Ich bin ehrlich: Der Klappentext und die Stimmen zum Buch haben bei mir eine etwas andere Erwartung geweckt. Aussagen wie die perfekte Lektüre für diesen Sommer oder Sommerromanze ließen mich auf eine leichtere Geschichte mit einigen Summer Vibes hoffen. Tatsächlich schlägt Summer Storms aber eine ganz andere Richtung ein der Fokus liegt klar auf Drama, familiären Konflikten und emotionalen Abgründen.
Die Ausgangssituation hat es dabei direkt in sich: Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Alice Storm auf die Familieninsel zurück einen Ort voller negativer Erinnerungen und ungelöster Konflikte. Vor fünf Jahren hat sie sich nicht ohne Grund von ihrer Familie entfremdet. Statt gemeinsam zu trauern, geraten Alice und ihre vier Geschwister mitten in ein perfides Erbschaftsspiel, das der verstorbene Patriarch noch selbst inszeniert hat. Die Aufgaben, die sie dabei erfüllen müssen, sorgen schnell für Spannungen und reißen alte Wunden wieder auf. Schnell wird deutlich: Es geht hier um weit mehr als Geld nämlich um Macht, Kontrolle und jahrzehntelange Verletzungen. Zusätzliche Komplikationen entstehen dadurch, dass sich Alice One-Night-Stand ausgerechnet als rechte Hand ihres Vaters und Leiter dieses Spiels entpuppt.
Das Buch nimmt von Beginn an Fahrt auf und bleibt bis zur letzten Seite spannend. Besonders gefallen hat mir, wie sehr man beim Lesen mitfiebert, miträtselt und darauf hofft, dass sich die Situation doch noch zum Guten wendet. Einige Wendungen waren für mich allerdings nicht immer ganz nachvollziehbar. Das liegt vor allem daran, dass manche Figuren sich so extrem verhalten, dass man beim Lesen innerlich nur den Kopf schüttelt. Die Dynamik innerhalb der Familie gleicht einem emotionalen Minenfeld und bietet mehr als nur die eine oder andere Red Flag auch innerhalb der Liebesgeschichte.
Gerade das macht die Figuren aber gleichzeitig interessant. Sarah MacLean legt es nicht darauf an, dass ihre Charaktere unbedingt sympathisch wirken. Sie handeln oft ambivalent, emotional, egoistisch oder unüberlegt geprägt von einem Leben, das lange von anderen kontrolliert wurde. Nun stehen sie an einem Punkt, an dem sie entscheiden müssen, wie ihre Zukunft aussehen soll. Diese Vielschichtigkeit macht die Familienkonstellation und die gesamte Dynamik des Buches besonders spannend.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich allerdings, dass nicht alle offenen Fragen am Ende wirklich zufriedenstellend beantwortet werden. Vor allem die Verbindung zwischen Jack und Franklin bleibt für meinen Geschmack zu vage. Warum Jack selbst nach Franklins Tod noch bedingungslos dessen Plänen folgt, wird zwar immer wieder angedeutet, aber nie richtig erklärt obwohl dieser Aspekt für die Handlung eigentlich sehr wichtig ist.
Trotz kleiner Schwächen ist Summer Storms für mich ein starkes und sehr unterhaltsames Buch. Wer eine leichte Sommerromanze erwartet, könnte überrascht werden als spannendes Familiendrama mit romantischen Elementen funktioniert die Geschichte für mich aber definitiv sehr gut.
4 von 5 Sternen