skandinavisches Setting, eine packende Handlung und vielschichtige Charaktere
Sturmschreie von Tina N. Martin ist der vierte Band der "Kommissarin Lind ermittelt"-Reihe und damit der Nachfolger von "Gewittermann". Zugegeben hatte ich bisher erst den ersten Teil "Apfelmädchen" gelesen und war sofort von der Autorin positiv überrascht.In Sturmschreie geht es zu Beginn um eine verstümmelte männliche Leiche, die zufällig an einem Fluss entdeckt wird. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um einen Geflüchteten aus einem nahegelegenen Abschiebelager handelt, der jedoch bereits eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hatte.An dieser Stelle kommen Kommissarin Idun Lind und ihr Partner Kommissar Calle Brandt ins Spiel. Gemeinsam nehmen sie die Ermittlungen auf, stoßen jedoch immer wieder auf eisernes Schweigen. Viele der Geflüchteten wollen unter keinen Umständen negativ auffallen, weshalb kaum jemand bereit ist, mit der Polizei zu sprechen. Die Ermittler werden häufig abgewiesen und kommen nur langsam voran.Parallel dazu lernen wir Nadira kennen. Sie ist ein Mädchen aus Syrien das auf der Flucht vor dem Krieg ist und schließlich bis nach Schweden gelangt.Ihre Geschichte ist sehr emotional und von zahlreichen Gefahren geprägt. Nadira wird von ihrer Familie getrennt und muss sich alleine durchschlagen. Ein Schicksal, das mich besonders berührt hat und unter die Haut geht.Die Charaktere in Sturmschreie wirken sehr nahbar und realistisch. Sie sind glaubwürdig ausgearbeitet und fügen sich stimmig in die Handlung ein.Auch die Handlung insgesamt hat mir gut gefallen, vor allem durch ihre Realitätsnähe und Aktualität. Die Geschichte ist spannend aufgebaut, auch wenn sich einige Passagen meiner Meinung nach etwas ziehen. Dennoch bleibt das Buch durchgehend unterhaltsam, und besonders die Frage, wie die beiden Handlungsstränge zusammenhängen, sorgt für zusätzliche Spannung.Der Schreibstil von Tina N. Martin ist angenehm und flüssig. Sie schreibt sehr bildhaft und schafft eine dichte, teils bedrückende Atmosphäre. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, was einen tieferen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren ermöglicht, auch wenn ich mir stellenweise noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte.Besonders hervorheben möchte ich die behandelten Themen, die sehr aktuell und dadurch umso eindringlicher sind. Vor allem in Bezug auf Flucht, Krieg und Abschiebung.Das Ende hat mir gut gefallen, da es die Geschichte stimmig abrundet und offene Fragen zufriedenstellend klärt.Abschließend kann ich Sturmschreie bzw. die gesamte Reihe definitiv weiterempfehlen. Wer ein skandinavisches Setting, eine packende Handlung und vielschichtige Charaktere mag, wird hier fündig.