Eine Insel, eine Familie, ein Wettkampf und jede Menge Geheimnisse - ein Roman zum Rätseln, Lachen und Verzweifeln
Unbezahlte Werbung Rezensionsexemplar von @netgalley.de Ich mag den Stil des Covers sehr, da er eine sommerliche Story am Strand verspricht und außerdem etwas von einem Kunstwerk hat. Neugierig hat mich vor allem der Blurb von Ali Hazelwood gemacht. Nachdem ich das Buch gelesen habe, finde ich es ganz wunderbar wie vielschichtig der Titel die Geschichte des Buches aufgreift. Ich bin froh, dass hier der englische Titel und damit insbesondere auch die Schreibweise vom Verlag beibehalten worden sind, da dies eine Verknüpfung zur Geschichte ist.Zum Inhalt Alice Storm wurde vor fünf Jahren von ihrem Vater, einem Technik-Magnaten, aus der Familie verstoßen. Fünf Jahre später trifft sie wieder auf ihre Familie, nachdem ihr Vater gestorben ist und sie sich auf Storm Island einfindet, um an seiner Beerdigung teilzunehmen. Dort trifft sie nicht nur auf ihre Mutter und ihre Geschwister, sondern auch auf ihren bis dahin namenlosen One-Night-Stand Jack. Dieser ist, leider, nicht irgendein Fremder, denn Jack ist da um den letzten Willen ihres Vaters zu verkünden. Schon zu seinen Lebzeiten liebte Alice's Vater es die Kontrolle zu haben und seine Macht auszuspielen, damit beginnt der Kampf um das Erbe. Das verlorene SchafAlice ist mit ihrem Leben als Kunstlehrerin und Künstlerin glücklich. Nach dem Bruch mit ihrem Vater und der Familie steht sie auf eigenen Beinen und entdeckt eine Welt außerhalb der Blase, in der sie groß geworden ist. Leider gibt es neben schönen Momenten auch harte Lektionen. Ich finde, dass Alice hier sehr reflektiert mit den Einflüssen ihrer Erziehung auf ihr Leben umgeht und sich ihre eigene Naivität auch eingesteht. Weiterhin möchte Alice sich nicht über den Familiennamen definieren oder aufgrund dessen Loyalität und Zusammenhalt vorheucheln. Aus dem Grund wählt Alice ihre eigene Familie und findet in diesem Kreis Unterstützung und Rückhalt. Ich finde diese Haltung von Alice unglaublich stark. Es hat mich beeindruckt, dass sie ihren eignen moralischen Kompass hat und diesem folgt. Damit stellt Alice sowohl mit ihrem Lebensstil als auch ihrem Mindset einen Kontrast zu ihren Geschwistern und ihrer Mutter da.Mit dem Tod ihres Vaters muss Alice sich wieder mit allem auseinander setzen. Schnell rutscht sie hier wieder in ihre Rolle des schwarzen Schafs der Familie. Doch ist es dieses Mal anders, da ihr Vater zwar als Schatten präsent ist, doch jeder sich die Frage stellen muss, ob der Preis es noch immer Wert ist nach seinen Regeln zu spielen. Alice nimmt in diesem Spiel immer wieder die Rolle ein ihre Geschwister zu motivieren ihren eignen Weg zu gehen. Dabei muss sie nicht nur Gehässigkeiten einstecken, sondern erfährt auch neue Details. Hier hatte ich manchmal das Gefühl in einem Krimi à la Agatha Christie's Poirot zu stecken. Mir waren die Charaktere der Familie sympathisch. Hier wurde zwar mit allerhand Stereotypen gespielt, doch war es in sich stimmig. Gern hätte ich zwischendurch den ein oder anderen geboxt und ich bewundere Alice, dass sie nur mit Worten und nicht Fäusten agiert hat. Die vorherrschende toxische Familienstruktur wurde zwar von allen erkannt, aber toleriert und gelebt. Das hat mich zum Teil wirklich wütend gemacht, da das eigene Wohl von fast allen hinter das der Familie und des Ansehens gestellt worden ist. Neben Alice und ihrer Familie spielt Jack eine wichtige Rolle. Da er in der Zeit des Kontaktabbruchs in das Leben von Alice's Vater trat und zu seiner rechten Hand aufstieg, ist er Alice fremd. Jeder der Anwesenden verspürt Wut oder in Wut getarnten Neid auf Jack und lässt sowohl ihn als auch Alice dies spüren. An der ein oder anderen Stelle hatte ich das Gefühl, dass Franklin, Alice Vater, in Jack einen Ersatz für Alice gesehen oder gefunden hat. Es hat sich dann doch schnell wiederlegt, da Alice und Jack komplett unterschiedliche Charaktere sind. Trotzdem ist der Eindruck geblieben, dass sich Franklin bei einigen seiner Kinder, gewünscht hat sie wären mehr wie Jack. Obwohl ich das Gefühl hatte mich manchmal in einer Folge "Reich und schön" oder "Poirot" wiederzufinden, sind für mich alle Charaktere gelungen und auch vielschichtig. Jeder Charakter hat auf seine Art dazu beigetragen die Geschichte voranzubringen. Da bis auf wenige Ausnahmen jeder Charakter seine Rolle gespielt hat, war ich immer zu neugierig wie die Entwicklung der Charaktere sein wird und ob sie sich von ihren Fesseln lösen werden können. Die Ruhe vor dem SturmDie Geschichte wird von Alice in der dritten Person erzählt. Für mich war dies passend und gut umgesetzt. Neben der eigentlichen Geschichte wurden immer wieder auch Geschichten und Details von der Insel, dem Leben der Familie Storm und den unterschiedlichen Charakteren miteingebracht. Ich fand es überraschend welche Tiefe ein jeder Charakter, Ort und Gegenstand bekommen haben. Dies