Oberflächlich betrachtet ist der Plot nichts besonderes. Das ist ein Thriller, könnte man sagen und die ganz Schlauen würden meinen: Das ist die Noir-Abteilung. Die Handlung ist einfach. Jimmy Luntz, ohnehin schon mit einer Menge Schulden belastet und deshalb auch immer auf der Flucht, trifft auf Anita, auch auf der Flucht, aber nicht wegen Schulden, sondern weil im Hintergrund 2,3 Millionen zu ergaunern sind. Natürlich trifft man sich in einer Bar, natürlich gibt es auch die ganz bösen Jungs, die nun hinter beiden her sind. Und die sind nicht zimperlich, sondern machen auch schon mal von Waffen und unästhetischen Verschönerungsmethoden Gebrauch.Johnson zieht die Sache durch, mit allen Konsequenzen, und das macht das Buch besonders, denn wer ins Detail geht, der kann die herrlich übertriebenen Gimmicks des Genres genießen, die der Autor mit einer Lust einstreut, dass man irgendwann denken könnte, er wolle uns hier Satire abliefern. Doch das ist es nicht, es ist ganz einfach ein rasend schneller Roman mit herrlichen Dialogen, denen man sich nicht entziehen kann. "Beifall auf offener Szene" fällt einem dabei ein und dann erkennt man ihn, den rabenschwarzen Humor und den Spaß, den Johnson beim Schreiben gehabt haben muss. Das sich so ganz nebenbei auch die Spannung aufbaut und bis zum Ende hält, ist fast schon ein Nebeneffekt, doch der eine oder andere wird sich dabei ertappen, dass er das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, bis er auf der letzten Seite angekommen ist. Für alle die, die diesen Roman langweilig finden, meine Empfehlung, nicht immer jeden "Krimi" so schnell zu lesen, denn dann versteht man selbst sowas nicht.Wahrscheinlich hätte sich Johnson großartig mit Ken Bruen verstanden. Der "Jack Taylor"- Erfinder arbeitet ähnlich, mit knalligen Dialogen und kurzen Sequenzen. Was will uns diese Vermutung sagen? Dass der Leser dieser Rezension gleich zwei Literaturtipps auf einmal bekommt. Viel Freude damit!