Paradise City

von Zoë Beck
Thriller. 'suhrkamp taschenbücher Allgemeine Reihe'. Originalausgabe.
Buch (kartoniert)
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Deutschland in der Zukunft. Die Küsten sind überschwemmt, weite Teile des Landes sind entvölkert, und die Natur erobert sich verlassene Ortschaften zurück. Berlin ist nur noch eine Kulisse für Touristen. Regierungssitz ist Frankfurt, das mit dem gesa … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Paradise City
Autor/en: Zoë Beck

ISBN: 3518470558
EAN: 9783518470558
Thriller.
'suhrkamp taschenbücher Allgemeine Reihe'.
Originalausgabe.
Suhrkamp Verlag AG

21. Juni 2020 - kartoniert - 280 Seiten

Beschreibung

Deutschland in der Zukunft. Die Küsten sind überschwemmt, weite Teile des Landes sind entvölkert, und die Natur erobert sich verlassene Ortschaften zurück. Berlin ist nur noch eine Kulisse für Touristen. Regierungssitz ist Frankfurt, das mit dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zu einer einzigen Megacity verschmolzen ist. Dort, wo es eine Infrastruktur gibt, funktioniert sie einwandfrei. Nahezu das gesamte Leben wird von Algorithmen gesteuert. Allen geht es gut - solange sie keine Fragen stellen.

Liina, Rechercheurin bei einem der letzten nichtstaatlichen Nachrichtenportale, wird in die Uckermark geschickt, um eine, wie sie glaubt, völlig banale Meldung zu überprüfen. Dabei sollte sie eigentlich eine brisante Story übernehmen. Während sie widerwillig ihren Job macht, hat ihr Chef einen höchst merkwürdigen Unfall, der ihn fast das Leben kostet, und eine Kollegin wird ermordet. Beide haben an der Story gearbeitet, die Liina versprochen war. Anfangs glaubt sie, es ginge darum, ein Projekt des Gesundheitsministeriums zu vertuschen, aber dann stößt sie auf die schaurige Wahrheit: Jemand, der ihr sehr nahesteht, hat die Macht, über Leben und Tod fast aller Menschen im Land zu entscheiden. Und diese Macht gerät nun außer Kontrolle ...

Portrait

Zoë Beck, geboren 1975. Schule und Studium in Deutschland und England. Schriftstellerin, Übersetzerin (u. a. Amanda Lee Koe und James Grady), Verlegerin (CulturBooks), Synchronregisseurin für Film und Fernsehen. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Zoë Beck zählt zu den wichtigsten deutschen Krimiautor*innen und wurde mit zahlreichen Preisen, unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis, dem Radio-Bremen-Krimipreis und dem Deutschen Krimipreis, ausgezeichnet.


Leseprobe

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Pressestimmen

"Paradise City variiert Themen aus Klassikern wie Schöne neue Welt. Das Zukunftsszenario ist glaubwürdig, die Handlung komplex und spannend."
Peter Twiehaus, ZDF-Morgenmagazin 16.06.2020

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 21.06.2020

Wovon App-Entwickler träumen

Zoë Becks beunruhigender Science-Fiction-Thriller "Paradise City" erzählt von einer ökologisch-digitalen Gesundheits-Diktatur mit menschlichem Antlitz

In ihrem letzten Buch hat sie ein England lange nach dem Brexit beschrieben und professionelle Drogenlieferung per Drohne. "London, vielleicht bald" hieß es vor drei Jahren am Anfang der "Lieferantin". Jetzt, in "Paradise City", bewegt sich Zoë Beck noch ein Stück weiter in die Zukunft hinein. "Thriller" steht auf dem Buchumschlag, aber es ist auch ein bisschen Science-Fiction dabei. Sie schleicht sich leise in die Geschichte, nicht in Form großer Maschinen, smarter Androiden oder verstrahlter Endzeitlandschaften, sie wird so diskret und geschickt angedeutet, dass man auf den ersten Seiten nur langsam begreift, dass wir in der Zukunft sind.

Die junge Journalistin Liina ist in der Uckermark unterwegs, angeblich soll eine Frau von einem Schakal gebissen worden sein. Sie sieht verlassene Häuser, verkommene Dörfer, streunende Katzen, herumlungernde junge Männer. Man muss zwei- oder dreimal hinschauen, die kleinen Signale in Nebensätzen oder beiläufigen Beobachtungen lesen, welche die Wahrnehmung irritieren.

Diese Verbindung von Kriminalroman und Science-Fiction gelingt nur wenigen deutschen Autoren, auch wenn der eine oder die andere immer wieder mal glaubt, sich das zutrauen zu sollen. Bei der 45-jährigen Zoë Beck muss man sich keine Sorgen machen. Sie hat in acht Kriminalromanen das weite Spektrum ihrer Fähigkeiten demonstriert, sie hat als ehemalige Producerin und als aktive Synchronregisseurin genug Erfahrung mit Drehbüchern, um zu wissen, dass auch in der Literatur Wirkungen desto größer ausfallen, je sparsamer und besser dosiert die Effekte sind.

Die nahe Zukunft, in der die Handlung von "Paradise City" spielt, ist nicht so weit entfernt, dass man nicht vieles noch wiederkennen würde. Berlin ist hier zu einer Art historischem Themenpark geworden. Hauptstadt ist das Rhein-Main-Gebiet, eine Zehn-Millionen-Megacity. Am Frankfurter Museumsufer liegen die Ministerien, die Museen hat man nach Bad Vilbel umquartiert. Gar kein so schlechter Impuls in der aktuellen Debatte über den Theaterneubau. Und eine Bahnverbindung, welche die Fahrtzeit zwischen Berlin und Frankfurt auf weniger als zwei Stunden verkürzt, wäre auch überfällig.

Es ist eine Welt, in der fast alles sehr gut funktioniert. Auf den ersten Blick. Und nur in den Megacitys. Masernpandemien und Resistenz gegen Antibiotika haben die Bevölkerung in den 2030er Jahren um vierzig Prozent dezimiert. Das liegt zu Beginn des Romans schon eine Weile zurück. Nun sorgt eine Gesundheits-App namens "KOS" - sie funktioniert durch einen in den Körper implantierten Chip - dafür, dass sämtliche Vitalwerte verfügbar sind, Untersuchungen angemahnt, Medikamente geliefert und Sozialpunkte gesammelt werden, wie man sie aus dem China von heute kennt.

Die öffentlich-rechtlichen Medien sind zu Staatsmedien geworden, was auch nicht allzu weit hergeholt erscheint. "Das Interesse an Fakten war tot", heißt es einmal. Der öffentliche Raum wird lückenlos überwacht, es gibt allerdings illegale "Videoblocker", eine Software, um sich der Dauersichtbarkeit zeitweilig zu entziehen. Es gibt auch ein "Smartcase", ein handliches Gerät, das alle möglichen Funktionen enthält, von denen Smartphone-Entwickler heute schon träumen, die sie aber hoffentlich noch sehr, sehr lange nicht werden integrieren können und dürfen. Man könnte dieses Deutschland eine sanfte, digitale Öko- und Gesundheitsdiktatur mit menschlichem Antlitz nennen. Im "Gemeinschaftsnetz", an dem alle partizipieren, "kontrolliert sich das ganze Land gegenseitig". Repressive Polizeistaatsmaßnahmen sind kaum mehr erforderlich.

Zoë Beck lässt diese Welt und deren Eigenheiten sehr anschaulich werden, mit sicherem Gespür für notwendige Details, und sie weiß auch, welche technikverliebten Nerd-Zusätze man besser weglässt. Sie erzählt von Liina und der Agentur, für die sie arbeitet, die früher investigativen Journalismus betrieben hat und jetzt, mit erheblichen Finanzierungsproblemen, versucht, Fake News aufzudecken. "Wahrheitspresse" wird dieser vom Aussterben bedrohte Journalismus höhnisch genannt.

