In Wien fährt ein Auto in ein jüdisches Restaurant. Am Steuer - ein bekannter bekennender Rechter. Der Fall scheint auf der Hand zu liegen, doch wäre es so einfach, würde es das Buch wohl so nicht geben.
Innerhalb der Geschichte folgen wir der Ermittlungsarbeit und indirekt beteiligten Charakteren, während sich Puzzlestück für Puzzlestück ein Bild ergibt. Und dieses Bild wird immer verzweigter, wirft jedes Mal wieder mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.
Aus dem scheinbar einfachen Fall werden Einflussnahme auf höchster Ebene, politisches Kalkül, kontrastierende Interessen und komplexe Familiengeschichten gleichermaßen. Hier begegnen sich Glaube, Hoffnung und Beweise, Zensur und das Streben nach Wissen und Gerechtigkeit. Die Ermittlungsarbeit zieht einen immer mehr in ihren Bann, manchmal weiß man selbst nicht mehr, was man glauben soll - hat man doch von Anfang an selbst eine klare Meinung. Dennoch - hier sollen verschiedene Perspektiven beleuchtet werden. Alles auf der Suche nach der Frage, was denn nun eigentlich geschehen ist.
Petra Hartliebs Krimi entwickelt einen Sog, der mich schnell gegangen hatte - zum Teil auch wider meinen eigenen Erwartungen. Mit den Nebenschauplätzen und Beteiligten will man immer mehr wissen, was geschehen ist, ist mit der Kommissarin empört, interessiert, erschöpft, konsterniert...
Am Ende fand ich die Story stellenweise zu konstruiert, die persönlichen Verhältnisse und Verstrickungen mehr als ein bisschen überzogen. Dennoch - ein wichtiges Buch, bei dem wir uns mehr als eine Antwort wohl auch selbst geben müssen.