Preiswürdig und genial übersetzt
Siech-Literatur: so nennt ein Bekannter von mir Bücher, die ausschließlich vom Elend handeln, vom "Dahinsiechen". Für Frank McCourts "Die Asche meiner Mutter" gilt das aber nicht, obwohl wirklich alles an dieser Kindheit im Irland der 30er und 40er Jahre schrecklich ist. Armut, Hunger, Alkoholismus, Gewalt, sexueller Missbrauch, kurz: unvorstellbares Leid, das durch die sorglosen Augen eines Kindes erzählt wird mit einem schnoddrigen - und von Harry Rowohlt genial übersetzten - irischen Akzent."Die Asche meiner Mutter" hat 1997 den Pulitzerpreis in der Kategorie "Autobiographie" gewonnen; meinetwegen hätten sie auch den Nobelpreis draufpacken können. Selten hat mich ein Buch so bewegt.