Auch und vielleicht auch gerade wegen der Dominanz, die die "Tradwife-Thematik" aktuell in den sozialen Medien mit sich bringt, war ich super gespannt darauf, wie das Ganze hier verarbeitet werden wird.
Und ich wurde nicht enttäuscht; dieses Buch ist nicht nur ein sehr gut geschriebener Thriller (wobei ich zeitweise mehr "Roman-Vibes" mit psychologischer Spannung gespürt habe), sondern gleichzeitig auch ein wichtiges Werk, dass uns vor Augen führt, dass hinter zugezogenen Vorhängen bzw. verschlossenen Toren und der perfekten Inszenierung das wahre Grauen lauern kann. Und dass die Dynamiken, die die "Tradwife-Bewegung" mit sich bringt auf keinen Fall unterschätzt werden dürfen. Denn es kann eben ganz schnell von diesem Idyll, in dem der selbstgebackene Apfelkuchen neben dem selbstgepflügten Wildblumenstrauß auf dem Vollholztisch steht, in echt problematische Themen abdriften. Das ist hier wirklich toll umgesetzt, durch die unterschiedlichen Perspektiven kommt eine ganz speziellen und ab einem bestimmten Punkt auch echt beklemmende Stimmung auf, die Figurenkonstellationen und Anlegungen der Charaktere tuen noch ihr Übriges dazu.
Insgesamt ein Buch, das ein super wichtiges und aktuelles Thema erschreckend realistisch auf die Spitze treibt und dennoch für mich (zeitweise) eher Gesellschaftskritik/ Roman-Anklänge als klassische Thriller-Dynamiken hat. Spannend und fesselnd auf alle Fälle, aber irgendwie auf eine ganz besondere Weise...