Eigentlich war es nur ein merkwürdiger Auftrag, den der Seemann Kayden Wolfshall erhalten hat: Die Prinzessin von Jandor von ihrer Hochzeit entführen. Die Befreiungsaktion ist allerdings aus dem Ruder gelaufen, Kayden hat sich mit mehr als einem Königshaus und dunkler Magie angelegt und gilt seitdem als Mörder, der auf dem ganzen Kontinent gejagt wird. Aber es kommt noch schlimmer: Jetzt hat er eine traumatisierte Prinzessin und einen lila Fuchs im Schlepptau und die wahre Reise des merkwürdigen Trios hat gerade erst begonnen. "Flammenklinge" ist der zweite Teil der Lichtsplitter-Saga des Autorenduos Mira Valentin und Erik Kellen. In diesem Band findet die Handlung nun auch endlich die richtigen Bahnen, der lange Prolog des ersten Teils ist endlich vorbei, die beiden Protagonisten nun Seite an Seite. Das birgt allerdings auch einiges an Konfliktpotenzial, denn Kayden und Aira könnten verschiedener kaum sein und beißen sich eine Weile die Zähne aneinander aus. Wohin das führt, ist wohl absehbar... Der Fokus dieser Geschichte liegt aber eindeutig auf dem Fantasy-Abenteuer. Nach dem langen Vorgeplänkel von Teil eins machen sich die Protagonisten nun auf eine gefährliche Reise quer durch die ganze ihnen bekannte Welt, um eine verborgene Insel aufzusuchen, auf der die Geheimnisse der Magie versteckt sind. Auf dem Weg dahin geht schon ein Plan nach dem anderen schief, als die drei dann endlich ankommen, geht das Chaos aber erst so richtig los. Dann endlich gibt es ein paar mehr Informationen zur Welt und Magie, die vorher bereits vorhanden, aber eher dünn gestreut waren. An sich ist das Worldbuilding sehr gut, nur das Konzept der Elementarmagie wirkte leider etwas billig, auch wenn der Wind als eigene Persönlichkeit durchaus liebenswert ist. Ein paar Teile der magischen Ausbildung waren etwas zu gewollt und vielleicht auch ein bisschen merkwürdig (Tanzen, um seine Magie zu erlangen?), vor allem im Kontext der restlichen Fantasywelt, die eher grausam, düster und immer mal wieder blutig ist. Die Welt ist mittelalterlich geprägt und auch immer wieder recht rückständig, so kann man immer mal wieder etwas irritiert die Augen über ein ewig gestriges Frauenbild verdrehen, das in den Köpfen der meisten Protagonisten herrscht. Immerhin die verwirrte, aber zähe Prinzessin Aira beginnt, sich dagegen zu wehren und für ihre Freiheit zu kämpfen, mit der Macht des Windes, die in ihr wohnt und sich gegen die Dunkelheit wehrt. So ganz haben die Autoren es aber noch nicht geschafft, eine Brücke zu schlagen zwischen der Vorgeschichte und der Mythologie, die sie in ihr Werk einfließen lassen haben, und der eigentlichen Haupthandlung. So sind manche Aspekte der Geschichte noch etwas zusammenhanglos, manchmal fehlt der Bezug zum größeren Rahmen. An der Stelle muss das Finale noch mal kräftig nachlegen, um die Geschichte zu retten. Sonst aber wird es im zweiten Teil der Trilogie zusehends spannender und endet wieder mit einem Showdown, der es in sich hat und auch wieder Lust auf mehr Action und Abenteuer macht. Wenn die Autoren es jetzt schaffen, ihre verschiedenen Ideen gut zueinander zu bringen und aus den einzelnen Teilen ein Ganzes zu machen, dann kann die Reihe am Ende noch überzeugen. Das Potenzial ist jedenfalls vorhanden. Außerdem gibt es überraschenderweise einen Drachen, der sich auch noch reiten lässt - schrecklich schief kann es also nicht gehen.