Aus Zufall programmieren Patricia und Henry Einbug - die erste starke künstliche Intelligenz der Erde, die sich ihrer selbst bewusst wird. Diese entwickelt ein abenteuerliches Konzept, um sich selbst und die Menschen zu schützen: Pantopia."Pantopia" ist mal wieder ein Roman der Kategorie "Wie soll man das vernünftig und fair bewerten?"Denn das Grundkonzept von Pantopia klingt so logisch und überzeugend, dass man sich immer fragt, wo hier der Haken ist. Auflösung der Nationalstaaten hin zu einer einheitlichen Welt, in der alle Menschen gleich sind und gleich behandelt werden, bedingungsloses Grundeinkommen, Orientierung an den Menschenrechten, direkte Demokratie, die sich am Willen des Volkes orientiert... dies sind nur einige Schlagworte, die in diesem Buch angesprochen werden. In Einzelaspekten werden diese ja auch jetzt schon diskutiert, dennoch klingt alles zusammen zumindest für mich wie Weihnachten und Ostern gleichzeitig ohne zu dick aufgetragen zu sein.Aber kein System bzw. keine Zukunftsvision ohne Skeptiker und offene Gegner. Dieser kommt in Form der Polizistin Angelika Beerbaum, die man einerseits zwar verstehen kann, sich andererseits aber auch fragt, wo ihr Problem ist. Sind solche Gedanken wirklich staatsfeindlich, terroristisch, systemsprengend? Es wird auch klar: Es kommt eben auf den Staat an. Repressive, menschenverachtende Staatsformen haben es verständlicherweise nicht so gerne, wenn die Gefahr der Zerschlagung und Auflösung in ein friedliches Mit- und Nebeneinander droht.Leider wirkten die Positionen auf mich manchmal recht eindimensional. Pantopia und seine Anhänger werden als gute und friedliche "Revoluzzer" dargestellt, die Polizei als Institution, die mit aller Macht und Staatsgewalt die Bewegung zerschlagen will - weil offenbar nicht sein kann, was nicht sein darf. Das ist dann doch wieder das Spiel von Gut gegen Böse, das mir angesichts der Thematik des Buches eher banal und zu einfach erscheint.Dennoch schätze ich "Pantopia" für das, was es ist: Ein wunderbares Gedankenspiel, bei dem man sich fragt, ob es wirklich so funktionieren kann oder es dann doch von Staatsmächten zerschlagen wird, die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Fast schon ein utopisches Sachbuch in Romanform, aber lesens- und nachdenkenswert.