Liina ist eigentlich eine Profiteurin des Systems, sie hat mit 35 Jahren bereits ihr zweites Spenderherz, das aus ihren Stammzellen gezüchtet wurde. Das macht sie zum allseits interessanten (und überwachten) Forschungsobjekt. Aber sie will nicht aufgehen im System. Sie hat einen Widerstandsgeist, der eher Trotz als politischer Überzeugung entspringt. Die Faustregel des Genres, dass dystopische Düsternis vor allem strahlende Heldinnen und Helden hervorzubringen habe, setzt Zoë Beck souverän außer Kraft.

Liinas Chef Yassin, mit dem sie eine Affäre hatte, soll sich angeblich vor die U-Bahn gestürzt haben. Liina und ihre Kollegen glauben das nicht. Als eine weitere Investigativjournalistin tot aufgefunden wird, erst recht nicht. Mit Software-Spezialisten und Meisterhackerin versuchen sie herauszufinden, woran Yassin zuletzt gearbeitet hat. Doch das ist, darin liegt Zoë Becks Pointe, weniger ein technisches Problem. Es ist eine Frage des gesellschaftlichen Vorstellungsvermögens: Was kann in dieser neuen gesunden Welt so aufregend und skandalös sein, um überhaupt noch öffentliches Interesse zu erregen?

Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass die Spuren ins Gesundheitsministerium führen, zu der gefeierten Gesundheits-App, die in andere Länder verkauft werden soll. "Paradise City" ist ohnehin nicht primär von seinem Plot getrieben, von dem Fall, der in der eingebauten Teleologie des Genres nach seiner Lösung verlangt. Die Spannung des Szenarios resultiert nicht so sehr aus dem Rätsel. Sondern aus der Spekulation, aus dem Entwurf einer Zukunft. Einige Linien scheinen direkt aus unserer Gegenwart in sie hineinzuführen. Die Gesundheits-App ist schon heute der heimliche Traum der Kassen, Gesundheitskonzerne und Ämter, und wenn man den milden Selbstoptimierungswahn verschärft und flächendeckend werden lässt, ist man schnell in "Paradise City".

Zoë Beck ist jedoch zu smart, um dieses Zukunftsbild totalitär zu überzeichnen, so dass da kein Außen mehr wäre. Es gibt die sogenannten "Parallelen", Menschen, die sich der Überwachung, der völligen Transparenz entziehen. Es geht ihnen gesundheitlich entsprechend schlecht. Aber ihre Existenz ist die unangenehme Erinnerung, woher die schöne neue Welt kommt. Dramaturgisch sind sie unentbehrlich, weil ohne ein Jenseits des Systems dessen Infragestellung nicht möglich wäre.

"Paradise City" ist ein beunruhigendes Buch. Ihr sei es selbst ein wenig unheimlich, sagt Zoe Beck, wie nah ihr Plot manchmal den Verhältnissen in der Corona-Krise gekommen sei. Was sie interessiert, ist der Punkt, an dem etwas kippt: Wenn der Staat als Ordnungsinstanz über einen längeren Zeitraum mehr Macht bekommt, wenn die Bürger Verantwortung abgeben und immer mehr Freiheit gegen Sicherheit eintauschen. Deshalb kommt es einem beim Lesen auch so vor, als sei die Welt von "Paradise City" nur ein Wimpernschlag entfernt von der, in der wir leben - mit Menschen, "die zufrieden sind, mit dem, was sie haben, weil sie alles haben, um zufrieden zu sein: Gesundheit, Sicherheit, ein Zuhause, eine Beschäftigung. Sie haben saubere Luft zum Atmen, sauberes Trinkwasser, gute Lebensmittel, die beste medizinische Versorgung. Es fehlt ihnen an nichts, weil sie glauben, dass es ihnen an nichts fehlt." Ob das alles ist, fragt niemand mehr.

PETER KÖRTE.

