Satirischer, schwarzhumoriger Pseudo-Krimi
Nach langer Zeit habe ich mich wieder mal an einen Krimi getraut. Ein Auswahlkriterium war, dass es sich um einen Wien-Krimi handelt - mein Geburtsort und meine geliebte Heimatstadt. Und ich weiß genau, dass das Leben bei uns nicht einfach ist, Sterben offensichtlich schon ¿. Außerdem finde ich es absolut köstlich, dass der Ermittler Inspektor Paradeiser heißt!!! Und auf das, was sonst noch kam, war ich nicht vorbereitet. Piefke 5 ist das Arbeits- und Integrationsprogramm für deutsche Migranten (Wirtschaftsflüchtlinge), an dem Juri Sonnenburg teilnimmt. Sklaven- und Drecksarbeit stehen für die Teilnehmer des Programms an der Tagesordnung, um aus ihnen "gute Österreicher" zu machen. Er bewohnt mit seinem besten Freund Georg (einem Kärntner, der auch am Programm teilnimmt) ein Männerwohnheim in Wien. Und dort passiert ein Mord nach dem anderen. Chefinspektor Paradeiser und Inspektor Stippschitz ermitteln. Paradeiser ist ein typischer Wiener Ermittler : ungepflegt, grantig, schlägt gern zu, Mitte 50, dickbäuchig. Sein Beiwagerl ist Inspektor Stippschitz und der ist das genaue Gegenteil. Wirklich Mühe gibt sich keiner der beiden, um die Fälle aufzulösen, aber im Schikanieren der Piefke 5 Teilnehmer sind sie Weltmeister. Der Autor spricht den Leser manchmal direkt an, finde ich gut. Macht das ganze persönlicher, man fühlt sich in die Geschichte mit einbezogen (ob man will oder nicht ¿). Ein Spaziergang durch ganz Wien, schriftlich festgehalten, hat auch was für sich. Ich selbst wohne ja gleich beim "Arbeitslosenstrandbad", aber auch die restliche Umgebung ist mir natürlich geläufig und wirklich gut beschrieben. Viele Eigenheiten der Wiener werden - wenn auch extrem überspitzt - richtig gut dargestellt. Das muss man auch erst Mal können und 265 Seiten lang durchziehen, ohne Wenn und Aber. Und das ist dem Autor gelungen. Man muss die Kirche natürlich im Dorf lassen und sagen, um einen richtigen Krimi handelt es sich hier nicht. Es gibt keine perfekte Ermittlerarbeit, die am Ende zur Auflösung der Morde führt, ABER: ich hatte so einen Spaß!!!! Dieses Buch ist nicht ernst gemeint und wer keinen Spaß versteht, der sollte lieber die Finger davon lassen. Abgrundtief böser, dunkelschwarzer Humor, die skurrilsten Situationen, extrem grausliche Szenen (also so richtig grauslich) findet man in diesem Buch und man schüttelt entweder den Kopf oder ertappt sich dabei, wie man laut auflachen muss. Es ist so "deppert" und skurril, dass es schon wieder extrem lustig ist. Und wenn man sich nicht wegen jeder Aussage oder Handlung der Mitwirkenden auf den Schlips getreten fühlt und sich auf die Story einlässt, dann kann man das Buch auch genießen. Die vielen unterschiedlichen Figuren haben mich ab und zu aus der Bahn geworfen und manche Stellen waren schon sehr eklig ¿, aber das sind die einzigen Makel meiner Meinung nach. Fazit: Man muss nicht immer alles todernst nehmen. Dieses Buch ist anders, aber auf jeden Fall das Papier, auf dem es gedruckt ist, wert.