen, der sich eigenverantwortlich um seine Gesundheit kümmern, sich informieren und die richtigen Entscheidungen bezüglich Diagnostik und Therapie treffen möchte.