Zoë Beck: "Paradise City". Thriller. Suhrkamp, 282 Seiten, 16 Euro. Erscheint morgen.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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Bewertungen unserer Kunden
Großartig!
von hazlewood95 - 11.08.2020
Meinung: Bisher habe ich alle Bücher der Autorin Zoe Beck gelesen und ich mochte sie eigentlich alle sehr gerne, die einen mehr, die anderen etwas weniger, doch alle waren sehr lesbar. Und dieses Mal übertraf sich die Autorin mit diesem dystopisch angehauchten Spannungsroman selbst, denn dieser ist überaus aktuell und nebenbei von einer bestechenden Kreativität geprägt. Der Plot ist großartig durchdacht und die Autorin verliert dabei nie den Überblick oder den Fokus auf die wichtigen und spannend interessanten Momente. Der Schreibstil ist wie gewohnt literarisch ansprechend ohne dabei die normalen Leser zu verlieren, der perfekte Mix aus hochwertiger, ausgewählter Sprache und lockeren Momenten! Überaus empfehlenswert!
Überwachung als Normalzustand
von Anonym - 10.08.2020
Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft: Durch den Klimawandel ist die Temperatur gestiegen und mit ihr der Meeresspiegel. Es gibt einige Megacitys in Deutschland, der Rest ist nur schwach besiedelt. Durch mehrere Pandemien ist die Bevölkerung insgesamt geschrumpft, aber mittlerweile ist das Gesundheitssystem gut entwickelt und die Infrastruktur (zumindest in den Megacitys) gut ausgebaut. Der Staat überwacht die Menschen mit Kameras und Gesundheits-Chips, die implantiert werden. Dass Daten auch gehandelt werden ist ein offenes Geheimnis und kaum jemand regt sich wirklich mehr darüber auf. Liina arbeitet für eine Zeitung, die von den "Wahrheitsmedien" des Staats unabhängig ist. Wie die anderen Mitarbeiter auch, tut sie das heimlich und hat deshalb einige Tarnidentitäten. Ihr Chef schickt sie allerdings zu einem sehr langweiligen Fall, angeblich wurde eine Frau in der Uckermark von Schakalen getötet. Durch den Klimawandel sind diese Tiere durchaus in Europa heimisch geworden, fallen aber in der Regel keine Menschen an. Irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen, aber eine große Story vermutet Liina nicht dahinter. Wieder in Frankfurt erfährt sie, dass ihr Chef einen Unfall hatte. Sie ist geschockt und versucht herauszufinden, was passiert ist. Nach und nach erfährt man mehr aus Liinas Vergangenheit und sie kommt natürlich einer Verschwörung auf die Spur. Mir hat die Darstellung der Zukunft sehr gut gefallen. Die Grundhaltung der Bevölkerung, es schon kaum noch als Skandal zu sehen, dass z.B. Gesundheitsdaten an Firmen verkauft werden finde ich sehr realistisch. Das Ende lässt mich allerdings etwas ratlos zurück, nachdem die Geschichte gut aufgebaut wurde, war die Auflösung dann doch etwas merkwürdig. Irgendwie war es dann doch nicht rund und hat mich nicht gänzlich überzeugt. Alles in allem ein solider Zukunftsroman, der noch etwas Feinschliff und ein paar Seiten mehr hätte vertragen können.
Erschreckende Zukunftsperspektive
von Anonym - 10.08.2020
Liina lebt in einem Deutschland der Zukunft, das so ganz anders ist, als wir es heute kennen. Durch Katastrophen, Pandemien und den Klimawandel ist die Bevölkerung stark geschrumpft. Auf dem Land leben nahezu keine Menschen mehr, da dort die Versorgung mit Strom und Wasser nicht immer gewährleistet ist. Einzig die Parellelen , die kein Teil der Gesellschaft sein wollen, leben dort. Es gibt einige wenige Megacities, in denen ein Großteil der Menschen lebt. An sich ist das Leben dort ganz bequem, solange man sich brav anpasst und nicht negativ auffällt, sonst ist mit Konsequenzen zu rechnen. Zusätzlich wird die Gesundheit jedes Menschen in der Stadt 24/7 überwacht. Alle haben einen Chip eingepflanzt und eine dazugehörige App, KOS, die ständig die Vitalfunktionen überwacht und automatisch die benötigten Medikamente schickt, wenn der Gesundheitszustand vom Normalwert abweichen sollte. Super Sache, oder etwa doch nicht...? Frankfurt ist die größte der Megacities und dort lebt auch Liina. Sie arbeitet und schreibt für die einzige noch vom Staat unabhängige Zeitung und versucht, nicht staatlich geleiteten und zensierten Journalismus zu betreiben. Eines Tages wird sie von ihrem Chef in die Uckermark geschickt, um einen scheinbar unwichtigen Fall von Scharkalbissen zu untersuchen, stirbt er währenddessen, da er von Unbekannten vor den Zug gestoßen und überrollt wird und Liina und ihre Kollegen beginnen zu recherchieren und bringen dabei schreckliche Dinge zu Tage. 280 Seiten für so viel Inhalt fand ich persönlich fast ein bisschen wenig, man hätte auf jeden Fall noch mehr daraus machen können, Potenzial ist da. Nichts desto trotz und trotz des brisanten und eher schweren Themas hat sich das Buch sehr flüssig lesen lassen. Das Buch hat mich gefesselt und auch noch nach dem Lesen nicht direkt wieder losgelassen. Liina ist eine sehr symapthische Protagonistin, die sich nicht öffentlich als Kritikerin am System outen kann, aber ihr bestes gibt, unabhängige Berichterstattung zu betreiben und die Leute nicht systemgesteuert über das Geschehen zu informieren. Aber das System macht es ihr natürlich nicht leicht und es werden ihr einige Steine in den Weg gelegt, von denen sie sich aber nie aufhalten lässt. Eine nicht völlig unwahrscheinliches und deswegen besonders erschreckendes Szenario einer Zukunft, in der glaube ich keiner leben möchte. Es regt den Leser zum Nachdenken an, den Datenschutz zu schätzen zu wissen und nicht allzu sorglos durchs Leben zu laufen und nicht nur die positiven Seiten der fortschreitenden Digitalisierung zu sehen. Kein klassischer Thriller, aber absolut lesenswert!
Kurzweilig und weit entfernt
von Anonym - 09.08.2020
Zukunftsmusik - in vielen Jahren gesehen von heute ist Deutschland nicht mehr so, wie wir es kennen. Alles ist computergesteuert, der Staat hat die Macht, seine Bewohner zu überwachen, nichts bleibt geheim. Liina arbeitet in gewissem Maße gegen das System, will sie doch, zusammen mit einigen der Zeitschrift Gallus, Ungereimtheiten aufdecken, Lügen überführen und die Wahrheit ans Licht bringen. Doch dabei legen sie sich diesmal anscheinend mit den falschen Personen im System an. Irgendwie weiß ich nicht, wie ich das Buch in Worte fassen soll. Die Handlung ist eingängig und man kann sich gut in Liina hineinversetzen. Man kommt auch allgemein gut in die Geschichte, doch konnte ich mich nicht wirklich mit der Gesamtsituation identifizieren, die ja weit entfernt von der heutigen Zeit stattfindet. Natürlich ist es nur eine Geschichte, ein Buch, das geschrieben wurde. Dennoch war durch alles Neue die Geschichte schwer zu erfassen. Zoe Beck habe ich bereits gelesen und leider hat mich dieses Buch nicht wirklich vom Hocker gehauen.
Willkommen in der Zukunft
von Anonym - 09.08.2020
Wir befinden uns in der Zukunft, viele Jahre von heute entfernt. Alles ist anders, nicht so, wie man es heute kennt. Liina und ihre Kollegen arbeiten gegen ein System, dass alles überwacht, kontrolliert und steuert. Doch was passiert, wenn man sich dagegen erhebt und einmal seine Meinung sagt? Kurz und knapp - das Buch war nichts wirklich mein. Utopisch und weit entfernt, für mich teils unrealistisch und nicht nachvollziehbar. Zwar konnte ich mich relativ gut in Liina hineinversetzen, doch leider keine Verbindung zu der Geschichte allgemein aufbauen. Schade, denn ansonsten ist die Geschichte in einigen Jahren vielleicht nicht allzu weit von dem entfernt, was wirklich mal stattfinden wird.
