Wenn man es nüchtern betrachtet, steht die Band Schrottgrenze aus Hamburg zwei Problemen gegenüber: Der Bandname klingt noch immer nach verschmutztem Bierdosen-Punk. Außerdem ist es immer kompliziert, im langen Schatten der vier grandiosesten deutschsprachigen Gruppen Blumfeld, Tocotronic, Kante und Element Of Crime Musik zu machen und zu texten. Gegen das unlängst vom selben Label in die Öffentlichkeit lancierte, furchtbare Jungmänner-Beschäftigungs-Programm Dorfdisko können Schrottgrenze allerdings nur gewinnen: Der etwas verschüchterte Gitarren-Pop auf "Chateau Schrottgrenze" ist angenehm unaufdringlich und leuchtet in den guten Momenten ("Nichts ist einsamer als das", "Alaska"). "Kongress" aber ist allzu bemüht, der Chor im Mutter-Cover "Wenn du da bist" verursacht körperliches Unwohlsein. Sehr schön: Der Robert-Smith-Satz "It doesn't matter if we all die" aus "One Hundred Years" wird im kraftlosen "Zu Staub" zitiert.
JAN WIGGER, SPIEGEL ONLINE