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Ausgezeichnet als Wissensbuch des Jahres 2025 in der Kategorie Überraschung
Besprechung vom 20.11.2025
Sei mir gegrüßt, Vater Rhein, wie ist es dir ergangen?
Der Naturschriftsteller Robert Macfarlane versucht mit Flüssen zu reden
Wenn der britische Autor Robert Macfarlane ein Buch schreibt, das den Titel "Sind Flüsse Lebewesen?" trägt, kann die Frage eigentlich nur rhetorisch sein. Seit zwanzig Jahren widmet er sich in zahlreichen Büchern der Natur, aber "noch nie" habe er sich "mit einem derartig dringlichen Thema beschäftigt". Dringlich sei das Thema auch, weil man sich daran gewöhnt habe, "dass ein Unternehmen vor dem Gesetz eine Rechtspersönlichkeit ist", aber "ein Fluss, der seit Tausenden von Jahren über die Erde fließt, derlei Rechte nicht hat".
Macfarlane macht es sich zur Aufgabe, die Stimme der Flüsse aufzunehmen, und kommt zu einem wenig überraschenden Ergebnis: "Ein Fluss ist kein Mensch, und umgekehrt." Die Frage danach, wer schließlich für die Flüsse sprechen kann, ist auch für den Autor nicht einfach zu beantworten. Schließlich müssten Menschen stellvertretend für sie agieren - und dann dreht sich am Ende doch alles wieder um den Menschen statt um die Natur.
Der Autor begibt sich auf Reisen in Gegenden, in denen man mithilfe eines sogenannten "Naturvertrags" bereits festgestellt hat, dass Flüsse nicht nur Rechte haben, sondern "eigenständige Lebewesen" sind. In Ecuador beispielsweise steht der Schutz der Natur in der Verfassung. Aus gutem Grund, denn der Bergbau macht den Gewässern zunehmend zu schaffen, wie man in den Ausführungen lernt.
Laufend kommt es einem allerdings so vor, als untergrabe der Wechsel zwischen Argumentation und romantischer Naturbetrachtung das eigentliche Anliegen. Eine Mykologin beschreibt Macfarlane etwa als "fokussiert, pilzhaft und dynamisch". An anderer Stelle heißt es: "Ein Kolibri mit gefiederten Beinen flirtet mit einem Plakat für glänzend verpackte Schokolade." Dann stellt der Autor fest, der Mensch tauche vor seiner Geburt wie ein "Freitaucher langsam im dunklen Floating-Becken der Gebärmutter".
Schließlich versucht Macfarlane, mit einem Fluss Kontakt aufzunehmen: "Hallo, Fluss. Ich bin weit gereist, um dich kennenzulernen". Dann die Ernüchterung: "Der Fluss antwortet nicht." Und am Ende ist Macfarlane, geplättet von den ganzen Eindrücken, "nach Kilometern und Minuten und Jahren", die er "auf und im Fluss war", "selbst verflusst". Während er den Lesern bildhaft zeigt, was es in der Natur zu bewahren gilt, scheitert das Projekt an der Form. PHILIPP SCHRÖDER
Robert Macfarlane: "Sind Flüsse Lebewesen?"
Aus dem Englischen von Frank Sievers und Andreas Jandl. Ullstein Verlag, Berlin 2025.
416 S., Abb., geb.
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