Gefährliche Zukunft
von Annabell95 - 08.08.2020
"Deutschland in der Zukunft. Die Küsten sind überschwemmt, weite Teile des Landes sind entvölkert und die Natur erobert sich verlassende Ortschaften zurück" Liina ist Rechercheurin bei einem nichtstaatlichen Nachrichtenportal und wird in die Uckermark geschickt. Dort soll sie, wie sie eigentlich glaubt, eine banale Meldung überprüfen. Widerwillig übernimmt sie diesen Job, obwohl sie eigentlich eine brisante Story übernehmen sollte. Währenddessen hat ihr Chef einen sehr merkwürdigen Unfall, bei dem er fast ums Leben kommt, und eine andere Kollegin wird ermordet. War das Liinas Glück, dass sie in der Uckermark war? Es kommt ihr aber sehr komisch vor und beginnt mit dem restlichen Team nachzuforschen. Dabei stößt sie auf eine schaurige Wahrheit¿ Leider bin ich Anfang an nicht wirklich in das Buch reingekommen. Irgendwie war es für mich recht wirr und ich habe es dadurch nicht so ganz verstanden um was es eigentlich geht. Den Schreibstil empfand ich aber als sehr angenehm und schön zu lesen, sodass sich das Buch trotz dass ich nicht richtig reingekommen einfach zu lesen war. Das Ende fand ich etwas zu abrupt. Als Leser hatte man hier das Gefühl, als wenn die Autorin keine Lust mehr hatte ein ausführliches Ende zu gestalten, welches den Leser noch aufklärt. So bin ich verwirrt und noch mit offenen Fragen zurückgeblieben. Es war auch kein spannendes Finale. So schnell wie es spannend geworden ist, so schnell war die Spannung auch schon wieder vorbei. Die Handlung spielt in der Zukunft. Die Autorin schreibt hier so über die Zukunft mit den Pandemien und Gesundheits-App, wie sie heute durch Corona schon existiert, als wenn sie hellsehen könnte. Ein bisschen beängstigend finde ich ihre beschriebene Zukunft schon, dass alles durch Technik kontrolliert wird und man selbst als Mensch auf Schritt und Tritt kontrolliert wird. Ich glaube, dass sie mit ihrem Zukunftsthriller uns auch ein wenig die Augen öffnen möchte, damit es nicht so weit kommt. Mein Fazit: Ich fand es durchschnittlich. Es hat auf jeden Fall Potenzial was leider nicht ganz ausgeschöpft wurde. Wenn einiges spannender und ausführlicher gestaltet worden wäre, wäre das Buch echt klasse geworden. Mein Empfinden ist, dass man das Buch lesen kann, aber nicht unbedingt muss.
Sieht so unsere Zukunft aus?
von hiclaire - 07.08.2020
In ihrem neuen, dystopisch angehauchten Thriller, wirft Zoe Beck Schlaglichter in eine mögliche Zukunft. Dabei greift sie viele sich bereits in unserer Gegenwart abzeichnende Entwicklungen und Problematiken auf. Mehr als Schlaglichter können es auf den für diese komplexen Themen doch eher wenigen Seiten kaum sein. Insgesamt war das so für mich ok, auch wenn ich mir an manchen Stellen mehr Hintergrundausarbeitung gewünscht hätte. Schon auf den ersten Seiten geht es um "Fake News", die gestreut werden um Menschen zu manipulieren, die in ihrer Mehrheit nichts dagegen haben, sich keine großen Sorgen um das Abgreifen und Nutzen ihrer Daten machen, sondern den Fokus auf den daraus resultierenden Vorteilen haben. Dinge, die sich bereits heute abzeichnen¿ Man wird ziemlich in die Geschichte "hineingeworfen", ohne große Einführung in die Hintergründe oder genauere Zeitangabe, aber wie erwartet, werden diese Lücken nach und nach geschlossen und man bekommt eine etwas bessere Vorstellung der Gesellschaft, in der die Handlung stattfindet. Die Hauptfigur Liina arbeitet für eines der wenigen verbliebenen Nachrichtenportale, die sich um unabhängigen Journalismus und "echte" Fakten und Informationen bemühen. Sie steht unter besonders aufmerksamer Beobachtung, die Gründe erfährt man im Laufe der Zeit genauer, und rund um ihre Person erwarten den Leser immer neue Überraschungen. Die Geschichte als solche hat mich jetzt nicht restlos überzeugt, doch die angerissenen Themen und die Fortführung schon heute bestehender Problematiken in eine nicht allzu ferne Zukunft fand ich interessant und wichtig. Nachdem ich hineingefunden hatte, war es für mich spannend und temporeich erzählt, die Auflösungen am Ende habe ich als etwas überstürzt empfunden, fand sie aber insgesamt in Ordnung. So auch die Figuren, denen ich nicht sonderlich nahegekommen bin, ohne dabei etwas zu vermissen.
Dystopie mit aktuellem Bezug
von Lesetalk - 04.08.2020
Zoë Beck ist bekannt als Autorin und Übersetzerin und wurde unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis*, dem Radio-Bremen-Krimi-Preis* und dem Deutschen Krimipreis* ausgezeichnet. Sie beschreibt hier mit dem Thriller "Paradise City" eine hochaktuelle Geschichte, die fast schon Bezug nimmt auf unsere momentane Situation. Das Cover ist ansprechend gestaltet und macht Lust das Buch zu lesen. Der Klappentext verspricht ein interessantes Lesevergnügen. Der Thriller spielt in der Zukunft in Deutschland und dort ist die Hauptstadt Frankfurt. Eine Megametropole mit mittlerweile über zehn Millionen Menschen. Der Klimawandel hat seine Spuren hinterlassen und bezeichnend ist, das die Menschen mit einer Gesundheits-App total überwacht werden. Die App meldet z.B., wann man zum Arzt muss, welches Medikament wann und wie eingenommen werden muss und meldet den Gesundheitsstatus minutiös an das Gesundheitsministerium. Einerseits genial, da gewisse Krankheiten ausgerottet sind, andererseits erschreckend. Der Norden Deutschland ist permanent überschwemmt, Küsten werden immer weniger, der Süden leidet unter der permanenten Hitze. Einige Landstriche Deutschlands haben kein Wasser und keinen Strom mehr. Hier baut sich im Thriller langsam ein Szenario auf, das uns in der Zukunft genauso passieren könnte. Nachrichtenagenturen werden nur noch vom Staat gesteuert bis auf ein paar wenige (in einer davon arbeitet die Hauptprotagonistin Liina). Diese "freischaffenden" Agenturen werden allerdings vom Volk nicht wirklich ernst genommen; eher belächelt. Die heutigen Verschwörungstheoretiker können sich auf das Buch freuen! Liina recherchiert jedoch immer nur an kleinen, unwichtigen Themen und sie wartet auf ihre große Story. Plötzlich "verunfallt" ihr Chef und zeitgleich stirbt in der Uckermark eine Mitarbeiterin der gleichen Agentur. Nach und nach wird klar, dass die beiden Fälle wohl miteinander verbunden sind und auch im Zusammenhang mit der Gesundheits-App stehen. Auch Liina ist als chronisch kranke Herzpatientin von dieser App abhängig. Liina fängt an zu recherchieren und wird immer weiter in einen Sog von Intrigen und Machenschaften gezogen, ohne zu wissen auf welcher Seite sie steht und wem sie vertrauen kann. Die Geschichte finde ich spannend und erschreckend nah an unserer Zukunftsaussicht, wenn nicht JETZT ein Umdenken statt findet. Der Thriller hat stets etwas beunruhigendes, was einen auf jeder Seite begleitet. Auch das viele Menschen mit dieser Situation wirklich zufrieden sind, da es ihnen recht gut geht, schockiert mich. So weit zur Geschichte. Das Buch war für mich ob des Schreibstils anfänglich etwas schwierig zu lesen, bis ich mich reingefuchst hatte. Dann liest es sich wirklich flüssig und schnell. Insgesamt gefiel mir die Geschichte, aber das Buch hat nur 280 Seiten, was aus meiner Sicht zu wenig ist. Manche Handlungsstränge waren mir zu kurz, zu wenig intensiv und mit zu wenig Tiefe. Hier hätte ich mir gerne locker 200 Seiten mehr gewünscht, die dem Thriller aus meiner Sicht sicherlich gut getan hätten. Auch finde ich es etwas schade, dass die Protagonisten (viel sind es ohnehin nicht) zu kurz kommen. Da wäre mehr Hintergrund sinnvoll gewesen, was letztendlich schade ist, weil ich viel zu wenig über die einzelnen Personen erfahre. Alles in allem ein spannender Thriller, der sich wirklich flüssig liest, mir aber zu kurz und etwas zu oberflächlich ist.
