Ein realistischer Zukunftsroman mit vielen Perspektiven und philosophischen Ansätzen ¿ lesenswert, aber stellenweise sperrig.
Tree Drop entwirft ein Szenario, das für viele Menschen wohl der Albtraum schlechthin wäre: Der Strom fällt großflächig aus - und das über längere Zeit. Plötzlich ist nichts mehr wie vorher. Kein Internet, kein Licht, keine gewohnten Routinen.Gerade für mich, die noch eine Zeit kennt, in der Stromausfälle einfach zum Alltag gehörten, war das Thema spannend. Ich erinnere mich gut an Schneestürme, Hochlandleitungen und das Selbstverständnis, eben mit Kerzen weiterzumachen, während andere verzweifeln. Genau diese Unterschiedlichkeit spiegelt sich auch im Buch wider - jede Figur reagiert anders, und das macht das Ganze realistisch und glaubwürdig.Was Tree Drop besonders macht, ist der Perspektivwechsel. Wir begleiten verschiedene Menschen durch ihre persönlichen Erlebnisse während des Ausfalls, was dem Roman eine schöne Vielschichtigkeit gibt. Doch genau das, was ihn auf der einen Seite interessant macht, wird auf der anderen Seite zum Stolperstein.Denn der Autor schwenkt oft ins sehr Philosophische, was manchmal schlicht nicht zum Szenario passt. Einige Abschnitte sind schwer zugänglich oder wirken gekünstelt tiefgründig. Das bremst den Lesefluss und macht es schwierig, wirklich in die Geschichte einzutauchen. Auch Spannung im klassischen Sinne fehlt - wer also einen mitreißenden Roman sucht, sollte sich dessen bewusst sein.Fazit:<br data-start="1836" data-end="1839">Ein interessanter Zukunftsroman mit realistischem Kern und reflektierten Ansätzen, der viel Stoff zum Nachdenken bietet - aber auch Geduld erfordert. Für Leser:innen, die Lust auf ein entschleunigtes, vielstimmiges Gedankenexperiment haben, kann Tree Drop funktionieren. Wer eher nach Spannung oder klaren Handlungssträngen sucht, wird hier nicht ganz glücklich.