Jonah ist ein gefeierter Star im Londoner West End und frisch mit einem Olivier Award ausgezeichnet. Beruflich könnte es kaum besser laufen; privat dagegen gerät sein Leben zunehmend aus dem Gleichgewicht. Als dann auch noch Dexter, charismatischer Publikumsliebling und ausgerechnet Jonahs größter Rivale, neu zum Ensemble stößt, sind Konflikte vorprogrammiert.
Die Geschichte wird ausschließlich aus Jonahs Perspektive erzählt, wodurch seine Gedanken, Unsicherheiten und Beweggründe greifbar und authentisch wirken. Dexter bleibt dagegen zunächst geheimnisvoll. Gemeinsam mit Jonah entdeckt man im Verlauf des Buches immer mehr seiner Facetten. Sein Verhalten überrascht, wirkt stellenweise widersprüchlich, ist am Ende jedoch stets nachvollziehbar. Dieses behutsame Enthüllen seiner Persönlichkeit sorgt für anhaltende Spannung.
Die Dynamik zwischen Jonah und Dexter ist von Beginn an spürbar. Ihre Rivalität basiert nicht auf oberflächlichen Missverständnissen, sondern auf glaubwürdigen Konflikten, die sich nicht abrupt auflösen, sondern sich nach und nach auflösen.
Neben der romantischen Handlung greift der Roman auch ernstere Themen auf: Verlust, Homophobie sowie toxische Beziehungen und problematische Arbeitsverhältnisse verleihen der Geschichte zusätzliche Schwere, ohne sie zu überladen. Die Nebenfiguren, insbesondere Jonahs Eltern und seine Freunde Bastien und Sherrie, bringen eigene Perspektiven und Handlungsstränge mit, die das Gesamtbild abrunden.
Robyn Greens Schreibstil ist locker und flüssig. Mitunter ist er etwas ausschweifend, was den Lesefluss jedoch nicht beeinträchtigt.
Insgesamt ist Jonah goes off script eine gefühlvolle, vielschichtige Enemies-to-Lovers-Geschichte vor der glamourösen und zugleich fordernden Welt des Theaters, die ich kaum aus der Hand legen konnte.