Optimiertes Leben in der Zukunft
von mi11 - 04.08.2020
Die junge Journalistin Liina wird von ihrem Chef in die Uckermark geschickt, um dort einen vermeintlich banalen Fall von einem Tierangriff auf Menschen zu recherchieren. Sie fährt sehr widerwillig und trotzdem tun sich vor Ort doch Fragen auf, die den Fall in einem anderen Licht erscheinen lassen. Zurück in der Haupt-Metropole Frankfurt - Berlin ist mittlerweile nur noch ein unbedeutender Ort in der Walachei - sind mittlerweile mehrere vermeintliche Unfälle passiert, bei denen es sich um ihren Chef und eine weitere Journalistin des Agenturnetzwerkes handelt. Und Liina beginnt zusammen mit einer Journalisten-Kollegin zu ermitteln, was sich hinter diesen ganzen rätselhaften Einzelfällen verbergen könnte. Dabei erfährt man Einiges über die Gewohnheiten und Ausstattungen des Zukunft-Lebens: alle sind per Smart-Case vernetzt, alle Infos sind in diesem Gerät hinterlegt, das Gesundheitswesen ist hochprofessionell und viele Krankheiten sind mittlerweile ausgerottet oder gut behandelbar. Auch Liina profitiert davon nicht unerheblich. Allerdings sind auch die Medien nahezu komplett von der Regierung gesteuert und die meisten Menschen sind mit dieser Art von Leben sehr zufrieden. Zudem gibt es Einblicke in Liinas Familie, sie hat einen kranken Zwillingsbruder, in Erlebnisse aus ihrer Kindheit und ihre Krankheit. Und alle diese Dinge spielen in die Ermittlungen zu den neuen Unfällen hinein. Da kommt mir einiges etwas zusammenkonstruiert vor, trotzdem liest sich die Geschichte flüssig und spannend. Schlussendlich kommt es zu einem großen Show-Down an der Ostseeküste. Und das Buch regt an, sich Gedanken über die Ausgestaltung der Zukunft zu machen. Was ist im Kampf gegen Krankheiten machbar und ethisch vertretbar? Rechtfertigt guter Wille die komplette Steuerung und Überwachung des einzelnen Menschen? Wie weit geht die Toleranz gegenüber Abweichlern und alternativen Lebensformen? Darauf lassen sich nicht einfach Antworten finden und die Grauzonen sind sehr divers. Ein spannendes Buch mit für mich guten 3 Sternen.
Zukunft oder Fantasy
von odenwaldwurm - 02.08.2020
Die Ereignisse überschlagen sich, ich mag Liinas Erinnerungen an früher. Die Parallelen, sie leben wie Ausgestoßene, haben keinen Strom, keinen Zugang zu Medizin, sind sich selbst überlassen. Wieso verbreitet die Regierung Lügen über sie? Was ist mit den Kindern, die anscheinend ausgetauscht werden? Ich bin mal gespannt ob hier noch der große Knall kommt, oder nicht. Liina verliert ihr Baby, wer in der Klinik hat hier die Entscheidung getroffen. Grauenvoll. Wahnsinn, dass Liina ein gezüchtetes Herz implantiert bekommen hat. Wirkt als wäre sie ein Versuchskaninchen, auch wenn es ihr Leben gerettet hat. Jedenfalls ist sie vertraglich gebunden und muss sich den Anweisungen der Ärzte fügen. Der letzte Abschnitt, ich bin echt gespannt wie diese Story ausgeht. Finde das Thema total fesselnd! (Klappcovertext vom Buch) Ich bin sehr gut in den Thriller gekommen. Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig zu lesen. Die Charaktere gefallen mir gut und sind auch gut beschrieben. Besonders Liina gefällt mir gut und sie ist eine wichtige Person in der Story. Liina arbeiter bei einem der letzten nichtstaatlichen Nachrichtenportale als Rechercheurin. Dabei bekommt sie einen einfachen Aufrage. Wären sie ermittelt passiert sehr viel gefährliches in der Firma. Aber mehr will ich jetzt nicht verraten. Lest einfach das spannende Buch. Ich konnte es einfach nicht mehr aus den Händen legen. Ich wollte unbedingt das Ende erfahren. Es geht um die Zukunft und wie sie vielleicht sein könnte. Wird es ein Überwachungsstaat sein? Fragen über Fragen. Ich kann die Story nur sehr empfehlen, mich hat die Geschichte total gefesselt und begeistert. Ein Lob an Zoe Beck. Euch wünsche ich jetzt viel Spaß beim Lesen.
Eine Dystopie von schockierender Authentizität
von Katharina - 02.08.2020
Während der Pandemien sind hier mehr Menschen gestorben als anderswo. Sie haben sich alle gegenseitig angesteckt. - Seite 222 Als hätte sie es gewusst; Als hätte Zoë Beck die Corona-Pandemie vorausgesehen; Und doch - ein Gedanke, der hartnäckig bleibt: Als ob es wirklich so schlimm werden kann. In Paradise City zeichnet die Autorin Zoë Beck ein Bild von Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft. Es ist heiß, es ist trocken und über den Stadtparks steigen Schwärme tropischer Papageien auf. Deutschlands Küste versank schon vor Jahren in den Fluten der Nord- und Ostsee und der Meeresspiegel steigt weiter, immer weiter. Die Hauptstadt ist nun Frankfurt am Main, die die gesamte Rhein-Main-Region zu einer einzigen Metropole verschmolzen hat. Nur wenige Menschen leben außerhalb der Megacity. Denn es ist ein Privileg, in Frankfurt zu leben. Dort ist es sicher, die Menschen genießen den von Algorithmen gewährleisteten Wohlstand und die weltweit beste medizinische Versorgung. Die medizinischen Fortschritte der letzten Jahre sind beeindruckend und ermöglichen es, dass die Menschen mittels einer neuartigen App über alle Vorgänge in ihrem Körper informiert und sofort medizinisch beraten werden. Liebe Leserinnen und Leser - willkommen in Paradise City! Wir lernen die junge Journalistin Liina kennen, die für eines der wenigen verbliebenen unabhängigen und kritischen Nachrichtenportale recherchiert. Als der Vorgesetzte der jungen Frau während seiner Ermittlungen zu einer großen Sache vor einen einfahrenden Zug gestoßen wird, kommen Liina und ihre Kollegen bei der Suche nach Antworten einem der größten Skandale ihrer Zeit auf die Spur. Mir persönlich hat die von Zoë Beck gezeichnete Zukunftsvision gut gefallen. Besonders überzeugt hat mich die gleichermaßen faszinierende wie auch schockierende Authentizität ihrer Darstellungen. Man erwischt sich das eine ums andere Mal bei dem erschreckenden Gedanken: Ja, so könnte Deutschland irgendwann wirklich sein! . Sie hält uns Leserinnen und Lesern den Spiegel vor und wir müssen uns fragen, ob wir eine Welt wie diese wirklich wollen; wirklich verantworten können. Es werden viele aktuelle Entwicklungen aufgegriffen, Gedanken weitergeführt und auf die Spitze getrieben. Schwierige medizinethische Fragestellungen werden aufgeworfen und regen zum Nachdenken an. Mir drängt sich wieder und wieder die Frage auf: Was für eine Gesellschaft wollen wir sein? Mit ihrem gelungenen Zukunftsentwurf hat mich die Autorin gut unterhalten und ihr flüssiger und schnörkelloser Schreibstil zog mich regelrecht durch die Geschichte. Richtige Spannung, wie ich sie bei einem Thriller erwarte, kam jedoch nicht auf. Zweifelsohne war die Erzählung interessant, doch sie fühlte sich zu keiner Zeit nach einem packenden Thriller an. Ich persönlich würde diesen Titel eher dem Genre Roman zuordnen und finde die Einschätzung des Verlags durchaus unglücklich. Richtig schade fand ich beim Lesen, dass dieses nur 280 Seiten starke Buch wenig in die Tiefe gehen konnte. Zoë Beck baut eine Geschichte auf, die ihrer Natur nach ausgesprochen vielschichtig und komplex ist und die meiner Meinung nach nicht in so wenigen Worten ihrem Potential entsprechend erzählt werden kann. Viele spannende Fragen werden letztendlich nur angerissen und müssen offen bleiben. Das Deutschland der Zukunft wird nicht so umfassend beschrieben, wie ich es - dem Klappentext entsprechend - erwartet hätte. Ich habe mir gewünscht, mehr über die Umgebung und die Hintergründe ihrer Entwicklung zu erfahren. Leider enttäuschte die Oberflächlichkeit der Erzählung in diesem Punkt. Diese Enttäuschung kulminierte schließlich in einem Ende, das ich nicht anders als überstürzt nennen kann. Die Ereignisse überschlugen sich und die Geschichte war mit einem großen Knall zu Ende, der für mich nur wenig erklärte. Dort wurde viel Potential verschenkt. Sehr schade. Fazit Nichtsdestotrotz hält Paradise City insgesamt eine unterhaltsame und faszinierende Vision eines Deutschlands von morgen bereit, die mir wertvolle Impulse zum Nachdenken geben konnte. Ich empfehle die Geschichte all jenen, die sich für authentische Dystopien begeistern und die eine oder andere Ungenauigkeit verschmerzen können.