wurde dadurch verstärkt, dass zumindest ein jeder der Geschwister auch ein eigenes Kapitel erhalten haben, in dem sie einen Teil der Geschichte erzählten und damit noch ein bisschen mehr Hintergrund offenbart wurde. Diese Kapitel kamen für mich überraschend, haben aber zur Geschichte gepasst und meinen Lesefluss nicht gestört. Ganz im Gegenteil haben sie mich motiviert, denn jeder Charakter hat Geheimnisse und eigene Motive für sein Handeln. Dies wurde durch diese Kapitel deutlicher. Ich hatte einige Theorien wie sich die Geschichte entwickeln oder welche Beweggründe jemand haben könnte, aber ich wurde mit der Auflösung jedes Mal überrascht. Das ein oder andere Mal hatte ich den richtigen Gedankengang dies aber dem falschen Charakter zugeordnet. Es war unglaublich spannend wie sich alles gefügt hat, welche Geheimnisse offenbart wurden und welche Masken gefallen sind. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Gleich zu Beginn wurde der Geschichte der zeitliche Rahmen von einer Woche gegeben und es war beeindruckend wie viel passieren konnte. Ich möchte hier aber unbedingt betonen, dass es nie übertrieben oder dramatisch wirkte. Die Autorin hat ganz wunderbar zu den Ereignissen hingeleitet und es kam mir natürlich vor, dass es zu dem jeweiligen Ereignis oder Bekenntnis kam. Die Entwicklung der Handlung passt zum Titel. Viele Themen haben sich aufgebaut wie ein Sommergewitter und ein Sommersturm. Es musste irgendwann zu einer Entladung kommen.Eine Sache, die bei mir für Irritation gesorgt hat war, dass bei der Nennung des Familiennamens bzw der Variante der Unternehmertochter Alice immer der Firmenname ausgeschrieben wurde im Nachnamen. Ich musste bei den ersten Malen wirklich überlegen wie dies gemeint ist oder ob es ein Fehler der Übersetzung ist. Im Großen und Ganzen war die Übersetzung sehr gelungen, aber dieser Punkt hat bei mir immer für einen "Achja, so ist das gemeint" Moment gesorgt.Mir hat auch gefallen wie die unterschiedlichen Handlungsstränge ineinander gegriffen haben und miteinander verbunden worden sind. Für mich aus diesen Gesichtspunkten ein Sommerhighlight.Was mir dieses Highlight etwas vermiest hat, war der Spice. Der One-Night-Stand zu Beginn der Geschichte wird erwähnt und nicht weiter im Detail beschrieben, doch im Verlauf der Geschichte kommt es zu anderen Gelegenheiten mit einer entsprechenden Beschreibung. Ich weiß nicht warum, aber es hat für mich einfach nicht zur Geschichte gepasst. Zum einen hatte ich es nach der knappen Abhandlung des One-Night-Stands nicht erwartet und zum anderen wirkte es für mich irgendwie gewollt an der Stelle. Storm Island, ein Fels in der Brandung oder doch Alcatraz?Das Setting auf eine Insel zu verlegen, die nur mit dem Boot oder Hubschrauber zu erreichen ist, ist in meinen Augen genial. Nicht nur in Bezug darauf, dass es den Reichtum der Familie Storm widerspiegelt, sondern auch die Isolation, die insbesondere den Kindern zu ihrem Schutz, auferlegt worden ist. Durch die Erzählung wurde bei mir immer wieder die Frage aufgeworfen, ob Storm Island wirklich ein Paradies und Luxus für die Familie ist oder doch ein goldener Käfig. Mir hat außerdem gefallen, dass es nicht einfach nur eine Privatinsel mit einem imposanten Herrenhaus war, da auch die Insel ihre Geschichte hat. Diese wurde immer wieder aufgegriffen. Zum einen wird damit die Verbindung der Familie Storm zu ihrer Insel deutlich und zum anderen auch darüber hinaus welche Vergangenheit die Insel hat. Auch die kleinen und großen Besonderheiten dieser Insel haben den Ort für mich zum Leben erweckt.FazitIch bin ohne eine Erwartungshaltung an Summer Storms herangegangen. Der Blurb von Ali Hazelwood hatte mich neugierig auf das Buch gemacht. Ja, es ist die perfekte Lektüre für den Sommer. Zwischen den Zeilen passiert bei diesem Buch viel, es ist vielschichtig ohne dabei schwer zu sein und liest sich meinem Empfinden nach ein bisschen wie ein Krimi. Es ist so viel Liebe zum Detail in diesen knapp 500 Seiten, das hat mich wirklich beeindruckt. Jeder Charakter hat eine Hintergrundgeschichte und Motivation und selbst Orte und Gegenstände sind nicht einfach nur da. Einziges Manko ist für mich wirklich diese eine intime Szene, die in meinen Augen nicht so recht zum Rest passt was die Beschreibung betrifft. Trotzdem hatte ich eine wirklich gute Zeit mit dem Buch und habe auch schon geschaut, ob es weitere Bücher der Autorin gibt.Ich kann das Buch absolut weiterempfehlen. Wer auf der Suche ist nach einem Roman, der sich liest wie eine Folge "Poirot" oder auch "Knives Out" (aber ohne die Morde), der zum Rätseln einlädt, der einen Einblick in Amerikas reiche Familien gibt, der viel Liebe zum Detail bei Charakteren, Orten und Gegenständen hat, wird hier auf seine Kosten kommen. Fazit 4,5 /5Spannung 3/ 5Humor 1 / 5Gefühl 3/ 5Spice 1/ 5#sommerstorms #sarahmaclean #stormolympiade #stormisland #geheimnisse #highsociety #roman #rezensionsexemplar #netgalleyde