Geschichten, die die menschlichen Tiefen ausloten, zum Nachdenken und teilweise auch zum Schmunzeln anregen
Bekanntlich sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Ähnliches gilt wohl für gute Geschichten - zumindest, wenn diese, wie hier geschehen, gut, das heißt passend, erzählt werden. Passend im Sinne von erhellend bzw. auf den Punkt bringend. Es sind allesamt Geschichte mit einem "Aha-Effekt" (oder: so habe ich das ja noch gar nicht gesehen), eingebettet in einen therapeutischen Prozess. Und in diesem Sinne sowohl erklärend als auch zielführend eingesetzt. Geschichten bewegen die Menschen seit Genrationen. Man könnte auch sagen: Menschen haben sich mit ihren Geschichten zu dem entwickelt, was sie heute sind. Diese Geschichten erfüllen einen gewissen Qualitätsanspruch, sonst wären sie nicht immer wieder (weiter-)erzählt worden.Es sind Geschichten, die die menschlichen Tiefen ausloten, zum Nachdenken und teilweise auch zum Schmunzeln anregen. Mit anderen Worten: Sie sind emotionsgeladen sowohl im Sinne von Nachhaltigkeit (wie könnte man die Geschichte des an einen kleinen Pflock festgebundenen Elefanten jemals wieder vergessen?) als auch im Sinne von Wirksamkeit. Man wird nicht umhinkommen, seine eigene Geschichte in diesen "Märchen aus aller Welt, Sufi-Gleichnissen, Zen-Weisheiten, antiken Sagen [sowie] selbst-Erfundenes" einzubinden.Dabei wechseln meist kürzere Dialoge zwischen dem Therapeuten Jorge (wahlweise "der Dicke") und seinem Patienten/Klienten, dem Studenten Demian, und einer dazu passenden Geschichte ab. Unterstützt wird dieser Prozess durch eine oft zweifelnde Nachdenklichkeit der hilfesuchenden Person. Dieses Wechselspiel ist von einer enormen Intensität, der man sich kaum entziehen kann: "'Eine Fabel, ein Märchen oder eine Anekdote' bekräftigte Jorge, ¿kann man sich hundertmal besser merken als tausend theoretische Erklärungen, psychoanalytische Interpretationen oder formale Lösungsvorschläge."Sichtbar wird allerdings auch, wie wichtig ein gutes Therapeuten-Klienten/Patienten-Verhältnis für einen gelingenden therapeutischen Prozess ist: "Der Dicke lächelte und setzte die Miene des verständnisvollen Großvaters auf, die ich bisweilen als ¿wie blöd bist du eigentlich, mein Lieber' interpretierte und ansonsten wie eine riesige Umarmung empfand, die besagte, ¿ich bin ja da' oder ¿alles ist gut'."Man kann dieses Buch nur weiterempfehlen, nicht nur wegen der hier erzählten Geschichten, sondern auch wegen der besonderen Beziehungsgestaltung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten, die man sich ähnlich auch im nicht-therapeutischen Rahmen wünschen würde.(3.7.2021)