schöne neue Welt?
von readpassion9 - 31.07.2020
Paradise City spielt in Deutschland, in der nahen Zukunft. Das Leben hat sich durch den Klimawandel und Pandemien sehr verändert. Die überlebenden Menschen leben in Megacities, das Land ist weitgehend unbewohnt. Die meisten Krankheiten sind ausgemerzt, jeder trägt ein Smartcase bei sich, das ihn überwacht, die Wege registriert und sogar den Körper auf Krankheitssymptome scannt. Liina ist Reporterin, von ihrem Chef bekommt sie den Auftrag in die Uckermark zu reisen um dort Zeugen zu interviewen. Zwei Männer haben eine Frau gefunden, die angeblich von einem Schakal gebissen wurde. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, ihr Chef hat einen furchtbaren Unfall, eine Kollegin wird ermordet. Brisant: Beide waren der gleichen Story auf der Spur.... Der eingängige Schreibstil macht es einfach schnell in die Story einzusteigen. Die schöne neue Welt, in der Liina lebt, ist beängstigend. Jeder Schritt wird überwacht, Kameras überall, wer das Smartcase mal ausschaltet macht sich verdächtig. Der Individualverkehr ist abgeschafft, die Regierung kontrolliert die Medien. Liina ist schön gezeichnet, sie ist sympathisch. In eingeschobenen Kapiteln erfährt man mehr über ihre Vergangenheit, auch dass es Menschen gibt, die sich der totalen Kontrolle entziehen. Die Geschichte ist spannend, es gibt immer wieder Wendungen die überraschen. Das Ende kommt leider viel zu schnell, es werden auch nicht alle Fragen geklärt. Leider verliert die Geschichte im letzten Drittel an Spannung, so dass ich einen Punkt abziehe. Nichts desto trotz hat mir das Buch sehr gut gefallen, eine Dystophie die hoffentlich nie eintritt.
Morgen ist heute
von Elke - 29.07.2020
Was für ein Buch! "Paradise City" zeigt uns ein Zukunftsszenario, das erschreckend aktuelle Züge hat. Pandemien haben die Bevölkerung auf die Hälfte schrumpfen lassen, der Klimawandel hat die Umwelt nachhaltig verändert haben. Das Meer hat die Küstengebiete geschluckt, ganze Landstriche sind entvölkert und verwildert, da sich das Leben auf einen riesigen Ballungsraum rund um die Megacity Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet konzentriert. Beste Infrastruktur in einer mit Hilfe von Algorithmen auf Funktionalität getrimmten Welt, in der Gesundheit zum höchsten Gut hochstilisiert wird und Schwäche keinen Platz hat. Es sei denn, man degradiert die Kranken zu Forschungsobjekten, wobei es weniger um deren Wohl als vielmehr um Ausmerzung und Perfektionierung geht. Selbstbestimmung war einmal. Es gibt zwar noch Systemkritiker, "die Parallelen", die sich dem verweigern und als Selbstversorger unter denkbar schlechten Bedingungen weit ab des Ballungsraums ohne die "Segnungen" der Zivilisation leben. Überwachung ist allgegenwärtig, Smartcase und KOS, eine Gesundheitsapp, zählen zur Grundausstattung, Deaktivierung derselben schüren Misstrauen. Die Medien sind gleichgeschaltet. Nichtstaatliche Nachrichtenagenturen gibt es nur noch wenige, sie werden bis zu einem gewissen Grad geduldet, solange sich die kritische Berichterstattung in Grenzen hält. Wenn nicht, ja dann werfen die Journalisten ihr Leben in die Waagschale. Zoe Beck hat ein Händchen für Themen, die sowohl technologische Errungenschaften und medizinischen Fortschritt als auch die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Veränderungen beschreiben. Und dabei spart sie nicht mit Kritik, hinterfragt und gibt Denkanstöße, denn einige der angesprochenen Punkte gehören in manchen Ländern und teilweise auch bei uns bereits seit geraumer Zeit zum Alltag, wie beispielsweise die Analyse des Konsumverhaltens durch Algorithmen, das Erstellen von Bewegungsprofilen oder die Überwachung mittels Gesichtserkennung. Tja, und eine App für die Gesundheit haben wir ja auch seit einigen Wochen.
Lesenswerter Near Future-Thriller
von bookloving - 27.07.2020
Mit ihrem Thriller "Paradise City" ist der deutschen Autorin Zoë Beck ein fesselnder und nachdenklich stimmender Roman mit beklemmenden dystopischen Elementen gelungen, der mit seinem düsteren Szenario erstaunlich nah an der derzeitigen Realität ist und für besondere Brisanz sorgt. Die Vielschichtigkeit und beunruhigende Aktualität ihrer faszinierenden Zukunftsvision sowie der sehr glaubwürdig ausgearbeitete Entwurf einer zukünftigen Gesellschaft, in der Freiheit und Selbstbestimmung bedenkenlos umfassenden staatlichen Sicherheitskonzepten und einer strikten Gesundheitsüberwachung geopfert werden, konnten mich sehr überzeugen. Angesiedelt ist Becks Utopie in einer nicht allzu fernen Zukunft nach dem Zusammenbruch der alten Zivilisation durch Klimawandel, Naturkatastrophen und Pandemien. Die ehemalige Hauptstadt Berlin fungiert nur noch als kulissenhafter Themenpark für historisch interessierte Touristen, während der eigentliche Regierungssitz sich nun in Frankfurt, der 10 Millionen-Megastadt im Rhein-Main-Ballungsraum, befindet. Geschickt lässt uns die Autorin schrittweise eintauchen in eine vermeintlich perfekte "Schöne neue Welt", in der ein hochtechnisierter, gut organisierter Alltag den Menschen ein sicheres und angenehmes Leben in den gut erschlossenen Megacities beschert. Dank des anschaulichen Erzählstils und des Verzichts auf komplexe Fachbegriffe und technische Details fällt der Einstieg in die Geschichte nicht schwer. Neben der Auseinandersetzung mit tiefgründigen Themen, die jeden von uns betreffen, erwartet den Leser eine raffiniert angelegte, vielschichtige Handlung mit spannenden Krimielementen. Sehr differenziert führt uns Beck die weitreichenden Folgen einer Machtkonzentration eines Systems vor Augen, das mittels Smart-Technologie Zugriff auf die Bevölkerung hat und einen Gesundheitsfanatismus betreibt, der auch vor fragwürdigen ethischen Fragestellungen nicht Halt macht. So beleuchtet sie dabei auch die Chancen und Risiken neuer Technologien und des medizinischen Fortschritts, die zunehmend die Wirtschaftlichkeit eines jeden Einzelnen für die Gesellschaft im Fokus haben. Gekonnt gibt uns die Autorin Einblicke in die verstörende Normalität des alltäglichen Lebens einer zunehmend entmündigten Bevölkerung, die sich in einem totalitären System gut aufgehoben fühlt und kaum noch etwas hinterfragt. Bis auf wenige nicht-staatliche Nachrichtenportale gibt es nur noch die Staatsmedien, die lückenlose Überwachung des öffentlichen Raums gewährleistet die Sicherheit der Bevölkerung und via "Smartcase" ist eine permanente Vernetzung garantiert, wodurch jedoch auch