Eigentlich wollte Hans Castorp nur drei Wochen in der klaren Bergluft von Davos verbringen, um seinen lungenkranken Vetter zu besuchen.
Was als kurzer Höflichkeitsbesuch bei seinem lungenkranken Vetter beginnt, entwickelt sich für den jungen Hamburger Hans Castorp zu einer lebensverändernden Odyssee des Geistes. In der hermetischen Abgeschiedenheit des Sanatoriums "Berghof" in Davos gelten die Regeln der Welt unterhalb der Gipfel nicht mehr. Castorp gerät zwischen die Fronten intellektueller Giganten: den Aufklärer Settembrini und den Radikalen Naphta, die um seine Seele ringen. Während er sich in die geheimnisvolle Clawdia Chauchat verliebt, verliert er zunehmend das Zeitgefühl und die Bindung zum bürgerlichen Leben. "Der Zauberberg" ist eine faszinierende Reise durch die europäische Seele am Abgrund des Ersten Weltkriegs - ein sprachgewaltiges Epos über die Zerbrechlichkeit der Zivilisation und die verführerische Kraft der Dekadenz. Thomas Mann (1875-1955) war der repräsentative deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts. In Lübeck als Sohn einer Patrizierfamilie geboren, erlangte er bereits mit seinem Debüt Buddenbrooks Weltruhm und erhielt 1929 den Literaturnobelpreis. Sein Werk ist geprägt von der Spannung zwischen bürgerlicher Disziplin und künstlerischer Freiheit sowie einer tiefen psychologischen Durchdringung seiner Figuren. Als "Vernunftrepublikaner" und späterer Warner vor dem Nationalsozialismus emigrierte er 1933 in die Schweiz und später in die USA. Manns Stil zeichnet sich durch eine hochgradig ironische Distanz, komplexe Schachtelsätze und eine leitmotivische Arbeitsweise aus, die seine Romane zu intellektuellen Kathedralen macht.