ein jeder für das System bis ins kleinste Detail transparent wird. Insbesondere die Gesundheit und Fitness der Bevölkerung wird über die speziell vom Gesundheitsministerium entwickelte Gesundheits-App "KOS" analysiert, überwacht und zentral gesteuert - ein überaus prestige- und gewinnträchtiges Projekt, das in weitere Länder verkauft werden soll. Eingebettet in dieses erschreckende Zukunftsszenario hat die Autorin einen fesselnden, vielschichtigen Plot entworfen, in dessen Mittelpunkt die junge Protagonistin und engagierte Journalistin Liina steht, die für die nichtstaatliche Nachrichtenagentur Gallus inkognito zu Enthüllungsstories über Korruption und Skandale recherchiert. Nach dem mysteriösen Unfall ihres Chefs Yassin und dem Mord an einer Journalistin wird Liina schon bald klar, dass die beiden mit ihren Recherchen auf etwas höchst Brisantes gestoßen sind, das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit kommen darf. Je weiter die komplexe Geschichte voran schreitet, desto mehr müssen wir erkennen, dass hier nichts so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Nach sehr aufschlussreichen Einblicken in Liinas Vergangenheit und einigen sehr überraschenden Enthüllungen und Wendungen nimmt die Handlung immer mehr an Fahrt auf und gipfelt schließlich in einem äußerst fesselnden und sehr unerwarteten Finale. Das sehr überschaubare Figurenensemble mit interessanten, starken Frauenfiguren ist glaubwürdig und vielseitig ausgearbeitet, wobei allerdings einige Charaktere etwas blass bleiben. Sehr vielschichtig ist die Hauptfigur Liina angelegt, die mit ihrer kühlen, distanzierten Art aber auch ihren Stärken und Schwächen sehr authentisch und glaubwürdig wirkt, so dass man sich gut in sie hineinversetzen kann. FAZIT Ein beeindruckender, fesselnder und nachdenklich stimmender Near Future-Thriller mit einem beklemmenden und erschreckend realitätsnahen Szenario! Lesenswert!
Gut unterhalten, aber leider nicht tiefgründig genug
von gaia - 24.07.2020
In diesem Zukunftsthriller, der scheinbar mindestens 80-100 Jahre in der Zukunft spielt, beschäftigt sich Zoe Beck hauptsächlich mit dem Thema Gesundheits-App bzw. Gesundheitsüberwachung. Es wird ein Klassensystem mit konformen Bürgern und Verweigerern dargestellt, welches (wie sollte es anders sein) deutliche Mängel aufweist. Die Geschichte dreht sich um die journalistische Rechercheurin Liina, welche einer zunächst langweiligen Story auf der Spur ist. Sie selbst wird in einen größeren Komplott hineingezogen, welcher bis in hohe Regierungskreise reicht. Soweit, so bekannt. Beck entwirft eine interessante Zukunftsidee, die aber leider aus meiner Sicht nicht tiefgründig genug beleuchtet wird. In Rückblicken erfährt man nicht nur mehr über die Hauptfigur sondern auch zu den Geschehnissen, welche zum aktuellen Gesellschaftsmodell geführt haben. Die Thriller-Geschichte bleibt spannend und kurzweilig. Leider schaffte sie es nicht, mich emotional anzusprechen. Überraschend findet der Plot innerhalb wenider Seiten zum Schluss zu einem Ende. Alles wird irgendwie schnell abgeschlossen, aber gerade an der Stelle hätten noch einmel gute 50 Seiten zur Vertiefung genutzt werden können. Man fühlt sich ein wenig überrumpelt und fallengelassen. Schade, ich dachte noch kurz vor Schluss, es könnte sich um einen Fortsetzungsroman handeln. Die Sprache von Zoe Beck ist weniger intensiv/interessant, als ich sie von ihren Übersetzungstexten kenne und scheint sich eher in die Gepflogenheiten des allgemeinen Krimi- und Thrillergenres einzufügen. Sie bleibt simpel und wenig literarisch feinsinnig. Insgesamt wurde ich recht gut unterhalten, würde nach der Lektüre aber auch nicht unbedingt nach anderen Büchern der Autorin greifen. Das gewählte Thema hätte auf jeden Fall das Thrillerformat eines Frank Schätzings verdient.
topaktuelle Zukunft!?
von Anonym - 23.07.2020
Der Inhalt ist so aktuell und doch so wohl noch fern. Es ist schon überraschend , wie passend manche Lebensbereiche aufgegriffen wurden. Die Pandemie( Masern) , die in den 2030 gern ganze Regionen ausrottet, die elektronischen Chipkarte mit Auslesefunktionen, die der Gesundheitsminister derzeit ausbauen will, die die Gesundheit konsequent überwacht mit entsprechenden Folgen . Der sterile Reinheit und das satte Leben in Megacities, im Vergleich zu der einfachen Lebensart in der Provinz- auch das gibt es heute schon. Die Schreibweise fesselte mich , so dass dieses Buch im Rutsch gelesen wurde. Ich bin fasziniert vom ausgedachten Inhalt und von der Ausdrucksweise. Etwas Wehmut , da an der schönen Rostocker Stadt nicht viel Gutes gelassen wurde.
topaktuelle Zukunft!?
von Anonym - 23.07.2020
Der Inhalt ist so aktuell und doch so wohl noch fern. Es ist schon überraschend , wie passend manche Lebensbereiche aufgegriffen wurden. Die Pandemie( Masern) , die in den 2030 gern ganze Regionen ausrottet, die elektronischen Chipkarte mit Auslesefunktionen, die der Gesundheitsminister derzeit ausbauen will, die die Gesundheit konsequent überwacht mit entsprechenden Folgen . Der sterile Reinheit und das satte Leben in Megacities, im Vergleich zu der einfachen Lebensart in der Provinz- auch das gibt es heute schon. Die Schreibweise fesselte mich , so dass dieses Buch im Rutsch gelesen wurde. Ich bin fasziniert vom ausgedachten Inhalt und von der Ausdrucksweise. Etwas Wehmut , da an der schönen Rostocker Stadt nicht viel Gutes gelassen wurde.
Leider nicht ganz meins
von wasunsbleibtistjetzt - 23.07.2020
Das Buch hat mich sehr interessiert, als ich die Leseprobe gelesen habe. Denn einerseits klingt es nach etwas neuem noch die dargewesenem und andererseits mochte ich auch den Schreibstil. Doch schlussendlich war es dann doch nicht ganz das Richtige für mich. Auf dem Cover steht Thriller. Doch am Ende war es doch zum Großteil eher eine Mischung aus Dystopie und Fantasy. Diese Genres lese ich zwar auch ganz gerne, aber da ist mir das Wichtigste, dass ich die Welt verstehen und in gewisser Weise auch nachvollziehen kann. Doch das konnte ich hier leider nicht. Mir haben Informationen gefehlt die das Bild vervollständigt hätten. Was das Buch schon schafft ist Spannung aufrecht zu halten. Es hat auch nicht viele Seiten so dass keine Längen aufgetreten sind. Insgesamt zwar eine gute Idee der ein paar Seiten mehr sicher gut getan hätten.
Hochinteressante Dystopie - erschreckend nah an der Realität!
von duenefi - 22.07.2020
Paradise City von Zoe Beck ist im Juli 2020 bei Suhrkamp erschienen. Die Taschenbuchausgabe hat 281 Seiten. Das Buch ist als Thriller deklariert, es handelt sich nach meiner Meinung aber eher um einen dystopischen Roman! Deutschland besteht fast nur noch aus Mega-Cities, die Hauptstadt Frankfurt erstreckt sich über das gesamte Rhein-Main-Gebiet. Der Rest sind weitgehend verlassene Landstriche und die Bevölkerung befindet sich zum überwiegenden Teil in den Ballungsräumen. Das ganze Leben wird algorithmisch gesteuert, die Menschen tun keinen Schritt ohne ihr Smartcase, das ins Gemeinschaftsnetz eingebunden ist einfach ALLES steuert. Die Gesundheits-App KOS , die dank eines implantierten Chips im Körper funktioniert, meldet sich, wenn Medikamente eingenommen werden müssen o.ä., es gibt sogar eine Art Geburtenkontrolle. Liina Järvinen ist Rechercheurin bei Gallus, einer Nachrichtenagentur, die als eine der letzten noch nicht verstaatlich wurde und wahrheitsgemäße und oft heikle Berichterstattung macht. Liinas Chef Yassin ist an einer brisanten Story dran und er schickt sie in die Uckermark - scheinbar zur Ablenkung, denn als Liina zurückkehrt nach Frankfurt, hatte Ihr Chef einen mysteriösen Unfall und liegt im Koma...Eine weitere Kollegin wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Was ist da los? Woran hat Yassin gearbeitet? Will jemand etwas mit allen Mitteln verbergen oder hat es gar mit den Algorythmen zu tun?! Liina ist eine sympathische Protagonistin mit persönlichen Problemen und einer Vergangenheit, die dem Leser bekannt vorkommt. Denn da war das Leben noch normal , so wie wir es heute kennen. Liina steht dem neuen System nicht ganz unkritisch gegenüber, denn die Bürger überwachen sich gegenseitig und nahezu alles ist transparent. Aber dennoch profitiert sie auch davon, denn sie hat schon zum zweiten Mal ein neues Herz bekommen. Und das letzte Mal musste sie nicht auf einen Organspender warten, sondern das Herz wurde aus ihren eigenen Stammzellen erschaffen. Die Autorin Zoe Beck erschafft hier eine Kulisse, die nicht nur stark zum Nachdenken anregt, sondern auch erschreckt und ein klein wenig ängstigt. Denn die hier genutzten Technologien sind teilweise schon so nah an unserer heutigen Realität, das Meiste scheint denkbar und realisierbar zu sein. Gerade in Zeiten der CoVid19-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen und Pläne durch die Politik hat mich dieses Buch sehr zum grübeln gebracht. Auf alle Fälle hochinteressant und lesenswert! Paradise City von Zoe Beck ist im Juli 2020 bei Suhrkamp erschienen. Die Taschenbuchausgabe hat 281 Seiten. Das Buch ist als Thriller deklariert, es handelt sich nach meiner Meinung aber eher um einen dystopischen Roman! Deutschland besteht fast nur noch aus Mega-Cities, die Hauptstadt Frankfurt erstreckt sich über das gesamte Rhein-Main-Gebiet. Der Rest sind weitgehend verlassene Landstriche und die Bevölkerung befindet sich zum überwiegenden Teil in den Ballungsräumen. Das ganze Leben wird algorithmisch gesteuert, die Menschen tun keinen Schritt ohne ihr Smartcase, das ins Gemeinschaftsnetz eingebunden ist einfach ALLES steuert. Die Gesundheits-App KOS , die dank eines implantierten Chips im Körper funktioniert, meldet sich, wenn Medikamente eingenommen werden müssen o.ä., es gibt sogar eine Art Geburtenkontrolle. Liina Järvinen ist Rechercheurin bei Gallus, einer Nachrichtenagentur, die als eine der letzten noch nicht verstaatlich wurde und wahrheitsgemäße und oft heikle Berichterstattung macht. Liinas Chef Yassin ist an einer brisanten Story dran und er schickt sie in die Uckermark - scheinbar zur Ablenkung, denn als Liina zurückkehrt nach Frankfurt, hatte Ihr Chef einen mysteriösen Unfall und liegt im Koma...Eine weitere Kollegin wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Was ist da los? Woran hat Yassin gearbeitet? Will jemand etwas mit allen Mitteln verbergen oder hat es gar mit den Algorythmen zu tun?! Liina ist eine sympathische Protagonistin mit persönlichen Problemen und einer Vergangenheit, die dem Leser bekannt vorkommt. Denn da war das Leben noch normal , so wie wir es heute kennen. Liina steht dem neuen System nicht ganz unkritisch gegenüber, denn die Bürger überwachen sich gegenseitig und nahezu alles ist transparent. Aber dennoch profitiert sie auch davon, denn sie hat schon zum zweiten Mal ein neues Herz bekommen. Und das letzte Mal musste sie nicht auf einen Organspender warten, sondern das Herz wurde aus ihren eigenen Stammzellen erschaffen. Die Autorin Zoe Beck erschafft hier eine Kulisse, die nicht nur stark zum Nachdenken anregt, sondern auch erschreckt und ein klein wenig ängstigt. Denn die hier genutzten Technologien sind teilweise schon so nah an unserer heutigen Realität, das Meiste scheint denkbar und realisierbar zu sein. Gerade in Zeiten der CoVid19-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen und Pläne durch die Politik hat mich dieses Buch sehr zum grübeln gebracht. Auf alle Fälle hochinteressant und lesenswert!
Bitte entsprechen Sie der Norm
von Beust - 21.07.2020
Liina lebt in einer "schönen neuen Welt", in der Krankheiten und Armut überwunden sind und vor allem die Katastrophen längst Geschichte sind, die von unserer Zivilisation zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausgelöst wurden: Pandemien haben ganze Städte entvölkert, der Klimawandel lässt die Küsten versinken und Verbrechen sind fast nicht mehr bekannt und die staatlichen Medien berichten über die Großartigkeit der modernen Welt. der Preis, den jede/r Einzelne dafür bezahlt, ist die Einschränkung der persönlichen Freiheit. Gesundheit und Sicherheit stehen an erster Stelle, die Rechte des Individuums stehen dahinter zurück. Das Individuum etwa wird durch sein Smartcase sowie die Gesundheits-App "KOS" überwacht. KOS gibt nicht nur Hinweise zum Gesundheitsstatus, sondern auch zur Fitness, Ernährung und Medikamentierung. KOS ist ein von Menschen erdachtes Programm, das für die optimale körperliche Verfassung der Bürger sorgen soll - und das Programm versieht seine Aufgabe nach paternalistischem Algorithmus ohne Kompromisse. Der Staat verfährt ganz ähnlich mit dem "Volkskörper": Teil des Systems ist, wer produktiv, arbeitsam, gesund und willig ist. Wer sich dagegen sträubt, kann bei den "Parallelen" leben, nicht aber in den Genuss der Zivilisation neusten Standards in Deutschland gelangen. Der Roman, der irrtümlich als "Thriller" gekennzeichnet ist, verwendet sehr viel Zeit auf das Setting, den Kontext und das gesellschaftliche Arrangement, wobei allerdings der Verlust der Nordseeküste, der Untergang Berlins oder die technische Beschaffenheit der Smartcases eigentlich nur Kulisse sind, nicht Handlung. Immerhin ist Adenauers Traum doch noch wahr geworden: Frankfurt wurde Hauptstadt. Die eigentliche Handlung - eine mysteriöse Tote in der Uckermark, die tödlichen Attacken auf Mitarbeiter der letzten unabhängigen Presseagentur "Gallus", die Zusammenhänge mit dem Programm KOS und deren Entwicklerin Simona Arendt - diese Handlung kommt zwischen der Dystopie-Folklore kaum voran. Zoe Beck habe das, was derzeit geschehe, nur konsequent weitergedacht und daraus eine Gesundheitsdiktatur konstruiert, erläuterte die Autorin in mehreren Interviews. Dieses Arbeitsprinzip gilt für alle Dystopien - und das macht ihren Reiz und ihre Gegenwartsrelevanz aus. Becks Gedanken mitzudenken, ist deshalb gewinnbringend und erschreckend zugleich: Was passiert, wenn ein Staat oder eine künstliche Intelligenz unbarmherzig alle Abweichungen von der Norm zu korrigieren versucht? Was ist eigentlich "normal"? Wo bleib die individuelle Freiheit, ja: das Individuum in einem solchen System? Schafft sich eine demokratische Gesellschaft womöglich aus Bequemlichkeit selbst ab, weil sie wichtige Entscheidungen lieber einem Algorithmus überlassen möchte? Weil sie irrtümlich annimmt, "Sicherheit" sei ein "Supergrundrecht", wie ein Innenminister der Bundesrepublik wirklich schon einmal fantasiert hat? "Paradise City" regt zu vielen guten Gedanken an, die sich so oder so ähnlich aber auch in Aldous Huxleys "Schöne Neue Welt" von 1932, Kazuo Ishiguros "Alles was wir geben mussten" von 2005 und Juli Zehs "Corpus Delicti" von 2009 finden. Eigentlich ist es deshalb umso beunruhigender, dass unsere Gesellschaft mit ihrem Gesundheitswahn, der Lust an der einfachen Antwort und der Selbstaufgabe persönlicher Rechte immer noch weiter macht und Becks Roman deshalb so aktuell ist.
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